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Neubaugebiete in Frankfurt : Auf der Suche nach den letzten Äckern

Eine Stadt will wachsen: Da der Pfingstberg laut Koalitionsvertrag vorerst nicht bebaut wird, beginnt die Suche nach neuen Flächen. Große Äcker nahe Steinbach könnten in Frage kommen. Bild: Wolfgang Eilmes

Der Pfingstberg wird vorerst nicht bebaut. Die Koalition richtet den Blick auf andere landwirtschaftlich genutzte Flächen. Doch die Auswahl ist klein.

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          Das Wort „Pfingstberg“ wird im Koalitionsvertrag zwar nicht erwähnt. Während der Vorstellung des Entwurfs am Montag fiel der Name des umstrittenen Baugebiets aber umso öfter. Für die CDU machte Kämmerer Uwe Becker klar, dass die Felder zwischen Nieder-Eschbach und Nieder-Erlenbach nicht mit Wohnungen bebaut werden. Und auch die SPD gestand ein, dass es für einen neuen Stadtteil an dieser Stelle derzeit keine Mehrheit gebe.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Andererseits: Auch wenn der Pfingstberg in der Vereinbarung nicht genannt wird, schließen die Partner nicht explizit aus, neue Wohngebiete zu entwickeln. Zur Deckung des Wohnbedarfs müssten auch landwirtschaftlich genutzte Flächen in Anspruch genommen werden, heißt es in dem Papier. Wo genau, das soll das „Integrierte Stadtentwicklungskonzept“ klären, das bis 2017 unter breiter Bürgerbeteiligung aufgestellt werden soll.

          Die Ausschlusskriterien für Neubauflächen

          Ein Blick auf den Stadtplan zeigt, dass es in Frankfurt keine zweite zusammenhängende Ackerfläche von vergleichbarer Größe gibt. Der Pfingstberg ist, zumindest in dieser Größenordnung, der sprichwörtlich letzte Acker, auf dem ein Baugebiet für viele tausend Menschen entstehen könnte. Schon in den neunziger Jahren war eine Bebauung geprüft worden: Die Architekten D. W. Dreysse und Ernst-Ulrich Scheffler hatten zusammen mit dem Soziologen Frank Herterich in einer Studie einen neuen Stadtteil mit rund 25000 Wohnungen für 50000 Einwohner geplant. Die Stadt hatte sich damals jedoch gegen den Pfingstberg und für die Entwicklung des Riedbergs entschieden, dessen Erschließung weniger aufwendig war.

          20 Jahre später hat die SPD die Idee wieder ausgegraben. Sie wollte es nun aber eine Nummer kleiner angehen und rechnete mit 8000 Wohnungen. Die CDU versprach ihren Wählern jedoch, dass die Felder nicht bebaut werden, und pflanzte demonstrativ einen Apfelbaum auf dem Pfingstberg. Die Grünen halten das Gebiet wegen der mangelnden Verkehrserschließung für ungeeignet. Gegen diesen Widerstand konnte sich die SPD in den Verhandlungen offenbar nicht durchsetzen.

          Frankfurter Grüngürtel
          Frankfurter Grüngürtel : Bild: F.A.Z.

          Allerdings gibt es durchaus noch unbebaute Flächen, die für die Entwicklung kleinerer Wohngebiete geeignet sein könnten. Einige Ausschlusskriterien gibt es jedoch: Der Grüngürtel, der die inneren Stadtteile wie ein grünes Band umschließt, wird nicht angetastet. Das steht deutlich im Koalitionsvertrag. Auch Naturschutz- und Siedlungsbeschränkungsgebiete des Flughafens sind tabu. Andere landwirtschaftlich genutzte Flächen jedoch sollen für eine Bebauung geprüft werden.

          Nur wenige geeignete Flächen

          Knapp ein Viertel des Stadtgebiets wird landwirtschaftlich genutzt. Große Teile der Ackerflächen gehören städtischen Stiftungen und liegen außerhalb des Grüngürtels. Diese Felder sind überwiegend Landschaftsschutzgebiet. Die Kenia-Koalition denkt darüber nach, diese Gebiete, sofern sie geeignet sind, dennoch zu bebauen. Dass auch solche Flächen zur Disposition stehen, machte der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Oesterling klar: „Es gibt in Frankfurt keine Fläche, auf der nicht irgendeine Schutzkategorie liegt.“ Um den Wohnraumbedarf zu decken, werde man das Siedlungsgebiet erweitern müssen. „Reine Ackerflächen mit nur einer Schutzkategorie kann man durchaus bebauen.“

          Allerdings kann die Stadt das nicht allein entscheiden, sondern müsste beim Regierungspräsidium beantragen, den Schutzstatus zu löschen. Außerdem muss die Stadt in der Regel für einen Ausgleich sorgen. Die Zahl geeigneter Flächen ist ohnehin überschaubar. Die Stadt hat sich mit ihren Restriktionen ziemlich eingemauert. Diese Art von Besitzstandswahrung macht es Neuankömmlingen, die auf der Suche nach Wohnraum sind, schwer.

          „Sonst kann man nirgends mehr bauen“

          Erst bei genauerem Hinsehen sind Potentiale zu erkennen. Auf der Höhe von Niederursel etwa liegt zwischen der A5 und der Nachbarkommune Steinbach noch ein großer Acker. Frankfurt grenzt an dieser Stelle fast an die Nachbarstadt, die S-Bahn-Linie verläuft direkt an der Grenze.

          Auch ganz im Westen hört die Stadt an der A66 noch nicht auf. Auf den Äckern zwischen der Autobahn und dem Main-Taunus-Zentrum wäre noch Platz für ein interkommunales Wohngebiet, das mit den Nachbarn Sulzbach und Liederbach rund um das große Einkaufszentrum entwickelt werden könnte. Gegen jede dieser Flächen sprechen allerdings auch gute Argumente – von der Einordnung als Landschaftsschutzgebiet bis zur Verkehrsanbindung. „Eine Abwägung ist nötig“, meint SPD-Mann Oesterling. Er plädiert dafür, eine Fläche, gegen deren Bebauung es Gründe gibt, nicht gleich auszuschließen. „Sonst kann man nirgends mehr bauen.“

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