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SV Darmstadt 98 : Druck nur in der Stadionfrage

  • -Aktualisiert am

Nahe dran, aber nie drin: Sven Schipplock wartet immer noch auf ein Tor. Bild: Jan Huebner

Oberbürgermeister Partsch setzt auf einen Masterplan für eine neue Darmstädter Arena, Trainer Frings im Spiel beim HSV auf alte Tugenden. Eine Entscheidung könnte es schon am Samstag geben.

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          Es sind aufregende Tage bei den „Lilien“. Am Ostersonntag sind sie durch den 2:1-Heimsieg gegen Schalke dem vorzeitigen Bundesliga-Abstieg gerade noch mal von der Schippe gesprungen. Am Donnerstag schüttelte der Lizenzierungsbescheid der Deutschen Fußball-Liga (DFL) den Verein ordentlich durch.

          Und an diesem Samstag gegen 17.20 Uhr könnte das Darmstädter Fußballmärchen der vergangenen Jahre offiziell zu Ende erzählt sein. Denn nur mit einem Sieg beim Hamburger SV würden die Südhessen den Abstieg zumindest rechnerisch nochmal aufschieben. Dass nach 14 in Serie verlorenen Auswärtsspielen in dieser Saison (6:34 Tore) ausgerechnet beim heimstarken HSV ein voller Erfolg gelingen könnte, ist äußerst unwahrscheinlich.

          Kostspielige Anstrengungen am Altbau

          Weil von Abstiegsangst bei den „Lilien“ schon seit Wochen keine Rede mehr ist, eher von einer sportlichen Abschiedstour mit Stil, gerät die ewige Stadionfrage zum bestimmenden Thema. Mit der Auflage der DFL, zum 31. Januar 2018 eine überdachte Gegengerade oder einen Masterplan für die Entstehung einer zeitgemäßen Spielstätte vorweisen zu können, stehen Stadt und Verein erheblich unter Zugzwang. Erst im vergangenen Sommer hatte die DFL die Bestimmung in ihr Regelwerk aufgenommen, dass die Stadien komplett überdacht werden müssen. 35 Erst- und Zweitligaklubs stimmten damals dafür, einer dagegen – der SV Darmstadt 98.

          So fallen die seit drei Jahren entstandenen und wieder verworfenen Stadionpläne den Akteuren nun auf die Füße. Mit der fortgesetzten Flickschusterei an der in der Weimarer Republik eröffneten und zu Adenauers Zeiten umgebauten Betonschüssel am Böllenfalltor könnte es nun zu Ende sein. Zumal ja Maßnahmen wie die Installation einer Rasenheizung und die Verlegung des Spielfeldes um einige Meter Richtung Gegengerade schon als Vorgriff auf die (damals noch) geplante Modernisierung am Traditionsstandort verwirklicht worden sind. Auch die in dieser Saison im laufenden Spielbetrieb vorgenommene Errichtung der beiden Stahlrohrtribünen an den Stadion-Stirnseiten – Kosten: drei Millionen Euro für drei Jahre – gehört zu den fortgesetzten wie kostspieligen Anstrengungen am Altbau.

          Masterplan für moderne Heimstatt

          Nun scheint ein Neubau wahrscheinlicher als weitere immense Investitionen in das ehrwürdige Gemäuer. SVD-Präsident Rüdiger Fritsch beziffert die Baukosten für ein Dach auf der statisch komplizierten, weil auf Kriegsschutt errichteten Gegengerade auf acht bis zehn Millionen Euro. Zusätzlich würden während der Bauzeit bis zu 7500 Zuschauerplätze wegfallen, auch den Gästefans müsste ein neues Plätzchen zugewiesen werden.

          Dieses Szenario verbreitet bei den Fans zwar weniger Horror als ein Umzug ins Stadion des Erzrivalen Kickers Offenbach, gilt aber als unwahrscheinlich. Oberbürgermeister Jochen Partsch setzt nach eigener Aussage nun darauf, innerhalb der DFL-Frist einen Masterplan für eine moderne Heimstatt der „Lilien“ vorlegen zu können.

          Besondere Pointe zum Ende

          Trainer Torsten Frings sagte, dass die Stadionfrage die sportlichen Planungen für die neue Saison nicht beeinflusse. Für das Match in Hamburg gibt der einstige Nationalspieler seinen Profis die bewährte Haltung mit. „Wir haben überhaupt keinen Druck. Der Druck liegt ganz allein beim HSV. Die müssen gegen uns gewinnen, weil es sonst noch mal eng für sie werden könnte“, sagte Frings, der auf den verletzten Terrence Boyd, den erkrankten Leon Guwara und nach wie vor auf Peter Niemeyer wegen dessen Achillessehnenbeschwerden verzichten muss.

          Im Angriff hat Frings die Wahl zwischen Sven Schipplock, Antonio Colak und Felix Platte. Eine besondere Pointe zum Ende der aufregenden Darmstädter Tage wäre, sollte die HSV-Leihgabe Schipplock ihr erstes, ersehntes Tor im „Lilien“-Dress erzielen – gegen den einstigen SVD-Keeper Christian Mathenia im Tor der Hanseaten.

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