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Neubau des Kongresszentrums : Internisten drohen Rhein-Main-Hallen

Nicht wie hier in einer humanitären Sprechstunde global gesehen, ärgern sich die Internisten in Wiesbaden und überlegen, für ihre Tagungen nach Mannheim zu gehen. Bild: Röth, Frank

Den Ärzten dauert die Entscheidung über den Neubau des Kongresszentrums in Wiesbaden zu lange. Sie suchen nach Alternativen und überlegen, künftig in Mannheim zu tagen.

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          Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin zieht neben Wiesbaden vier weitere deutsche Städte als künftigen Standort ihres jährlichen Kongresses in Betracht. „Die Tendenz geht Richtung Mannheim“, sagte der Präsident Joachim Mössner der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gestern am Rande des Neujahrsempfanges seiner Organisation.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Sie richtet ihre Tagung traditionell in den Rhein-Main-Hallen aus, leidet nach Mössners Worten aber darunter, dass der Zustand des Gebäudes völlig unzureichend sei und die Stadt mit den Planungen für einen Neubau nicht vorankomme. Weil der Kongress regelmäßig die stolze Zahl von rund 8000 Teilnehmern anlockt, gelten die Internisten als Ankermieter der Messehallen. Darum reden sie in der Debatte über den Neubau einerseits ein gewichtiges Wort mit. Andererseits stellen sie ihre Forderung nach raschen Entscheidungen seit langem vergeblich. Wo der Neubau entsteht, ist den Medizinern gleichgültig, wenn sie nur in der Innenstadt tagen können. Gegen Ende des vergangenen Jahres hatte die große Koalition ihre umstrittene Festlegung auf die Wilhelmstraße zurückgenommen und eine Bürgerbefragung angekündigt.

          „Da soll uns der Schwarze Peter zugeschoben werden.“

          Nach Mössners Worten hat Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) ihm gestern morgen in einem persönlichen Gespräch angekündigt, Ende April sagen zu können, ob die Hallen, wie ursprünglich vorgesehen, 2016 fertig sein würden. Dann stehe auch das Ergebnis der Bürgerbefragung fest. Der Oberbürgermeister habe allerdings auch darauf hingewiesen, dass neben dem gegenwärtigen Standort der Messehallen noch Bohrungen durchgeführt werden müssten. Erst wenn feststehe, dass der Boden geeignet sei, könne man das Nachbargrundstück in die Befragung der Bürger aufnehmen.

          Im vergangenen Jahr hatten CDU und SPD stets betont, dass die Stadtverordneten bis Ende 2011 eine endgültige Entscheidung fällen müssten, um die neuen Hallen Anfang 2016 eröffnen zu können. Nach Mössners Worten erklärte Müller ihm gestern auch, dass der Neubau sich wohl noch weiter hinauszögern werde, wenn die Internisten aus Wiesbaden weggingen. „Da soll uns der Schwarze Peter zugeschoben werden.“ Die Mediziner haben sich nach den Angaben ihres Präsidenten bis zum Jahr 2013 vertraglich an die Rhein-Main-Hallen gebunden. Sie wollen auch 2014 ihren Kongress in Wiesbaden ausrichten. Wenn die Stadt aber nicht bald mit hoher Wahrscheinlichkeit garantiere, dass der Neubau im Jahr 2016 stehe, werde man ein „Konkurrenzangebot“ annehmen und schon 2015 nach Mannheim gehen, sagte Mössner.

          „Wir können nicht ewig herumeiern.“

          Der Chefarzt vom Universitätsklinikum Leipzig nannte die Tagungsbedingungen in den Rhein-Main-Hallen „schon jetzt eine Zumutung“. Seine Gesellschaft wolle langfristig und verlässlich planen. „Wir können nicht ewig herumeiern.“ Sobald das neue Wiesbadener Kongresszentrum fertig sei, könne man zurückkehren. Die hessische Landeshauptstadt sei ja zweifellos wesentlich attraktiver als Mannheim.

          Dort bietet sich den Internisten das Kongresszentrum Rosengarten. Dessen Inhaber Michel Maugé leitet gleichzeitig die Eventagentur, die die Tagung der Internisten organisiert. Maugé hatte im Gespräch mit dieser Zeitung versichert, die Wiesbadener müssten nicht die Sorge haben, dass die Internisten nach Mannheim umzögen. Denn dort tagten in jedem Frühjahr die Kardiologen. Beide Gruppen träfen sich seit Jahrzehnten beinahe zu selben Zeit und wollten an dem Termin festhalten. Darum müssten sie in unterschiedlichen Städten zusammenkommen, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 5. Januar berichtete.

          Darauf angesprochen, erklärte Maugé gestern, dass die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin ihre Veranstaltung um ein paar Tage verschieben müsse, wenn sie in Mannheim tagen wolle. Ihm persönlich sei es „völlig egal“, wo sie ihre Kongresse ausrichte. Er habe bisher noch kein Angebot vorgelegt. Der Vorstand habe ihn allerdings beauftragt, für den Zeitraum von 2015 bis 2018 „Alternativen zu suchen“. Er habe festgestellt, dass neben Wiesbaden und Mannheim noch Berlin, Hamburg und München als Tagungsorte in Frage kämen. Entscheiden würden allein die Internisten. Mössner meinte: „Wenn wir nach Berlin gehen würden, kämen wir nicht zurück.“

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