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Neubau des Fraunhofer-Instituts : Kassel soll über Kultur am Bahnhof diskutieren

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Nun behaupten die Urheber der Petition, den bisherigen Mietern auf der Nordseite des Bahnhofs seien keine sinnvollen Alternativen angeboten worden. Der Umgang mit den Kulturschaffenden widerspreche „dem Selbstverständnis der Stadt Kassel, ein Ort der Kultur und der Innovation zu sein“. Der komplette Abriss der Ladestraße, der Zentralen Netzleitstelle und des Stellwerks sei wenig sinnvoll. Die Kulturvermittlerin Gila Kolb, die für die Petition wirbt, plädiert für eine Koexistenz von Iwes und Altbauten. Es ließen sich „interessante Bezüge herstellen“. Deshalb fordern die Unterzeichner der Petition einen „Dialog“.

Fraunhofer-Institut in der Nachbarschaft als „Jackpot“

Die Stadt wurde ihrerseits offenbar von der Petition überrascht. Sie traf sich zum Gespräch mit den Petenten und verweist auf die Chancen des Iwes-Neubaus und das bisher korrekte Verfahren - einschließlich eines einstimmigen Stadtverordnetenbeschlusses -, um dem Institut den Weg zu ebnen: „Die Stadt schätzt und fördert die Kultur- und Kreativnetzwerke.“ Zu ihren Aufgaben gehöre es aber auch, die langfristige Entwicklung in Wirtschaft und Wissenschaft zu bedenken. Darum müssten Gebäude auf der Nordseite des Hauptbahnhofs vollständig abgerissen werden. Die Leiterin des Kulturamtes, Dorothée Rhiemeier, wirbt in persönlichen Gesprächen um Verständnis für die Haltung der Kommune, die für den, der die Politik verfolgt habe, nicht überraschend sein könne.

Sebastian Fleiter von der Nachrichtenmeisterei auf der Südseite des Bahnhofs wiederum sagt, die Geschichte von „David gegen Goliath“ sei so einfach zu erzählen. Die Nutzung der Nordseite sei von Beginn an befristet gewesen. Von den ehemaligen Mietern der Nordseite seien einige in den Süden der Gleisanlagen übergesiedelt, andere nach Berlin und Rotterdam gezogen. Die Batterie, ein Veranstaltungsdomizil auf der Nordseite, dessen Verlust viele beklagen, sei das „Defizitärste gewesen, was wir je hatten“. Die Nutzer des Ortes seien vielfach nicht einmal bereit gewesen, fünf Euro Eintritt für Veranstaltungen zu bezahlen. Nun, da die Ladestraße im Norden verschwinden solle, sei es „typisch Kassel“, dass die Kritiker rufen: „Da muss die Stadt was machen.“

Er, als Teil der Kreativwirtschaft und mithin als Unternehmer, sehe das Fraunhofer-Institut in der Nachbarschaft als „Jackpot“. Wenn dieses Institut komme, sei er der Erste, der bereit sei, den Platz dafür zu schaffen. Fleiter sieht das Institut als Chance für die Stadtentwicklung und nennt Beispiele anderer Städte: In Göttingen kaufe die Stadt eine Verladehalle, um das daraus zu machen, was es in Kassel schon gebe. Bremen errichte ein Kreativzentrum, und Hamburg zahle eine Ansiedlungsprämie für Kreative. Die Stadt Kassel solle sich mit den Betreibern des Kulturbahnhofs, des Programmkinos und der Carricatura sowie der Bahn und dem Iwes zusammensetzen, um eine Perspektive zu entwickeln. Denn die Bahn, ist Fleiter sicher, werde weitere Flächen aufgeben. Darum müsse sich Kassel bekennen und den Prozess mit einem Ziel einleiten: „Wir wollen den Kulturbahnhof. Die Idee darf nicht untergehen.“ Ein Diskussionsforum hat die Stadt, den Petenten sei Dank, nun anberaumt.

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