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Neu-Isenburg und Dreieich : Friedhöfe als Orte der Besinnung mit Platz für eine Bienenweide

  • -Aktualisiert am

Grenzüberschreitend: Die Friedhöfe in Neu-Isenburg und Dreieich werden gemeinsam verwaltet und gepflegt. Bild: Michael Kretzer

Vor 45 Jahren war der Friedhofs-Zweckverband Neu-Isenburg/Dreieich ein frühes Beispiel für interkommunale Zusammenarbeit. Und auch nach Ansicht von Wirtschaftsprüfern hat er sich bewährt.

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          Über den Köpfen der Besucher zwitschern die Vögel lautstark von den hohen Kiefern, Buchen, Kastanien und Birken, die entlang der Wege stehen. Durch die Zweige hindurch erreichen Sonnenstrahlen den Boden und stimmen auf die wärmere Jahreszeit ein. Unter und zwischen den Bäumen reiht sich Grabstein an Grabstein. In idyllischer Umgebung haben die Verstorbenen eine letzte Ruhestätte auf dem Waldfriedhof Buchenbusch in Neu-Isenburg gefunden. Viele Grabstätten ziert frischer Blumenschmuck. Hier und da trägt jemand eine mit Wasser gefüllte Gießkanne zu einem Grab, das gepflegt werden soll. Andere Besucher wissen die Nähe zur Natur zu schätzen und nehmen auf einer Sitzbank Platz, um inmitten von viel Grün für einige Zeit zu verweilen.

          Dass der Waldfriedhof einst an der Neuhöfer Straße entstand, ist das Ergebnis einer frühen interkommunalen Zusammenarbeit: Anfang der siebziger Jahre zeichnete sich auf den Friedhöfen von Neu-Isenburg und der damals noch selbständigen Stadt Sprendlingen baldiger Platzmangel für weitere Begräbnisse ab. Die Stadtverordneten beider Kommunen beschlossen, gemeinsam eine Lösung zu finden: Im Januar 1973, also vor 45 Jahren, wurde der Friedhofs-Zweckverband Neu-Isenburg/Sprendlingen gegründet, der die Friedhofs- und Bestattungsaufgaben in beiden Städten übernahm.

          Personeller Wechsel im Mai

          Als Standort für einen neuen Friedhof kam nur das Waldgebiet zwischen Neu-Isenburg und Sprendlingen wegen der dortigen Bodenbeschaffenheit und der guten Erreichbarkeit für alle Bürger in Frage. Bei der Gebietsreform 1977 entstand die Stadt Dreieich mit den Stadtteilen Sprendlingen, Buchschlag, Dreieich, Götzenhain und Offenthal. Zu Neu-Isenburg kam damals Zeppelinheim dazu. 1980 erweiterte sich der Aktionsradius des heutigen „Zweckverbands für das Friedhofs- und Bestattungswesen in Neu-Isenburg und Dreieich“ auf alle acht Friedhöfe in beiden Städten.

          Ende Mai wird es einen personellen Wechsel geben: Für Geschäftsführer Peter Viehmann, der 40 Jahre beim Friedhofs-Zweckverband tätig war, beginnt die passive Phase der Altersteilzeit. Nachfolgerin wird seine Stellvertreterin Andrea Mansfeld. Vor zweieinhalb Jahren kam sie zum Friedhofs-Zweckverband; vorher stand sie zehn Jahre im Dienst der Stadt Neu-Isenburg, wo sie sich mit Sportangelegenheiten befasste. „Das Leben kann fröhlich, aber auch traurig sein“, sagt Mansfeld. Die Arbeit beim Friedhofs-Zweckverband mit den unterschiedlichen Bestattungsarten sei ein „unglaublich breitgefächertes, interessantes Feld“.

          Stadt und Bürger sind zufrieden

          Die Bürgermeister der beiden Städte wissen den Friedhofs-Zweckverband zu schätzen. Der leiste eine hervorragende Arbeit, sagt Dieter Zimmer (SPD) aus Dreieich. Die Stadt Neu-Isenburg und die Bürger seien mit der Arbeit sehr zufrieden, ergänzt Herbert Hunkel (parteilos) aus Neu-Isenburg. Gleichwohl wurden schon vor einiger Zeit Stimmen laut, den Friedhofs-Zweckverband mit seinen 27 Beschäftigten in den Dienstleistungsbetrieb Dreieich und Neu-Isenburg zu überführen. Dafür sprachen sich die Dreieicher SPD und die Neu-Isenburger FDP aus. Den Dienstleistungsbetrieb hatte die Stadt Neu-Isenburg 1995 als Eigenbetrieb gegründet. 2014 wurde er in eine von Neu-Isenburg und Dreieich gemeinsam getragene Anstalt öffentlichen Rechts umgewandelt. Beide Kommunen gingen damit eine weitere interkommunale Zusammenarbeit ein. Der Dienstleistungsbetrieb übernahm in beiden Städten Aufgaben der Abfallwirtschaft, der Straßenreinigung und des Winterdienstes. Der Dreieicher Bauhof ging darin auf.

          Einen Zuschuss von 256 000 Euro erhält der Friedhofs-Zweckverband nach Angaben von Viehmann in diesem Jahr von beiden Städten, die davon jeweils ungefähr die Hälfte tragen. Dazu kommen 477 000 Euro für den öffentlichen Grünanteil; damit werden Ausgaben abgegolten, die nicht in die Gebühren einfließen dürfen – etwa die Kosten für vorgehaltene Flächen. Nach Viehmanns Einschätzung leistet der Zweckverband „ordentliche Arbeit“. Dennoch beschloss die Verbandsversammlung, der jeweils zehn Stadtverordnete aus beiden Kommunen angehören, überprüfen zu lassen, ob ein Zusammenschluss mit dem Dienstleistungsbetrieb nützlich und wirtschaftlich wäre und ob sich Synergieeffekte ergäben.

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