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Nestlé-Deutschland-Chefin : „Es geht nicht um den kurzfristigen Gewinn“

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Mehr als nur Maggi und Nescafé: Nestlé ist mit Dutzenden Marken auf dem deutschen Markt vertreten, der Umsatz in der Bundesrepublik betrug 2015 etwa 3,6 Milliarden Euro. Bild: Wolfgang Eilmes

Das Deutschland-Geschäft des Nestlé-Konzerns wird von Frankfurt-Niederrad aus gesteuert. Landes-Chefin Béatrice Guillaume-Grabisch über Pizza aus dem Drucker und die Schließung des Nescafé-Werks in Mainz.

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          Welche Nestlé-Erzeugnisse haben Sie denn heute schon beim Frühstück zu sich genommen?

          Nespresso. Ohne Nespresso kann ich gar nicht anfangen zu arbeiten.

          Sie kennen unterschiedliche Märkte. Was unterscheidet den deutschen von anderen?

          Hier ist alles sehr systematisch und strukturiert.

          Sie haben einmal gesagt, Ihr Lieblingswort in deutscher Sprache sei „genau“.

          Ja, das Wort hat im Deutschen mehr Bedeutungen als in anderen Sprachen. Es geht um Zustimmung, aber auch um Genauigkeit.

          Der größte Wandel, den wir im Moment erleben, ist die Digitalisierung.

          Viele haben gedacht, dass es dabei nur um die Kommunikation in den sozialen Medien geht. Aber das ist nicht alles. Es geht auch um den Vertrieb. Tatsächlich fordert Digitalisierung das gesamte Unternehmen, darunter insbesondere Marketing und Vertrieb. Man kann alles schneller wahrnehmen.

          Was bedeutet das für die Konsumenten? Kann man demnächst seine Eissorte von Schöller oder seinen Kitkat-Riegel mit eigener Geschmacksrichtung bestellen?

          Das ist durchaus denkbar. Generell werden sich die Entscheidungsprozesse der Konsumenten ändern, ebenso wie die Produkte. Waschmaschinen werden wissen, wessen Wäsche sie waschen, sie werden sich selbst darum kümmern, dass immer Waschmittel vorhanden ist.

          Wie haben sich denn bei Lebensmitteln die Vorlieben der Verbraucher in den vergangenen Jahren geändert?

          Die Menschen in Deutschland sind bereit, mehr Geld für Qualität auszugeben. Außerdem wird essen zum persönlichen Statement. Nehmen Sie die Vegetarier und Veganer. Ernährung dient nicht nur dazu, satt zu werden. Die Digitalisierung führt dazu, dass die Menschen sich auf ganz andere Weise inspirieren lassen, was sie essen wollen. Sie schauen im Internet, zum Beispiel auf maggi.de, da finden Sie eine riesige Zahl von Rezepten, die die Leute dort veröffentlicht haben.

          Wird es so sein, dass man in zehn Jahren nach Hause kommt und einen Zettel von der Ehefrau auf dem Küchentisch findet: Bin im Kino, druck Dir doch mit dem 3D-Drucker eine Pizza aus?

          Man soll niemals nie sagen. Wir sind alle immer wieder erstaunt worden, was technisch alles möglich ist. Als Jules Verne über eine Reise um die Welt in 80 Tagen geschrieben hat, haben auch alle gedacht, er sei verrückt. Aber im Ernst: Solch ein Drucker könnte bei jemandem, der glutenfrei essen muss, darauf achten, dass die Zutaten stimmen, oder darauf, dass jemand mit hohem Blutdruck nicht zu viel Salz isst. Das wäre schon eine echte Hilfe. Oder schauen Sie, welche Möglichkeiten bei der individuellen Gestaltung von Süßigkeiten möglich wären. Da gibt es noch viel zu entdecken.

          Aber wenn Nahrung eines Tages regelrecht ausgedruckt werden kann, wird doch auch die Skepsis gegenüber der Lebensmittelindustrie noch weiter steigen. Schon jetzt aber erleben wir eine Renaissance regionaler Produkte, direkt vom Landwirt.

          Aber auch wir arbeiten mit natürlichen Zutaten. Wir haben vielleicht eine Zeitlang vergessen, das herauszustreichen. Wir messen Qualität, Sicherheit und Nachhaltigkeit unserer Rohstoffe und Produkte große Bedeutung bei.

          Gilt das auch für die großen Diskussionen der vergangenen Jahre? Nestlé ist immer wieder angegriffen worden wegen des Verkaufs von Milchpulver und auch Trinkwasser in Entwicklungsländern.

          Als schweizerisches Unternehmen hat Nestlé viele Jahre eine sehr zurückhaltende Kommunikation gepflegt. Inzwischen kommunizieren wir anders. Wir haben das Angebot „frag Nestlé“ eingeführt. Und die Leute staunen: Man bekommt tatsächlich eine Antwort! Aber um auf Ihre Frage zu kommen: Wenn Probleme auftauchen, stehen wir dazu. Kürzlich gab es Diskussionen um die Arbeitsbedingungen bei der Verarbeitung von Shrimps in Thailand. Wir haben gesagt: Das gehen wir an. Wir stehen dazu. Und nicht: Warten wir einmal ab. Es geht nicht um den kurzfristigen Gewinn. Nestlé denkt langfristig. Wir hatten vor kurzem ein Treffen mit zahlreichen Nichtregierungsorganisationen hier in Frankfurt. Sie billigen uns zu, dass wir schon gut vorangekommen sind.

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