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Frankfurt : Neonazis wegen Vergewaltigungsserie vor Gericht

  • -Aktualisiert am

Vor Gericht: Die Oberstaatsanwältin sprach von „Rache“ und einer „Machtdemonstration“ des Angeklagten. Bild: dpa

Sie fahren auf Demonstrationen, sind bei Pegida in Frankfurt und bei Hogesa in Köln dabei, und sie vergewaltigen Frauen. Das wirft zumindest die Anklage zwei Neonazis vor, die in Frankfurt vor Gericht stehen.

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          Kai K. und Nils I. sind Neonazis, und in ihrem Verein, den „Nationalen Sozialisten Rhein-Mein“, da machen die beiden viel gemeinsam: Sie fahren auf Demonstrationen, sind bei Pegida in Frankfurt und bei Hogesa in Köln dabei, und sie vergewaltigen Frauen. So jedenfalls sieht das die Staatsanwaltschaft, und vieles spricht dafür, dass es so ist. Zum Beispiel das, was Kai K. zu Wochenbeginn vor dem Landgericht als sein Geständnis verkaufen wollte und was dann doch nur lauter Ausflüchte waren. Aber der Reihe nach.

          Im Sommer 2015 soll Kai K., 31 Jahre alt, eine Frau in Steinbach überfallen und nur deshalb nicht vergewaltigt haben, weil sein Begleiter ihn davon abhielt. Zweieinhalb Wochen später zwang er der Anklage zufolge eine Prostituierte zum Geschlechtsverkehr und würgte sie dabei fast bis zur Bewusstlosigkeit. Als er dann im September wieder eine Prostituierte mit für Frankfurter Verhältnisse hohen Lohnversprechungen in seine Wohnung lockte, soll auch Nils I. dabei gewesen sein. Gemeinsam haben die Männer den Ermittlern zufolge die Frau zu sexuellen Handlungen gezwungen - entgegen der Abmachung und mit Gewalt.

          Möbelpacker mit Totenkopf-Tattoo

          Kai K. also wollte vor dem Landgericht Frankfurt gestehen. Er wollte sogar noch mehr: einen Deal mit Gericht und Staatsanwaltschaft und wegen seines Alkoholproblems raus aus dem Gefängnis und rein in eine Entziehungsanstalt. Zumindest seine Chancen auf ein mildes Urteil dürften schlecht stehen.

          So gab K. zwar zu, eine Frau in Steinbach zu Boden gerissen und sich auf sie gesetzt zu haben. An Details erinnerte er sich aber nicht mehr, wegen des Alkohols, und außerdem sei das alles gar nicht seine Art. Ein Möbelpacker mit Totenkopf-Tattoo auf den Händen riss K. schließlich von seinem Opfer weg. Die Frau hat nach eigenen Worten bis heute Albträume und war sich wochenlang sicher, dass K., der zunächst auf freiem Fuß blieb, seine Tat noch zu Ende bringen wolle.

          Zweieinhalb Wochen später nahm K. zwei Prostituierte mit in seine Wohnung. Die eine sperrte er auf den Balkon, „weil ich von Prostituierten schon beklaut worden bin“, mit der anderen ging er ins Schlafzimmer. Als die Frau ihm wegen Streit ums Geld nicht mehr zur Verfügung stehen wollte, schlug er zu und würgte sie bis zur Bewusstlosigkeit. So in etwa gab K. das gestern auch zu, nach und nach, behauptete aber, es sei doch so ausgemacht gewesen: 200 Euro für eine Stunde. Außerdem habe er der Frau gegen ihre Atemnot sein Asthma-Spray gegeben.

          Der Prozess gegen K. und I. wird nächste Woche fortgesetzt. Dann soll es auch um die mutmaßliche gemeinsame Vergewaltigung gehen.

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