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Neckermann : Dem Insolvenzverwalter bleibt nicht viel Zeit

Die Arbeitnehmervertreter des Versenders Neckermanns sehen aber eine Chance und hoffen auf einen neuen Investor.

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          Die Mitarbeiter des seit Donnerstag offiziell insolventen Versandhauses Neckermann geben die Hoffnung auch nach diesem Schlag nicht auf. „Wir sind mit der Wahl der Insolvenzverwalter zufrieden, und wir sind froh, dass es eine Regelinsolvenz ist, die Insolvenzverwalter also eine starke Position gegenüber der Geschäftsleitung haben“, sagte gestern Wolfgang Thurner, Gewerkschaftssekretär bei Verdi im Fachbereich Handel und Neckermann-Aufsichtsratsmitglied.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Die Verwalter, die die Neckermann-Geschäftsleitung von nun an zu fragen hat und auf die Thurner zählt, sind die Rechtsanwälte Michael Frege und Joachim Kühne von der Frankfurter Kanzlei CMS Hasche Sigle. Sie wurden gestern vom Amtsgericht Frankfurt bestellt. Frege beispielsweise hatten auch die Gewerkschafter auf ihrer internen Liste als Wunschkandidaten für den Fall, dass es nicht mehr ohne einen Insolvenzverwalter gehen würde, wie Thurner sagte. Er erhofft sich nun von den beiden, dass sie einen neuen Investor ausfindig machen, ohne den innerhalb von etwa drei Monaten womöglich Schluss ist bei Neckermann.

          Schnelles Handeln ist erforderlich

          Anwalt Frege äußerte sich im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zwar nur allgemein, weil er noch keine detaillierten Kenntnisse der Situation aus dem Hause Neckermann habe erfahren können. Eines aber stand für ihn gestern schon außer Zweifel: Es komme nun darauf an, sehr schnell und entschlossen zu handeln und Geschäftspartner dazu zu bewegen, besonnen mit dem Haus umzugehen.

          Frege ließ auch keinen Zweifel daran, dass es bei Neckermann um die Rettung eines schwer angeschlagenen Unternehmens in einem besonders schwierigen, weil besonders hart umkämpften Markt gehe. Gerade im Handel seien solchen Fälle immer sehr schwierig, sagte Frege, der unter anderem als Insolvenzverwalter der deutschen Dependance der Bank Lehman Brothers bekannt geworden ist.

          Keine „unverschämt hohen Forderungen“

          Maximal drei Monate werden die mehr als 2000 Frauen und Männer von Neckermann Insolvenzgeld bekommen, wenn das Verfahren formell eröffnet ist. Wie die Arbeitsagentur Frankfurt auf Nachfrage mitteilte, wird dabei der entgangene Nettoverdienst zu 100 Prozent erstattet, es sei denn, die Bemessungsgrenze von 5600 Euro werde erreicht. Davon dürfte allerdings das Gros der Neckermann-Beschäftigten weit entfernt sein. Nach dem nun gescheiterten Sozialplan für die Logistiksparte hätte beispielsweise ein Mitarbeiter für mehr als zwanzig Dienstjahre Verdi-Angaben zufolge alles in allem 5250 Euro Abfindung erhalten. Von unverschämt hohen Forderungen der Arbeitnehmerseite könne man da nicht ernsthaft sprechen, sagte Bernhard Schiederig, Leiter des Landesfachbereichs Handel bei Verdi, gestern.

          Wie eine Sprecherin der Arbeitsagentur weiter sagte, sind ihre Kollegen darauf vorbereitet, mit Beginn des Verfahrens in das Unternehmen zu gehen, um Schwierigkeiten beim Beantragen des Insolvenzgeldes zu vermeiden. Wenn es dann doch zu Kündigungen komme, bestehe die Pflicht, sich arbeitslos zu melden, vorher könne man sich arbeitssuchend melden.

          Derweil hieß es aus Kreisen, die dem Eigentümer Sun-Capital nahestehen, dass die Ablehnung des von Arbeitnehmerseite und Geschäftsleitung beschlossenen Sanierungsplans keineswegs überraschend gekommen sei. Man habe eine Obergrenze von 25 Millionen klar definiert, und die sei nicht eingehalten worden. „Eine klare Ansage also.“

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