https://www.faz.net/-gzg-7wok7

Neckarsteinach : Eine Stadt will nicht mehr hessisch sein

  • Aktualisiert am

Stadt-Land-Flucht: Um zu entscheiden, ob Neckarsteinach das Bundesland wechseln darf, wäre wohl ein Volksentscheid in Hessen nötig. Bild: dpa

Lieber ins reiche Baden-Württemberg: Die 3800-Einwohner-Stadt Neckarsteinach gehört bisher zu Hessen. Sie möchte badisch werden - dabei geht es vor allem ums Geld. Es hat aber auch ungeahnte Folgen für die Bordelle des Ortes.

          1 Min.

          Umzug ohne Kofferpacken: Die südhessische Stadt Neckarsteinach will das Bundesland wechseln - und künftig zu Baden-Württemberg gehören. „Der Süden von Hessen wird vergessen, wir fühlen uns ungerecht behandelt“, sagte der Bürgermeister der 3800-Einwohner-Kommune Herold Pfeifer (SPD) der „Rhein-Neckar-Zeitung“. Das Ansinnen sei „kein Scherz“.

          Hauptgrund für den gewünschten Wechsel sei die schlechte finanzielle Ausstattung der Kommunen in Hessen, die auch durch den neuen kommunalen Finanzausgleich bedingt sei. Seit der Umstellung des Stadthaushalts vor fünf Jahren habe die vorher schuldenfreie Odenwald-Kommune jedes Jahr ein Defizit von 700.000 Euro erwirtschaftet. Auf dpa-Anfrage war Pfeifer am Samstag zunächst nicht zu erreichen.

          Volksentscheid in Hessen nötig

          Nach Einschätzung des Bürgermeisters, der davon ausgeht, dass die Parteien vor Ort seine Wechselabsichten mittragen, sind Kommunen in Baden-Württemberg finanziell besser aufgestellt. Zudem fühlten sich viele Einwohner nicht als Hessen und arbeiteten ohnehin in Baden-Württemberg. Selbst die Schulen hätten baden-württembergische Ferien. Im Alltag gebe es in Verwaltungsfragen oder bei Polizeieinsätzen zudem unnötige Probleme wegen der Zugehörigkeit zu Hessen.

          „Wir prüfen nun, wie der Wechsel eines Bundeslandes möglich ist“, sagte Pfeifer der „Rhein-Neckar-Zeitung“. „Wahrscheinlich wäre ein Volksentscheid in ganz Hessen darüber notwendig, ob Neckarsteinach das Bundesland verlassen darf. Es muss auch geklärt werden, ob Baden-Württemberg uns will“, betonte der Bürgermeister. „Es wird schwierig, aber wir haben ja nichts zu verlieren.“

          Folgen für Bordelle

          Beim baden-württembergischen Innenministerium reagierte man zunächst verhalten auf den Plan. Ob bereits eine offizielle Anfrage eingegangen sei, konnte ein Sprecher auf dpa-Anfrage zunächst nicht sagen. Fraglich sei ihm zufolge zudem, ob die klamme Kommune tatsächlich „eine attraktive Braut“ sei.

          Neckarsteinach ist wegen seiner vier Burgen und seiner mittelalterlichen Altstadt als Touristenziel bekannt. Ein Bundesländerwechsel hätte vor allem für Freudenhäuser Konsequenzen: Die drei legalen und von hessischen Behörden überwachten Bordelle der Stadt müssten dann nämlich sofort geschlossen werden. Denn in Baden-Württemberg ist Prostitution in Gemeinden und Städten unter 35.000 Einwohnern nicht erlaubt.

          Weitere Themen

          Wie man um die Ecke schießt Video-Seite öffnen

          Geht doch! : Wie man um die Ecke schießt

          Ecken direkt verwandeln – auf dem Fußballplatz geht das noch vergleichbar einfach. Beim Tipp-Kick braucht es viel Feingefühl. Wir verraten, wie der perfekte Schuss um die Ecke gelingt.

          Jürgen Richter rechtskräftig gekündigt

          AWO-Skandal : Jürgen Richter rechtskräftig gekündigt

          Ein wichtiger Schritt in der Aufarbeitung des AWO-Skandals: Wie die Arbeiterwohlfahrt Frankfurt selbst mitgeteilt hat, ist die fristlose Kündigung des früheren Vorsitzenden Jürgen Richter rechtskräftig.

          Topmeldungen

          Atomkraft: Zu Unrecht undiskutabel?

          Energiewende unter der Ampel : Die Atom-Diskussion wagen

          Die Energiewende ist kein einfaches Unterfangen. Die Ampel möchte vermehrt auf erneuerbare Energien setzen, aus Gründen des Klimaschutzes. Eine andere Energiequelle fällt aus der Diskussion.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.