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Warnung vor Unfallgefahr : Navi und App könnten bald vor Wildwechsel warnen

  • Aktualisiert am

Analog: Zu den üblichen Warnschildern könnten künftig auch Apps kommen Bild: Bergmann, Wonge

Die Zahl der Wildunfälle erreichte 2015 hessenweit einen Rekord. Es ist schwer vorauszusagen, wo Hirsch oder Wildschwein die Straßen kreuzen. Ein Doktorand arbeitet daran, wie Autofahrer besser gewarnt werden können.

          „Achtung! Sehr hohe Wahrscheinlichkeit für Wildwechsel. Fahren Sie langsam und bleiben Sie bremsbereit.“ So oder so ähnlich könnte das Navi oder eine App künftig Autofahrer auf Hessens Straßen warnen. Dazu will der Doktorand Matthias Böhm von der Straßenbaubehörde Hessen Mobil bis zum Jahr 2020 eine spezielle Daten-Schnittstelle entwickeln. Sie soll es Radiosendern oder Anbietern von Apps und Navigationsgeräten ermöglichen, ihre Nutzer lokal vor Hirsch, Reh oder Wildschwein zu warnen.

          Basis soll das neue landesweite digitale Wildunfallkataster sein, für das Böhm gerade Daten der Polizei und der Verkehrsbehörde Hessen Mobil zusammenträgt und in ein geografisches Infosystem einpflegt. „Mit Hilfe dieser Angaben lässt sich die Wahrscheinlichkeit berechnen, nach der zu einer bestimmten Tageszeit an einem bestimmten Ort beispielsweise ein Hirsch kreuzt“, erklärt der Ingenieur.

          Das System enthält genaue Informationen darüber, wie weit der Unfallpunkt etwa von der nächsten Siedlung oder einem Fluss entfernt ist oder bei welchem Wetter besonders häufig Tiere unterwegs sind. Die Vorlage für das Wildunfallkataster wurde an der Christian-Albrechts-Universität Kiel entwickelt. In Schleswig-Holstein ist es bereits im Einsatz.

          Auch den Landesjagdverband (LJV) konnte Böhm für seine Arbeit gewinnen. „Eine solche Entwicklung ist dringend notwendig“, sagt Rolf-Walter Becker vom Referat Naturschutz und Wildbiologie des LJV. „Wir helfen gerne dabei, sie hessenweit in die Fläche zu bringen und Unfälle zu vermeiden.“ Demnächst können Jäger, wenn sie im Land zu einem Wildunfall gerufen werden, diesen bereits über eine App registrieren. Sie bietet wichtige Daten, auf die wiederum Böhm dann für seine Prognosen zugreifen kann.

          Handlungsbedarf besteht jedenfalls: Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Wildunfälle landesweit um rund ein Fünftel auf 19 093 - und damit auf den höchsten Stand seit fünf Jahren. Allein die Polizei Rheingau-Taunus registrierte 976 Unfälle, 176 mehr als im Vorjahr. „Wir hatten zwei Schwer- und elf Leichtverletzte“, sagt Christopher Rosenberger vom Regionalen Verkehrsdienst. Den wirtschaftlichen Schaden schätzt Karl-Heinz Brassat, Leiter der Polizeidirektion Rheingau-Taunus, auf mehr als eine Million Euro. Dazu kämen in manchen Fällen noch der Verdienstausfall, Kosten für einen Leihwagen und die Wertminderung des Autos.

          Rosenberger und Böhm haben eine Karte erstellt, die auf einen Blick verdeutlicht, wo sich im Kreis die meisten Zusammenstöße mit Wildschwein und Co. ereignen. Gerade die Bundesstraße 260 vom Rheingau in den Taunus ist ein echter Brennpunkt. „Auf wenigen Kilometern Strecke passieren fast die Hälfte der Unfälle“, sagt Rosenberger. Häufig sei zu schnelles Fahren die Ursache, Schilder würden ignoriert. „Die Fahrer können dann nicht mehr rechtzeitig reagieren.“

          Eine der ersten Maßnahmen der Polizei ist daher Aufklärungsarbeit. Rosenberger und seine Kollegen verteilen beispielsweise auf einem Parkplatz an der B260 Flyer mit der neuen Karte. Gerade Pendler, die die Strecke täglich fahren, seien begeistert. Viele hatten selbst schon unschöne Begegnungen mit Hirsch, Hase oder Wildschwein und fahren die Strecke seither noch vorsichtiger. Bis die Schnittstelle aus Böhms Doktorarbeit für automatische Warnungen in ganz Hessen fertig ist, wollen Böhm und die Polizei auch für andere Strecken in Westhessen ähnliche Karten erstellen.

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