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Naturschutzgesetz : „Es ist schade um jeden Baum“

Nicht nur der Landesgartenschau, auch dem Naturschutzgesetz zu Folge müssen einige Bäume dem weichen - den Vögeln zuliebe. Bild: dpa

So viele Bäume wie derzeit werden selten gefällt. Grund ist das Naturschutzgesetz: Vom 1. März an sollen Vögel in Ruhe brüten können.

          Kein Tag vergeht ohne eine Meldung, wo in der Stadt derzeit Bäume gefällt werden. Am Sonntag Vormittag, wenn wenig Verkehr herrscht, sollen vier fast 20 Meter hohe Kastanien an der Straße Am Erlenbruch im Riederwald fallen, damit der Bau des Riederwaldtunnels vorbereitet werden kann. Am Montag werden drei Bäume am Kunstverein für die Neubebauung des Dom-Römer-Areals weichen, und wahrscheinlich am selben Tag werfen Mitarbeiter von Gartenbaubetrieben die Sägen an, um die mittlerweile zu einiger Bekanntheit gelangten 18 Bäume in den Wallanlagen zu fällen, die den Bau des Hotels an der Alten Oper behindern. Der Eilantrag eines Anwohners, der zur Rettung der Bäume das Bundesverfassungsgericht angerufen hat, wird daran voraussichtlich wenig ändern.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Grund für das emsige Sägen und Hacken ist der Paragraph 39 des Bundesnaturschutzgesetzes, der öffentlicher Hand wie auch privaten Grundsbesitzern vorgibt, aus Gründen des Vogelschutzes zwischen dem 1. März und dem 30. September keine Bäume zu fällen. Wie Stephan Heldmann, Leiter des Frankfurter Grünflächenamts, mitteilt, können in Ausnahmefällen durchaus auch in der Zwischenzeit Bäume gefällt werden. Allerdings ist dann eine Begehung mit einem Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde notwendig. Fällungen sind mitunter aber auch erforderlich, weil ein Baum etwa wegen Pilzbefalls umzufallen droht. Die Stadt wie auch Privateigentümer müssen der sogenannten Verkehrssicherungspflicht nachkommen.

          „Wir müssen uns bemühen, so viele Baumstandorte wie möglich zu haben“

          „Natürlich ist es schade um jeden Baum, der gefällt werden muss“, sagt Heldmann. Allerdings muss jeder, dessen Baum unter die Schutzsatzung fällt, für einen gefällten entweder einen neuen Baum pflanzen oder einen Ausgleich zahlen. Und genauso handhabe dies auch die Stadt, sagt Heldmann. Ein großes Augenmerk hat das Grünflächenamt dabei auf die mehr als 44000 Straßenbäume, die eigens in einem städtischen Kataster erfasst worden sind. Angesichts der zahllosen Rohre und Leitungen, die sich in den Straßen und Bürgersteigen befinden, würden zusätzliche Baumstandorte in aller Regel nur bei der Neugestaltung von Straßen festgelegt. Schließlich werde für einen Baum eine Fläche von zwei mal drei Metern benötigt und eine Tiefe von noch einmal zwei Metern.

          „Wir müssen uns bemühen, so viele Baumstandorte wie möglich zu haben“, fordert Heldmann. Die deutlich höheren Kosten für neue Baumstandorte, insbesondere an Straßen, aber auch in manchem Park, sollten die Stadt nicht hindern, aktiv zu werden, auch wenn wegen einer möglicherweise nötigen Veränderung von Leitungswegen ein neuer Baum zwischen 10000 und 20000 Euro kosten könne. Mit Blick auf extreme Wetterlagen, die schon jetzt aufträten und immer häufiger würden, seien Bäume in einer Stadt eine „ökologische Notwendigkeit“. Und der Amtsleiter sieht für Frankfurt „noch viel Potential“, neue Standorte für Bäume zu finden - in Grünanlagen und an Straßen.

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