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Naturschutz in Hessen : M 2 streift frei umher

Wieder da, aber noch sehr scheu: Der Luchs Bild: dpa

Luchse, Otter, Biber: Fast ausgestorbene Arten haben vom Naturschutz in Hessen profitiert. Die einen allerdings mehr als die anderen.

          7 Min.

          Wo ist M 2? „Das wissen wir nicht“, sagt Gerd Bauer vom Arbeitskreis Hessenluchs. Der männliche Luchs aus dem Nationalpark Harz war schon 2009 nach Hessen eingewandert. „Die letzten Daten stammen aus dem Februar 2010. Danach fiel der Halsbandsender aus. Über seinen weiteren Verbleib weiß ich daher nichts.“ Auch Ole Anders bedauert. Der Koordinator des Luchsprojektes Harz hatte den Luchs „besendert“, wie es im Naturschutz heißt, dem Tier, nachdem es dafür gefangen worden war, ein Halsband angelegt, das Signale sendet und mitteilt, wo der Luchs sich aufhält. Doch dieses Halsband hat, wie Bauer sagt, eine Sollbruchstelle, so dass der Luchs von seiner Last auch wieder befreit wird. Und dann eben herumstreift, ohne mitzuteilen, wo. Könnte M 2 identisch sein mit jenem Luchsmännchen, das derzeit unter dem Namen „Felux“ durch den Kaufunger Wald stromert? „Das ist eine interessante Frage“, sagt der Verhaltensbiologe Markus Port von der Universität Göttingen, der für ein Fotofallen-Projekt in dem Gebiet verantwortlich zeichnet. Wie alt ist „Felux“?

          Claudia Schülke

          Freie Autorin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Es ist spannend, dem Eurasischen Luchs nachzuspüren. Kein Wunder, dass so viele Forscher und Naturschützer damit beschäftigt sind. Erst im Juni hat Ole Anders hochoffiziell in Hessen „gewildert“. Auf der hiesigen Seite des Kaufunger Walds hatten sich die Sendersignale der Luchsin F 7 verdichtet. Der Nestor des deutschen Luchsschutzes vermutete eine Wurfhöhle. Nach Absprache mit den hessischen Behörden entdeckten seine Mitarbeiter tatsächlich unter einem Wurzelteller drei vier Wochen alte Jungluchse. Sie wurden gewogen, vermessen und bekamen einen Chip unter die Haut gepflanzt. „Der Eingriff ist nicht riskant. Kaum hatten die Luchsexperten den Ort verlassen, kam Luchsin F 7 zurück und trug ihre Jungen an einen anderen Platz“, meldet der Arbeitskreis Hessenluchs.

          Luchse nicht so scheu wie vermutet

          Der Luchs gehört zu den Tieren, die vom Naturschutz in Hessen profitiert haben. Aber begonnen hat diese Erfolgsgeschichte in Niedersachsen. Im Jahr 2000 hatte Ole Anders im Nationalpark Harz 24 Luchse ausgewildert, allesamt aus Nachzuchten von Gehegetieren. Anders als die Wildkatze war „Lynx lynx“, wie ihn die Biologen nennen, nach jahrhundertelanger Verfolgung in Deutschland ausgestorben. Den Naturschützern blieb nichts anderes als die Wiederansiedlung übrig. Begonnen hatten sie damit schon in den siebziger Jahren im Bayerischen Wald. Der Versuch schlug fehl, weil Jäger und Kleinbauern den Tieren den Garaus machten. Später wanderten Luchse aus dem tschechischen Böhmerwald ein. Und wieder werden sie gewildert, in den vergangenen Monaten mit geradezu pathologischer Grausamkeit. Naturschützer sprechen mittlerweile vom „Bermudadreieck“ im Lamer Winkel.

          Ist so etwas in Hessen auch möglich? „Nein“, sagt Gerd Bauer, selbst Jäger im Ökologischen Jagdverein Hessen, der mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) den Arbeitskreis Hessenluchs gegründet hatte. „In Hessen gibt es zehn bis 15 Rehe auf 100 Hektar, im Bayerischen Wald nur drei bis vier“, erläutert er und fährt fort: „Die armen Kleinbauern dort haben Angst, dass ihnen der Luchs alles wegfrisst und sie dann die ihnen vom Land auferlegten Abschussquoten nicht erfüllen können.“ In Hessen seien die Wildstrecken immer noch gleich hoch. Die gefleckten Pinselohren mit ihrem Stummelschwanz haben also genug zu fressen. Im Werra-Meißner-Kreis gab es im vorigen Jahr erstmals mehr sogenannten C 1-Nachweise (durch Fotofallen) als C 3-Nachweise (Sichtungen). Und so scheu wie vermutet sind die Tiere auch nicht. Im Seulingswald wurde im Mai 2014 ein Luchs aus nur 30 Meter Entfernung vom Straßenrand auf einer Wiese gefilmt.

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