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Naturpark Rhein-Taunus : Müllberge entsorgen reicht nicht

  • -Aktualisiert am

Grüne Lunge: Der Naturpark Rhein-Taunus mit seinen großen Wäldern ist mehr als 80000 Hektar groß. Bild: Cornelia Sick

Der Naturpark Rhein-Taunus braucht nicht nur mehr Geld. Er sucht mit einem neuen Konzept auch eine neue Rolle und erhofft sich einen Befreiungsschlag.

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          Das Spuren von Loipen im Winter und das Leeren von Müllkörben an den rund 100Waldparkplätzen im Sommer sind ebenso verdienstvolle Aufgaben wie die Reparatur von Ruhebänken im Wald und die Pflege von 600 Kilometer Wanderrouten. Das allein ist aber zu wenig für einen Naturpark, der die Kultur- und Naturlandschaft des Rheingaus, des Untertaunus und der Landeshauptstadt Wiesbaden für Besucher dauerhaft erlebbar machen will. Im nächsten Jahr feiert der 1968 gegründete Naturpark, der von einem kommunalen Zweckverband getragen wird, sein fünfzigjähriges Bestehen. Und dann will Geschäftsführer Andreas Wennemann Ernst machen mit dem „Neustart“ hin zum „Naturpark Rhein-Taunus 2.0“.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Dass sich der Naturpark trotz des höchst bescheidenen Budgets von nicht einmal 200000 Euro, den Wiesbaden und der Rheingau-Taunus-Kreis dem Zweckverband zur Verfügung stellen, auch anspruchsvollen Aufgaben zuwenden kann, zeigt in den vergangenen drei Jahren das Projekt Bechsteinfledermaus. Vom Bundesumweltministerium mit viel Geld gefördert, ist es das Ziel des vom Bundesamt für Naturschutz begleiteten Projekts, Lebensraum und Vorkommen der seltenen Fledermausart zu erforschen und zu dokumentieren, um der Forstwirtschaft Hinweise zu geben, wie sie im waldbaulichen Alltag den Fledermäusen Hilfestellung beim Überleben geben kann. Dass das Projekt erfolgreich ist, lässt sich auch daran ablesen, dass es vor wenigen Tagen um ein weiteres Jahr bis Sommer 2018 verlängert wurde.

          Initialzündung mit dauerhafter Wirkung

          Schon während der ersten beiden Jahre intensiver Feldarbeit mit Netzfängen und Telemetrie-Beobachtungen waren in den Wäldern des Naturparks 27Kolonien der gefährdeten Fledermausart nachgewiesen worden. Für Wennemann ein Beleg, dass „unsere Mischwälder ein bemerkenswertes und vitales Vorkommen dieser seltenen Tiere beherbergen“. Das habe den Naturpark beflügelt, bestätigt auch Landrat Burkhard Albers (SPD).

          Dieses Naturschutzprojekt soll aber kein Einzelfall bleiben, sondern eher eine Initialzündung mit dauerhafter Wirkung. Dazu bedarf es eines mittel- und langfristig angelegten Konzepts. Als erster der zwölf hessischen Naturparks hat der im Rheingau-Taunus damit begonnen, einen Naturpark-Plan aufzustellen. „Welche Rolle wollen wir nachhaltig in der Region spielen?“, fragt Wennemann und beschreibt damit die Aufgabenstellung, die er gemeinsam mit dem Institut für ländliche Strukturforschung der Frankfurter Goethe-Universität bewältigen will. Spätestens bis November und damit noch rechtzeitig vor Beginn des Jubiläumsjahres soll der Plan vorgestellt werden. Er soll die Arbeit der nächsten zehn Jahre beschreiben.

          Auch die Region wird mit daran arbeiten, Antworten auf die Frage nach dem neuen Selbstverständnis des 81000 Hektar Wald und Wiesen umfassenden Naturparks und seinen Aufgaben, Zielen und Angeboten zu geben. Bisher schon definiert wurden vier Handlungsfelder: Regionalentwicklung, Umweltbildung, Tourismus sowie Naturschutz. Übergeordnete Ziele sind die Schärfung des Profils und die Stärkung des Naturparks als Ziel für Ausflügler und Erholungssuchende. Wennemann wünscht sich die Definition von Leitprojekten und eine nachhaltige Aufwertung der Region.

          Weitere Möglichkeit: eine „Unesco-Biosphärenregion“

          Bis dahin wird es noch mehrere Gesprächsrunden mit Experten und Vertretern wichtiger Verbände und Gremien geben, vorgesehen ist auch eine Online-Umfrage. Ein wichtiges Thema sind derzeit die Stärken und Schwächen des Naturparks. Zu den besonderen Stärken gehören außer der Kulturlandschaft und dem Waldreichtum sowie den Premium-Wanderwegen auch die beiden Unesco-Welterbestätten Limes und Oberes Mittelrheintal, die beide in den Naturpark hineinreichen und Ansatzpunkte für vielfältige Angebote geben. Eine weitere Möglichkeit könnte sich aus dem Projekt einer „Unesco-Biosphärenregion“ ergeben, dem sich Wiesbaden nach zunächst hartnäckiger Verweigerung überraschend doch noch zu öffnen scheint. Schon bald könnte dazu mit Unterstützung des Landes Hessen eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden. Doch das ist noch Zukunftsmusik.

          Konkret ist hingegen die vielleicht größte Schwäche des Naturparks: sein Geldmangel. Er bekommt von Kreis und Stadt jeweils weniger als 70000 Euro im Jahr und ist damit chronisch unterfinanziert. Vor einem Jahr gab es deswegen eine handfeste Führungskrise, nachdem Rechnungsprüfer der Landeshauptstadt dem Verband ein „Finanzrisiko“ bescheinigt hatten und entweder eine höhere Verbandsumlage oder eine weitere Beschneidung der Ausgaben forderten, um chronische Defizite zu vermeiden. Geschehen ist seither wenig. Wennemann hofft aber, dass der aus Zuschüssen der Regionalförderung finanzierte Naturpark-Plan auch hier einen Befreiungsschlag bringt. Wennemann erwartet daher nicht nur Ideen, sondern auch konkrete Vorschläge, wie deren Verwirklichung solide finanziert werden kann.

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          Die Bürger können sich bei vielen Gelegenheiten ein Bild von den Schönheiten des Naturparks machen, die nächste ist an diesem Sonntag. Dann beteiligt sich der Naturpark am bundesweiten Wandertag biologischer Vielfalt und am parallelen Wandertag der deutschen Naturparke. Start ist um 11 Uhr am Naturpark-Parkplatz „Grauer Kopf“ an der Landesstraße vor dem Ortseingang Heidenrod-Zorn mit einer Tour unter dem Motto „Zurück zu den Wurzeln – auf den Spuren von Kelten und Köhlern“.

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