https://www.faz.net/-gzg-76ffb

Nathalie Benedikt im Porträt : Jung, erfolgreich und Mutter

  • -Aktualisiert am

Muss sich erst noch daran gewöhnen, in den Medien als Musterbeispiel von Emanzipation gehandelt zu werden: Nathalie Benedikt in der Führungsetage von Pfeiffer Vacuum. Bild: Röth, Frank

Aufstieg als Familiensache: Nathalie Benedikt ist gerade einmal 36 Jahre alt und Finanzvorstand eines börsennotierten Unternehmens. Kinder und Karriere kann sie vereinbaren. Weil ihr Mann für sie kürzertritt.

          5 Min.

          Man kann diese Geschichte auf zwei Weisen erzählen. Die erste Version berichtet von einem mittelständischen Unternehmen, das 2012 einen neuen Finanzvorstand suchte und sich im Zuge der Diskussion um Gleichberechtigung und eine mögliche Quote in Führungspositionen für eine Frau entschied. Die zweite Version weicht stark davon ab, führt aber zu demselben Ergebnis. Sie erzählt vom einem mittelständischen Unternehmen, das einen neuen Finanzvorstand suchte und sich für den geeignetsten Mitarbeiter im Haus entschied, für eine Frau.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Welche Version Nathalie Benedikt besser gefällt, ist keine Frage. Sie weiß, dass man ihr den Vorstandsposten anbot, weil sie schlichtweg die Beste war. Und auch die einzige Kandidatin. Nicht ohne Stolz berichtet Nathalie Benedikt davon, dass niemand mit ihr um diesen Posten bei Pfeiffer Vacuum, einem TecDax-Unternehmen, konkurriert habe. Keine andere Frau und auch kein Mann. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen dürfte entzückt sein von diesem Beispiel weiblichen Erfolgs, auch wenn er ohne die von der CDU-Politikerin geforderte Quote errungen wurde.

          Ein mutiger Chef

          Es gibt aber noch mindestens einen zweiten Grund, bei Nathalie Benedikt aufzumerken, einer Frau in einem Top-Job, mit 36 Jahren. Der dunkle Hosenanzug, den sie zur Arbeit nun meistens trägt, lässt sie nicht älter erscheinen, die rosigen Wangen tun das schon gar nicht. Sie sitzt am großen gläsernen Besprechungstisch im Büro des Pfeiffer Vacuum-Vorstandsvorsitzenden Manfred Bender, der gerade auf Dienstreise im Ausland ist. Bender hat der jungen Kollegin immer viel zugetraut. Erst machte er sie mit 28 Jahren zur Direktorin für Finanzen. Das war eine mutige Entscheidung des Chefs, das weiß auch Benedikt. Und man möchte ergänzen: das war auch mutig von ihr.

          Dann bat Bender seine Mitarbeiterin vor ein paar Monaten in sein Büro, er wolle etwas Wichtiges mit ihr besprechen. „Gut“, dachte Benedikt damals, „ich mit Ihnen auch.“ Bender kam schnell auf den Punkt und bot ihr den Posten als Finanzchefin an. Und Benedikt, äußerst überrascht, wie sie es heute beschreibt, sagte nicht ja und nicht nein, sondern übermittelte die Botschaft, dass sie schwanger sei.

          Die Unterstützung ihres Mannes imponiert Benedikt

          Nun mussten gleich zwei Entscheidungen getroffen werden, nicht im Unternehmen, sondern zu Hause: Kann Nathalie Benedikt den Job annehmen? Und wenn ja, wer kümmert sich dann um die Kinder? Denn Betreuungsplätze sind im ländlichen Butzbach, wo das Ehepaar lebt, Mangelware. Die Antwort fand nach einer Nacht des Drüberschlafens ihr Ehemann. Er riet seiner Frau zu der Beförderung und versprach, er kümmere sich um die anderthalb Jahre alte Tochter und werde den Sohn betreuen, der gerade unterwegs war. Obwohl als Maschineningenieur erfolgreich, trat der Mann hinter die Karriere seiner Frau zurück und blieb zu Hause.

          Dass ihr das imponiert hat, merkt man Benedikt an, als sie davon erzählt. Sie hebt dabei die Augenbrauen, als wolle sie das eben Gesagte unterstreichen. Sie fügt an, dass sie damals, wäre ihr Mann ihr nicht zuvorgekommen, zugunsten ihrer Kinder auf die Beförderung verzichtet hätte.

          Modern und antiquiert zugleich

          Wenn man so will, lebt das Paar nun in einer modernen und zugleich in einer als antiquiert geltenden Familienkonstellation: Ein Elternteil ist der Alleinverdiener; nur ist es in diesem Fall eben die Frau. Beide sagen, sie kämen damit gut zurecht. Während Nathalie Benedikt tagsüber am Schreibtisch sitzt und die nächste Akquise vorbereitet, wischt ihr Mann daheim die Kindermünder ab. Abends, meistens ist es sieben oder acht Uhr, legt sich Nathalie Benedikt dann, manchmal noch im Hosenanzug, zu ihren Kindern ins Bett und liest ihnen noch eine kurze Geschichte vor.

          Dass ihr Leben einmal so aussehen würde, hatte sie nicht geplant. Auch nicht, als sie in Mannheim ein duales Studium begann, während des Semesters an der Hochschule Betriebswirtschaft paukte und in den Semesterferien bei einer Versicherung in Frankfurt arbeitete. Vor knapp 20 Jahren waren die dualen Studiengänge noch nicht so verbreitet wie heute, aber Nathalie Benedikt wählte diesen Weg aus ganz praktischen Überlegungen. Denn nur mit dem Arbeitslohn konnte sie ihr Studium überhaupt finanzieren.

          Weitere Themen

          Zurück zur Krankschreibung per Telefon

          F.A.Z.-Hauptwache : Zurück zur Krankschreibung per Telefon

          Ärzte können ihre Patienten wieder per Telefon krankschreiben. Die FDP fordert, dass sich das Parlament stärker an der Corona-Politik beteiligen kann. Das und was sonst noch wichtig ist in Rhein-Main, steht in der F.A.Z.-Hauptwache.

          Topmeldungen

          Der Begriff „Milliardenhöhe“ ist mit Betrugsgeschichten bislang zumindest hierzulande selten gewesen.

          Wirecard-Skandal : Insolvenzverwalter: Konzern wurde leergeräumt

          Der Insolvenzverwalter von Wirecard erhebt schwere Vorwürfe gegen das ehemalige Management des Konzerns. Mit dem Teilverkauf in dieser Woche kommt aber ein wenig Geld in die Kassen, um den Skandal mit Unterstützung von Anwälten aufzuklären.
          Knickauge zählt mit: Lewandowski schießt drei Tore gegen Frankfurt und erhöht seine Saisonbilanz auf zehn.

          0:5 in München : Eintracht von der Bayern-Walze überrollt

          Die Eintracht ist in München überfordert, vor allem Lewandowski können sie nicht stoppen. Die Bayern gewinnen 5:0, verlieren aber Davies mit einer vermutlich schweren Verletzung.
          Plötzlich auf der Intensivstation: Welche Behandlung Patienten im Notfall wünschen, sollten sie in einer Patientenverfügung festhalten (Symbolbild).

          Was Corona lehrt : Triage braucht ein Gesetz

          Wen zuerst behandeln, wenn die Intensivbetten nicht ausreichen? Seit der Coronakrise ist Triage eine gesamtgesellschaftliche Frage. Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat Intensivmediziner zu ihren Erfahrungen befragt.
          Protest gegen die alte Verfassung in Santiago.

          Abstimmung über Verfassung : Chile ringt um seine Zukunft

          Am Sonntag stimmen die Bürger in Chile darüber ab, ob es eine neue Verfassung gibt. Die bisherige stammt noch aus der Zeit von Diktator Augusto Pinochet – und gilt Gegnern als Wurzel aller Ungerechtigkeit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.