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Nassauische Sparkasse : Ein Jubiläum, mit dem mancher nicht mehr rechnete

Traditionsreiches Haus: der Sitz der Naspa an der Rheinstraße in Wiesbaden. Bild: Michael Kretzer

Die Nassauische Sparkasse wird 175 Jahre alt. So ungewöhnlich ihre Vergangenheit war, so gewöhnlich ist ihre Gegenwart. Und das ist auch gut so.

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          Als die Nassauische Sparkasse vor fünf Jahren riesengroß den 170. Jahrestag ihrer Gründung feierte, meinte mancher, das geschehe doch nur, weil man in dem Kreditinstitut fürchte, das Geldhaus werde seinen nächsten wirklich runden Geburtstag, den 175., gar nicht mehr als eigenständiges Haus erleben. Denn die Nassauische Sparkasse war durch schwere Jahre gegangen, und das Management konnte lange Zeit froh sein, dass sich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit stets auf die noch größeren Krisen in der Mainmetropole gerichtet hatte – etwa auf die der Frankfurter Sparkasse, die schließlich 2005 nur durch einen Verkauf an die Landesbank Hessen-Thüringen gerettet werden konnte. Ein Schicksal, das mancher auch der Naspa prophezeite.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Umso größer ist nun in Wiesbaden die Freude, dass die Nassauische Sparkasse weiterhin existiert, als eigenes Unternehmens und nicht als Tochtergesellschaft von irgendwem, und inzwischen sogar wieder mit ordentlichen, wenn auch nicht spektakulären Zahlen. Zur wiederum prächtigen Jubiläumsfeier am Donnerstag im Kurhaus hat sich außer dem Ministerpräsidenten und dem Oberbürgermeister auch Georg Fahrenschon angesagt, der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands. Er erweist damit einer der größten deutschen Sparkassen die Ehre, deren Geschäftsgebiet von Frankfurt bis zum Westerwald reicht, weshalb zwei Großstädte und sechs Landkreise zu den Trägern zählen, und zugleich einer Sparkasse mit einer überaus ungewöhnlichen Geschichte.

          Zu Beginn gab es fünf Mitarbeiter

          Denn die Nassauische Sparkasse und ihre Vorgängerinstitute waren stets mehr als gewöhnliche Stadt- oder Kreissparkassen. Die Geschichte begann 1840 mit der Gründung der Herzoglich-Nassauischen Landes-Credit-Casse, des ersten Kreditinstituts im damaligen Herzogtum Nassau, von wo aus man bis dahin nach Frankfurt reisen musste, wollte man Geldgeschäfte machen. „Die nützlichen Einwirkungen, welche Leih- und Pfand-Cassen und besonders die Sparcassen auf Nothilfe, Sittlichkeit und Erhebung zum selbständigen Erwerb haben, sind allgemein so thatsächlich an- und erkannt“, war umständlich in einer Denkschrift zu lesen gewesen, die der Gründung des Unternehmens vorausging, und wirklich fügte sich die Gründung dieser Sparkasse ein in den allgemeinen Aufschwung des Kreditwesens, der wiederum der Industrialisierung folgte, der größten Umwälzung des Lebens überhaupt in der jüngeren Geschichte.

          Mit fünf Mitarbeitern nahm die Landes-Credit-Casse ihre Tätigkeit auf, die damals zugleich der Geldanlage wie dem Einzug von Steuern diente – eine aus heutiger Sicht etwas seltsame Kombination. Schon bald darauf, im Revolutionsjahr 1848, wurde dann aus dem Kreditinstitut die breiter aufgestellte Herzoglich Nassauische Landesbank. Von 1870 an bestanden sogar zwei Häuser nebeneinander, die Nassauische Landesbank, die etwa Kommunalkredite vergab, und die mit dem kleinteiligeren Geschäft befasste Nassauische Sparkasse – dieser Begriff tauchte nun erstmals auf –, die die Spareinlagen der kleinen Leute verwaltete. Träger waren jeweils die Kommunen im Geschäftsgebiet, organisiert im Bezirkskommunalverband Wiesbaden. Erst 1953 hatte die Doppelstruktur ein Ende, als die Nassauische Landesbank gemeinsam mit der Hessischen Landesbank Darmstadt und der Landeskreditkasse Kassel zur neuen Hessischen Landesbank fusionierte, die als Helaba bis heute fortbesteht. Zugleich übernahm das Land Hessen die Gewährträgerschaft für die Nassauische Sparkasse. Eine ungewöhnliche Konstellation war auch das. Erst 1991 kam es zur Rekommunalisierung.

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