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Frankfurter Zoo : Nashorn, Strauß und Zebra in einem Gehege

Inmitten der Anlage sitzen: Besucher im Zoo in Valencia, den Tieren ziemlich nah - dort war der Vizedirektor im Frankfurter Zoo ehedem tätig Bild: cp

Bevor Miguel Casares Vizedirektor im Frankfurter Zoo wurde, hat er einen besonderen Tierpark in Valencia aufgebaut. Er könnte als Vorbild für Neuerungen dienen.

          Ein Donnern ist zu hören. Nashörner galoppieren über rötlichen Sandboden. Hinter den Felsen tauchen die gefleckten Hälse dreier Giraffen auf, und nur wenige Meter weiter thront ein Löwe auf einem Felsen und beobachtet die Szenerie. Es sind keine Bilder von einer Safari-Tour, die Miguel Casares präsentiert. Die Aufnahmen stammen aus dem Bioparc Valencia, den der Leiter der wissenschaftlichen Abteilung und stellvertretende Zoodirektor mit aufgebaut hat, bevor er vor acht Monaten nach Frankfurt kam.

          Patricia Andreae

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          So mancher, der kürzlich seinen Ausführungen über den Bioparc in Südspanien folgte, zeigt sich begeistert. Schließlich geht es dabei nicht etwa um einen gigantischen Safari-Park, sondern um einen Tiergarten, der mit acht Hektar Grundfläche noch kleiner ist als der elf Hektar große Frankfurter Zoo. Doch immerhin um einiges größer als der vorherige Tiergarten in Valencia, in dem nach Casares’ Worten auf nur einem Hektar im Stadtpark Bären, Elefanten und Breitmaulnashörner in winzigen Gehegen unter kaum zumutbaren Bedingungen gehalten wurden.

          70 Millionen Euro für den Bioparc

          Errichtet hat den neuen Zoo das spanische Unternehmen Rain Forest, für das der zweifach promovierte Veterinär Casares seit 2007 als zoologischer Direktor des Bioparcs Valencia tätig war. Außer diesem hat Casares für die Gesellschaft auch die zoologischen Gärten im spanischen Benidorm und im marokkanischen Casablanca mit entwickelt. Die Rain-Forest-Tiergärten sind, wie Casares schildert, privatwirtschaftlich organisiert und erhalten keine öffentlichen Zuschüsse. Das Grundstück stellte die Stadt Valencia in Erbpacht zur Verfügung. 70 Millionen Euro hat der 2008 eröffnete Bioparc gekostet. Und Casares berichtet nicht ohne Stolz, dass er 2014 von einem touristischen Bewertungsportal auf Platz neun der beliebtesten Zoos der Welt gewählt wurde. Das Besondere des Tierparks sei, dass trotz der geringen Fläche eine große Zahl von Tieren gezeigt werden könne.

          Das wurde durch die Vergesellschaftung verschiedener Tierarten möglich, ein Gebiet, auf das Casares sich spezialisiert hat. Dabei geht es darum, in einem Gehege mehrere Arten zu halten, also beispielsweise Nashorn, Strauß und Zebra oder Giraffe, Antilope und Erdmännchen. Durch diese Methode werde aber nicht nur Platz gespart, es sei auch für Besucher attraktiver und für die Tiere interessanter, sagte der Vizedirektor. Man könne allerdings auch nicht willkürlich verschiedene Tierarten zusammensetzen, denn manche seien in ihrem Verhalten zu unterschiedlich, und es gebe dann zu viel Unruhe in den Gehegen.

          Inmitten der Anlage sitzen

          Zur Attraktivität des Parks trägt auch bei, dass es immer wieder ungewöhnliche Panoramen gibt, in denen man beispielsweise Löwen und Giraffen so sieht, als lebten sie in einem Gehege. In Wirklichkeit sind die Raubkatzen und ihre potentielle Beute jedoch durch einen breiten Wassergraben getrennt, der nicht sichtbar ist. Selbst beim Essen können sich die Bioparc-Besucher fühlen wie in einer Safari-Lodge, weil sie inmitten der Anlage sitzen und rundherum nur Tiere sehen, die sich frei zu bewegen scheinen. Dieser Park zeichnet sich nach Darstellung von Casares dadurch aus, dass er die Besucher in den Lebensraum der Tiere eintauchen lässt. Zugleich aber widmet sich der Bioparc mit Erfolg der Erhaltung von gefährdeten Tierarten. Am 14. Januar 2013 wurde dort das erste Erdferkel Spaniens geboren. Auch Flusspferde und Löwen hatten dort schon Nachwuchs.

          Für die Präsentation einer scheinbar naturnahen Tierwelt wie in Valencia werden sogar Eintrittspreise von mehr als 20 Euro je Person gezahlt. Auch im Opel-Zoo, der in manchem dem Bioparc ähnelt, sind es bei 14 Euro je Karte kaum weniger Besucher als in Frankfurt, wo der Besuch für einen Erwachsenen zehn Euro kostet.

          Natürlich lasse sich all das nicht einfach nach Frankfurt übertragen, sagt Casares im Gespräch. Schon wegen des Klimas, das in Spanien ganz andere Möglichkeiten biete. Dennoch folgte das kleine Auditorium gespannt seinem Vortrag, denn der Frankfurter Zoo steht vor einer Zäsur. Wenn Direktor Manfred Niekisch Ende des Jahres in den Ruhestand geht, sind die 30 Millionen Euro, die man ihm 2008 für ein Investitionsprogramm zugesagt hatte, weitgehend aufgebraucht. Doch ein Projekt mit dem Titel „Afrikasavanne“, das im Südwesten des Zoo-Areals als Ersatz für die alten Huftiergebäude gedacht war, ist ebenso wie der geplante Abriss des Affenhauses und der Neubau eines Tag-Nachttierhauses nicht realisiert worden.

          Wer künftig die Leitung des Zoos übernimmt, wird es also wieder mit vielen Baustellen zu tun bekommen. Das zuständige Kulturdezernat von Ina Hartwig (SPD) bereitet gerade die Ausschreibung für den Posten vor. Die künftige Leitung wird auch entsprechende Mittel brauchen. Um aber nicht einfach draufloszuarbeiten, wird derzeit im Zoo an einem Masterplan für die nächsten Jahrzehnte gearbeitet.

          Viel Geld für Brandschutz

          Darin geht es auch um Fragen der Energieeffizienz und um eine Modernisierung der IT sowie aller Ver- und Entsorgungsnetze. Eingang finden außerdem die Überlegungen, im Zoogesellschaftshaus, das dringend saniert werden muss, ein Kinder- und Jugendtheater einzurichten. Damit das Haus überhaupt weiterhin genutzt werden kann, sollen demnächst rund 250.000 Euro vorwiegend in Brandschutz und Bühnentechnik investiert werden. Mit dem Gesellschaftshaus verbunden und weiterhin offen ist auch die Frage der Zoo-Gastronomie. Einstweilen gibt es nur Imbisswagen und das mexikanische Lokal am Osteingang, der nun in den Sommermonaten wieder geöffnet werden soll.

          Beim Zoo fragt man sich vor allem aber, wie die Besucherzahlen gesteigert werden können. Die haben sich in den vergangenen Jahren zwischen 800.000 und 850.000 eingependelt. Grund dafür mögen in manchem Jahr verregnete Wochenenden gewesen sein und auch die Baustellen. Aber auch die Schließung des zweiten Eingangs an der Rhönstraße, die dafür sorgte, dass einige Kindergarten- und Seniorengruppen ausblieben. Mit 830.000 Besuchern im vergangenen Jahr war der Zoo aber immer noch die meistbesuchte Freizeiteinrichtung Frankfurts.

          Für die Stadt stellt sich dennoch die Frage, wie der Zoo im Zeitalter der Fernreisen und der Bilderflut im Internet bestehen kann und was seine Aufgabe ist. Im Kulturdezernat sieht man ihn vor allem als Lernort, an dem den Besuchern die Wunder der Natur nähergebracht werden. Und auch als Institution zur Erhaltung der weltweiten Artenvielfalt. Ein Kuriositätenkabinett, in dem aussterbende Arten zur Schau gestellt werden, möchten aber offenbar immer weniger Menschen besuchen. Wie Casares sagt, ist eigentlich nichts an gekachelten Gehegen auszusetzen, wenn sie genügend Platz und Bewegungsmöglichkeiten bieten. Die Zuschauer aber wollen offensichtlich keine Tiere in Gehegen sehen, die an Badezimmer erinnern. Und von denen gibt es im Zoo noch ein paar.

          Hartwig hatte schon beim Amtsantritt von Casares geäußert, mit ihm könne man einen international erfahrenen Zoo-Experten begrüßen, der als hochqualifizierter Wissenschaftler und Zooentwickler die inhaltliche und auch bauliche Gestaltung des Frankfurter Zoos an entscheidender Stelle beeinflussen werde. Entsprechend gespannt sind viele Zoo-Freunde nach dem Vortrag, welche Elemente aus Valencia in Frankfurt verwirklichst werden könnten. Casares sagt, da sei einiges möglich.

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