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Napoleons Schlacht um Hanau : Verwundet, erschlagen oder vom Typhus dahingerafft

Attacke: Rund 15.000 Soldaten verloren bei der Schlacht um Hanau ihr Leben - sie endete mit einem klaren Sieg Napoleons gegen die bayerisch-österreichischen Truppen Bild: Rüchel, Dieter

Die Schlacht von Hanau auf dem Rückzug der napoleonischen Truppen brachte vor 200 Jahren den Franzosen den Sieg. Und ungezählten Soldaten und Zivilisten den Tod.

          Schweißgebadet schreckte Napoleon in der Nacht zum 30. Oktober des Jahres 1813 aus dem Schlaf hoch. Die Hilferufe und Schmerzensschreie der unzähligen Verwundeten der gerade bei Leipzig bitter verlorenen Schlacht waren dem kaiserlichen Feldherrn in dieser Nacht in die Träume gefolgt. Doch was war es, das ihn so plötzlich geweckt hatte? Bewegte sich da nicht etwas? Und zeichneten sich nicht die Umrisse einer Gestalt hinter der Seidenverkleidung an der Wand ab? Napoleon sprang auf und griff nach seinem Degen, den er griffbereit neben dem Bett liegen hatte. Mit wilden Hieben schlug er auf die kunstvolle Wandbespannung ein und durchstach dabei die darauf gemalten Pflanzenranken, Blüten, Vögel und Schmetterlinge. Doch der entnervte Kaiser hatte sich geirrt. Kein heimlicher Attentäter war in sein Schlafzimmer im Schloss von Langenselbold geschlichen. Wahrscheinlich hatten sich nur die Seidentapeten leicht in der Zugluft bewegt. So besagt es jedenfalls die Legende, die sich um das Napoleonzimmer im Schloss von Langenselbold rankt.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Fest steht, dass Napoleon Bonaparte auf dem Rückzug der geschlagenen französischen Armee nach der Völkerschlacht bei Leipzig am Vorabend der Schlacht bei Hanau im Langenselbolder Schloss übernachtete. Seine Männer standen in dieser Nacht zwischen Flieden und Langenselbold. Auf Napoleon und die Überlebenden seiner Armee wartete der letzte Sieg der Befreiungskriege außerhalb Frankreichs, bevor später bei Waterloo die endgültige Niederlage der Franzosen gegen die alliierten Truppen besiegelt wurde und Napoleon als Gefangener der Briten auf die Atlantikinsel St. Helena gebracht wurde, wo er im Mai des Jahres 1821 starb.

          „Vive l’empereur“

          Doch davon wusste Napoleon Bonaparte nichts, als er an diesem feuchten Herbstmorgen gegen 8 Uhr in der Frühe in Richtung Hanau aufbrach. Um die Mittagszeit soll er mit einem einheimischen Führer im Wald am heutigen Stadtteil Lamboy eingetroffen sein. Dort versammelten sich die Soldaten der französischen Artillerie und Kavallerie, die ihren Anführer mit den Rufen „Vive l’empereur“ empfingen. Wie Überlieferungen besagen, entging das nicht den Spähern der feindlichen Truppen. Erst Anfang des Monats hatte Bayern das bisherige Bündnis mit Frankreich endgültig aufgelöst und war auf die Seite der Alliierten gewechselt. Beschlossen wurde die Aufstellung eines gemeinsamen österreichisch-bayerischen Korps.

          Verewigt: Die Schlacht um Hanau ist auch im Pariser Triumphbogen erwähnt

          Das Oberkommando der Bayern wurde Graf Carl Philipp von Wrede übertragen, der neben den ihm zugeteilten österreichischen Soldaten eine Truppe überwiegend junger und unerfahrener Männer befehligte, weil die bayerischen Reihen zuvor beim Russlandfeldzug mit den Franzosen stark dezimiert worden waren. Jetzt war es Wredes Auftrag, der abziehenden französischen Armee den Weg abzuschneiden und sie aufzuhalten, damit sie von den sie verfolgenden alliierten Streitkräften eingeholt werden konnte.

          Bis zu 6000 Tote

          Vom genauen Verlauf der Schlacht gibt es verschiedene chronistische Aufzeichnungen. Am Ende steht immer der klare Sieg Napoleons. Berichtet wird von ersten Gefechten mit Soldaten einer französischen Vorhut schon in den Tagen zuvor bei Hanau, wobei Prinz Ludwig von Waldeck, ein Neffe des bayerischen Königs, so schwere Verletzungen erlitt, dass er kurz darauf starb. Wrede ging zunächst wohl davon aus, dass ihnen nur ein versprengter Teil der geschlagenen und entmutigten französischen Armee gegenüberstehen würde. Doch spätestens als die Begrüßungsrufe für den französischen Kaiser durch den Wald hallten, war Wrede klar, dass die jungen Rekruten eine Schlacht mit der Kernarmee und der Führung des berühmten Feldherrn selbst zu überstehen hatten. „Jetzt ist nichts mehr zu ändern. Wir müssen als brave Soldaten unser Möglichstes tun“, sind die überlieferten Worte dieser Erkenntnis Wredes.

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