https://www.faz.net/-gzg-7ixak

Napoleons Schlacht um Hanau : Verwundet, erschlagen oder vom Typhus dahingerafft

Auf rund 45.000 bis 50.000 Mann wird die Stärke des bayerisch-österreichischen Kontingents geschätzt, auf Seiten der Franzosen sollen es um die 15.000 Soldaten mehr gewesen sein. Begonnen hatte die Schlacht schon am Vormittag. Besonders hart umkämpft wurde zunächst der linke Flügel der österreichisch-bayerischen Armee, den Wrede rechts und links des Fallbachs hatte aufstellen lassen. Mehrfach war den Bayern die Munition ausgegangen, weshalb sie die Stellung aufgeben mussten. Die meisten Soldaten dort flüchteten, worauf sich die Schlacht im Zentrum intensivierte, das nördlich der Kinzig vor dem Lamboywald lag. Auch dort mussten sich die Bayern und Österreicher alsbald geschlagen geben.

Am frühen Abend brandeten die Kämpfe des rechten Flügels auf, der in der Nähe der Lamboybrücke positioniert worden war. An der Spitze dieses Angriffs soll Napoleon, der bis zum Abend vom Lamboywald aus seine Truppen befehligt hatte, selbst gestanden haben. Nach langwierigen heftigen und blutigen Kämpfen war der Weg für die Franzosen frei, die nun unbehelligt weiter in Richtung Frankfurt zogen. Doch zwischen 4000 und 6000 Tote und mehr als 10.000 Gefangene sollen ihr Preis gewesen sein. Auf Seiten der Bayern und Österreicher zählte man gut 9000 Tote und Verwundete. Viele waren auf der Flucht in der Kinzig ertrunken, die gerade Hochwasser führte.

Hanauer Vorstadt in Brand gesteckt

Wie hoch der Tribut war, den die Zivilbevölkerung in und um Hanau zu zahlen hatte, ist unbekannt. Während der Schlacht tobten die Soldaten im Kampf oder auf der Flucht durch die Straßen der Innenstadt. Zudem beschossen die Franzosen bei ihrem Abzug die Stadt und steckten dabei die Hanauer Vorstadt in Brand. Vorübergehend mussten die Bayern abziehen, und Hanau wurde kurzzeitig von einer französischen Division besetzt. Am Mittag des 31. Oktober 1813 begann mit Hilfe von russischen und fränkischen Soldaten, die zu Hilfe gekommen waren, die Rückeroberung der Stadt, bis die letzten Franzosen verschwunden waren. Wrede traf dabei eine Kugel in den Unterleib, doch er überlebte die schwere Verletzung.

Auch vor und nach der Schlacht bei Hanau hatte die Bevölkerung zu leiden, etwa unter den versprengten französischen Soldaten, Verwundeten, Kranken und Fahnenflüchtigen, die nach der Schlacht bei Leipzig durch das Land und durch die Stadt zogen. Hanau gehörte damals zu dem von Napoleon gegründeten „Großherzogtum Frankfurt“ und beherbergte eine französische Garnison in seinen Mauern. In den französischen Jahren wurden die Neuerungen des Code Civil mit mehr Rechten für die Bürgergesellschaft eingeführt, aber auf Anordnung Napoleons schleifte man auch die Festungsanlagen der Stadt.

Gleich fünf Gedenksteine

Die Schlacht bei Hanau brachte auch zahlreichen Zivilisten in der Stadt den Tod. Für viele Bürger war die Schlacht erst nach einigen Monaten beendet, wie der Hanauer Historiker Erhard Bus sagt. Die Soldaten, die unter sehr schlechten hygienischen Bedingungen litten, brachten Typhus, Fleckfieber und die Pest in die Stadt. Wer Waffen oder Gegenstände gefallener Soldaten an sich nahm, der brachte laut Bus oftmals den Tod mit nach Hause. Nach der Schlacht seien die Einwohner Hanaus und aus den Orten der Umgebung sowie überlebende Soldaten tagelang damit beschäftigt gewesen, die Toten in Massengräbern zu beerdigen. Schwierig sei es gewesen, die Ertrunkenen aus der reißenden Kinzig zu bergen. „Man zog sie schließlich mit langen Stangen und Haken ans Ufer, entkleidete sie und schichtete sie übereinander bis zu einer Höhe von einem Meter auf, bevor man sie mit Kalk überstreute und begrub“, so Bus.

Für Napoleon und seine Armee brachte nach Auffassung der Chronisten die Schlacht bei Hanau keine großen militärischen oder politischen Fortschritte. Es war aber der letzte Sieg seines Feldzugs durch Europa auf deutschem Boden. Deshalb ist die Schlacht an der Südseite des Arc de Triomphe in Paris verewigt. In Hanau erinnern gleich fünf Gedenksteine an das Geschehen vor 200 Jahren.

Die Franzosen in Hanau

Bis zum 26. Januar ist im Historischen Museum im Schloss Philippsruhe die Ausstellung „Die Franzosen kommen! - Hanau in der Zeit Napoleons 1806 bis 1813“ zu sehen. Zum Abschluss der Ausstellung findet am 24. und 25. Januar die deutsch-französische Tagung „Napoleon und die Romantik - Impulse und Wirkungen“ im Schloss Philippsruhe statt. Sie wird nach Angaben der Veranstalter das Spannungsfeld zwischen napoleonischer Eroberungspolitik in Europa, die Verwirklichung der Ziele der Französischen Revolution sowie die Bildung nationaler Identität beleuchten. Anmeldungen zu der Tagung und Informationen bei den Museen der Stadt Hanau, Telefon 0 61 81/2 95 17 80, E-Mail cettina.colantoni@hanau.de. Zur Ausstellung wird ein Begleitprogramm angeboten mit einer musikalisch-literarischen Matinee, Lesungen der Reihe „Blaue Stunde“, Abendvorträgen und Sonderführungen. Es können auch individuelle Führungen für Gruppen mit bis zu 20 Personen vereinbart werden. Informationen zum Programm und Anmeldungen unter der Telefonnummer 0 61 81/29 517 99 oder per E-Mail museen@hanau.de. Gedenkgottesdienste gibt es heute um 19 Uhr in der Kirche Heilig Geist an der Lamboystraße sowie am 3. November um 10.30 Uhr in der Friedenskirche an der Philippsruher Allee. Weitere Informationen findet man im Internet unter www.museen-hanau.de sowie www.hvg1844.de. Das Museum Schloss Philippsruhe ist täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. (lu.)

Weitere Themen

Topmeldungen

Palästinensische Raketen werden vom israelischen Abwehrsystem „Iron Dome“ in der Luft zerstört.

F.A.Z. Frühdenker : Sorge vor Eskalationsspirale in Nahost

Nach Raketenangriffen auf Jerusalem bombardiert Israel den Gazastreifen. In Deutschland verzeichnet die Polizei mehr Opfer häuslicher Gewalt. Und Jens Spahn warnt vor Übermut in der Corona-Krise. Der F.A.Z.-Newsletter für Deutschland.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.