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Kritik auch von kleinen Firmen : Namhafte Gitarrenbauer bleiben Musikmesse fern

Hängepartie: Gitarrenbauer Fender ist dieses Jahr nicht auf der Musikmesse vertreten Bild: Frank Röth

Gitarrenfans werden dieses Mal einige Weltmarken auf der Musikmesse, aber auch kleine Instrumentenbauer vermissen. „Für private Besucher unattraktiv“, heißt es etwa im Hause Fender über die Schau. Doch will der Veranstalter mit neuen Ideen und Angeboten gegensteuern.

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          Bruce Springsteen spielt eine, Eric Clapton auch, Bruno Mars und Bryan Adams ebenso - doch Besucher der Frankfurter Musikmesse werden in diesem April keine Gitarre am Stand von Fender in die Hand nehmen können. Denn der amerikanische Gitarrenbauer bleibt der Schau fern. Gleiches gilt für den ebenfalls in den Vereinigten Staaten ansässigen Konkurrenten Taylor, zu dessen Westerngitarren zum Beispiel die Sängerinnen Joss Stone und Taylor Swift, die Musiker von One Republic, Altrocker Tony Iommi (Black Sabbath) und nicht zuletzt die Rolling Stones greifen. „Dass wir dieses Jahr nicht dabei sind, ist kein Geheimnis“, sagt ein Sprecher von Taylor, ohne jedoch die Gründe näher zu erläutern. Fender dagegen nimmt kein Blatt vor den Mund.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Unternehmen habe die Fakten geprüft und sich entschieden, nicht auf der Musikmesse auszustellen. „Nach wie vor sind wir nicht gegen eine derartige Veranstaltung, jedoch muss sie eindeutig dem Endverbraucher zugeschrieben sein“, heißt es bei Fender. Die Firma stößt sich nach eigenen Angaben an dem Aufwand, den vor allem die von weither anreisenden Musikliebhaber, die nicht nur einen Tag in Frankfurt bleiben wollen, tragen müssen. Daraus folgt das harsche Urteil: „Reise- und Hotelkosten sind nach wie vor für private Besucher unattraktiv.“ Aus Sicht von Fender habe sich die Schau mehr und mehr zu einer lokalen Messe entwickelt - eine Aussage, die den Veranstalter schmerzen muss. Schließlich sieht sich die Musikmesse selbst als „die weltweit bedeutendste Handelsplattform und Präsentationsfläche für Musikinstrumente und Noten, Musikproduktion und -vermarktung“ an.

          „Keine neuen Kontakte mehr entstanden“

          Aber nicht nur Weltmarken zeigen sich reserviert. Auch kleine Instrumentenbaubetriebe wie jener von Andreas Cuntz aus Riedstadt äußern Kritik. Der Südhesse bleibt zum ersten Mal seit zehn Jahren der Musikmesse fern, wie er sagt. „Es lohnt sich nicht mehr, in den vergangenen Jahren sind keine neuen Kontakte mehr entstanden.“ Gemeint sind Kontakte zu weiteren Vertriebsleuten. Im Gegensatz zu anderen Branchenvertretern mag er aber nicht über die Messe schimpfen. In den Jahren seit seiner Messepremiere 2006 habe er viele Kontakte aufgebaut, von denen er bis heute lebe - etwa vom Vertrieb in Japan. Nur in der jüngeren Vergangenheit sei er eben nicht mehr weitergekommen.

          Außerdem berichtet er von schrittweise erhöhten Preisen für Messestände - „das ist nicht mehr feierlich“. Er habe zwar nur zwölf Quadratmeter belegt, dafür aber zuletzt gut 6000 Euro zahlen müssen. Das sei für ihn nicht mehr tragbar. Zumal auch die Nebenkosten gestiegen seien. Früher habe ein Eintrag im Messekatalog 105 Euro gekostet, mittlerweile sei hingegen ein Medienpaket für 600 Euro zu buchen. „Binnen zehn Jahren haben sich meine Messekosten locker verdoppelt“, berichtet der Gitarrenbaumeister.

          Internet als Konkurrenz

          Hinzu kommt, dass die digitale Welt den Charakter der Messe als Handelsplattform offenbar untergräbt: „Das Geschäft läuft das ganze Jahr übers Netz. Viele Händler und Vertriebe brauchen keine Messe mehr“, sagt Cuntz.

          Dergleichen will die Messe nicht einfach hinnehmen. So verweist sie auf ein neues Konzept, das nicht nur mehr Besuchszeiten für das Publikum vorsieht (siehe Kasten) - auch für Fachbesucher gibt es neue Angebote. Dazu zählt das „Business meets business“ genannte Angebot in Halle 11.1, die ausschließlich für Vertriebs- und Marketingmitarbeiter von Firmen, Lieferanten und Händlern offensteht. Die Halle schließt einen Raum nur „für ungestörte Konversationen“ ein, wie es die Messegesellschaft formuliert. Auch soll es Weiterbildungsangebote für Fachbesucher geben. „Ziel ist es, den Stellenwert der Musikmesse sowohl als Handelsplatz als auch als Präsentationsfläche für das Marketing weiter zu stärken“, hebt der Veranstalter hervor.

          Das Fernbleiben von Unternehmen wie Fender und Taylor - der Harmonikabauer Hohner war schon in früheren Jahren nicht mehr vertreten - bedauere die Messe. Sie könne solche Beschlüsse nicht beeinflussen, sondern nur die optimalen Voraussetzungen schaffen. Immerhin nehmen andere namhafte Marken wie Gibson, Roland, Yamaha teil. Auch der Gießener Gitarrenbauer Lakewood wird wieder dabei sein, der Flötenbauer Mollenhauer aus Fulda ebenso. Und Fender lässt sich ein Hintertürchen offen. „Wir werden das neue Konzept vor Ort begutachten und für uns bewerten.“

          Musikmesse an allen Tagen für das Publikum geöffnet

          Ein Wachstumsmarkt ist etwas anderes: Schon seit Jahren beklagen Hersteller von Instrumenten und andere Vertreter der Musikbranche sinkende Zahlen von Neueinsteigern - also idealerweise jungen Leuten, die sich einem Musikinstrument zuwenden. Zu den Stimmen, die diese Tendenz bedauern, zählen auch die Veranstalter der Musikmesse. Zumal es ein besonderes Anliegen der Musikmesse ist, „den Spaß am Instrument zu wecken und zu festigen“, wie es bei der Messe Frankfurt heißt. Vor diesem Hintergrund wartet die Musikmesse in diesem Jahr vom 7. bis 10. April mit einem neuen Konzept auf. Sie möchte nicht zuletzt mehr für das Publikum tun. Aber auch für die Fachbesucher gibt es Neuerungen, schließlich versteht sich eine Messe gemeinhin als Marktplatz und Handelsplattform. So steht die Großveranstaltung erstmals an allen vier Messetagen auch dem privaten Publikum offen. Und anders als in der Vergangenheit wird die Messe von Donnerstag bis Sonntag dauern statt von Mittwoch bis Samstag. „Auf diese Weise kann das Publikum die Messe das ganze Wochenende über genießen“, erläutert der Sprecher der Messe Frankfurt. Zudem gebe es in der Stadt ein Begleitprogramm mit beliebten Musikern wie Al Jarreau, Laith Al-Deen und Roger Cicero. Für eine Anzahl von Veranstaltungen im Rahmenprogramm koste der Eintritt für jene Besucher nichts, die im Besitz einer Messekarte seien. Am Tag vor der offiziellen Eröffnung am 7. April können Kinder sich auf dem Sonderareal „Music4Kids“ auf eine musikalische Entdeckungsreise begeben, wie die Messe ankündigt. (thwi.)

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