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Grüner Nahverkehr : Neue Busse nur noch mit Brennstoffzelle

Vorbild: Busse mit Antrieben, die ihren Strom aus Brennstoffzellen beziehen, sind sehr umweltfreundlich. Bild: Michael Kretzer

Der hessische Kreis Groß-Gerau will seine Nahverkehrsflotte bis 2030 komplett auf schadstofffreien Antrieb umstellen. Aus dem Auspuff wird nur Wasser tropfen.

          Noch fehlt im Kreis Groß-Gerau eine passende Wasserstofftankstelle. Und auch die für die beabsichtigte Flottenumrüstung benötigten Brennstoffzellenbusse existieren bis dato nur auf dem Papier. Doch immerhin hat man sich auf den Weg geeinigt, den die Lokale Nahverkehrsgesellschaft mbH, eine Tochter der Riedwerke, einschlagen soll, um bis längstens 2030 über eine komplett schadstofffrei angetriebene Fahrzeugflotte zu verfügen. Derzeit sind rund 80 Linienbusse im Kreis unterwegs.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Die ersten 22 neuen Busse will man, entsprechende Förderzusagen von Bund und Land vorausgesetzt, schon bis 2023 auf den Straßen haben, kündigte Christian Sommer, Geschäftsführer der in Groß-Gerau ansässigen Nahverkehrsgesellschaft, gestern nach einer Sitzung des Aufsichtsrats an. Für den beschlossenen Systemwechsel darf das Unternehmen, das kreisweit jährlich rund 7,5 Millionen Passagiere von derzeit vier Busfirmen transportieren lässt, in den nächsten fünf Jahren rund zwölf Millionen Euro ausgeben. Wobei ein Brennstoffzellenbus, je nach Anbieter, mit mehr als 600.000 Euro auch in etwa das Zweieinhalbfache der bisher üblichen Diesel-Variante kostet.

          „Emissionsfreie Mobilität beim Nahverkehr“

          Moderne Fahrzeuge mit neuer Diesel-Technologie anzuschaffen sei von Anfang an aber keine Option gewesen, sagte der Erste Kreisbeigeordnete, Walter Astheimer (Die Grünen), der ebenso wie Landrat Thomas Will (SPD) gestern darauf verwies, dass die grundsätzliche Entscheidung für eine „emissionsfreie Mobilität beim Nahverkehr“ im Landkreis schon 2015, also lange vor der bundesweit für Aufregung sorgenden Feinstaubdebatte, gefallen sei.

          Mittlerweile liegen auch die Ergebnisse eines Gutachtens vor, das vom TÜV Rheinland und dem Kölner Ingenieurbüro Emcel erstellt wurde. Das Konsortium verglich alle dafür in Frage kommenden „klimafreundlichen Fahrzeugtechnologien“ dahingehend, ob und inwieweit sie sich für einen Linienbetrieb im Kreis Groß-Gerau eigneten.

          Klar durchgesetzt

          Unter dem Strich habe sich die Brennstoffzelle in diesem Fall, also bei einem Flächenkreis und bei Busumläufen mit einer Distanz von bis zu 400 Kilometern am Tag, klar durchgesetzt, sagte Emcel-Geschäftsführer Marcel Corneille: dies sowohl bei den Parametern Emissionsfreiheit, Flexibilität und Reichweite als auch mit Blick auf die Kosten der beabsichtigten Betriebsumstellung. Elektrorespektive Batteriebusse, die entweder über Nacht in der Halle oder unterwegs an Stationen aufgeladen werden müssten, hätten im Vergleich dazu deutlich schlechter abgeschnitten, was laut Corneille in einem anderen Kreis oder einer Stadt mit anderen Rahmenbedingungen aber auch wieder ganz anders aussehen könnte.

          Geht alles nach Plan, sollen im Norden des Landkreises möglichst schon 2020 die ersten beiden Wasserstofftestfahrzeuge unterwegs sein. Was zuallererst einmal eine Tankstelle notwendig macht, so wie es sie etwa auf dem Gelände von Infraserv im Industriepark Höchst schon gibt. Doch auch das Raunheimer Gewerbegebiet „Mönchhof“ und das Betriebsgelände der Riedwerke wären offenbar als potentielle Tankstellenstandorte vorstellbar. Von 2022 an könnten Sommer zufolge dann regelmäßig Brennstoffzellenbusse auf den Zwanziger- und Sechziger-Linien zum Einsatz kommen.

          Dass man sich beim Nahverkehr eindeutig für die Brennstoffzellentechnologie entschieden habe, bedeutet für Will und Astheimer allerdings nicht, dass dies die einzige Möglichkeit sei, um etwas für den Klimaschutz und die Lebensqualität der Bürger zu tun. Beim Fuhrpark des Kreises, der Städte und Gemeinden plane man für die nähere Zukunft dagegen vor allem mit modernen Elektrofahrzeugen, die mittels Stromkabel und an Ladestationen aufzutanken seien. Auch wenn diese Form der E-Mobilität vermutlich „nur eine Übergangstechnologie“ sein werde.

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