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Elektromobilität in der Stadt : Alternativen zum Dieselbus

Auffälliges Design: Ein neuer Elektrobus der Stadt Frankfurt. Bild: Vogl, Daniel

Die Ära der Dieselmotoren geht zu Ende. Die Zukunft gehört der Elektromobilität. Doch der Wandel in den hessischen Städten verläuft schleppend. Ein Kommentar.

          Wie lässt sich der Dieselbus ersetzen? Diese Frage treibt die Verkehrsbetriebe der Kommunen immer stärker um. Denn in der Krise um Fahrverbote in zahlreichen Städten wird immer klarer, dass die Ära der Dieselmotoren zu Ende geht. Die Zukunft wird dem Elektrobus gehören. Fragt sich nur: welchem? Dem Batteriebus, dem Oberleitungsbus oder dem Wasserstoffbus, der seinen Strom aus einer Brennstoffzelle bezieht?

          Wiesbaden, Frankfurt und andere hessische Städte planen, ihre Dieselbusse durch Elektrofahrzeuge zu ersetzen. Doch noch ist nicht klar, wo genau die Fahrt enden wird. Denn es türmen sich große Hindernisse auf, wie man am Beispiel Wiesbaden sieht. Die Stadt kündigte großspurig einen schnellen Austausch der Dieselbusse gegen E-Busse an, musste aber bald feststellen, dass Elektrobusse schwer zu bekommen sind und wenn, dann zu einem völlig überteuerten Preis.

          Busproduzenten haben den Trend verschlafen

          Leider haben nicht nur die deutschen Autohersteller, sondern auch die Busproduzenten den Trend zum Elektroantrieb weitgehend verschlafen. Wer heute E-Busse kauft, muss häufig auf das Angebot chinesischer Hersteller zurückgreifen. Bund und Länder scheuen sich aber zu Recht, ihre hohen Subventionen für den Kauf von Elektrobussen China zukommen zu lassen. Immerhin hat Mercedes jetzt endlich einen E-Bus vorgestellt, dessen Alltagstauglichkeit allerdings noch erprobt werden muss.

          Seine Funktionsfähigkeit als zuverlässiges Fahrzeug des Nahverkehrs wie auch seine wirtschaftliche Tragfähigkeit muss auch noch der Wasserstoffbus unter Beweis stellen. Frankfurt, Wiesbaden und Mainz wollen jetzt Brennstoffzellen-Busse erproben. Doch auch hier kann die Industrie noch keine Serienfahrzeuge liefern. Zweifellos besitzt der Wasserstoffbus aber ein großes Potential. Seine Vorteile sind eine größere Reichweite als der Batteriebus und eine einfache Betankung. Ob die Produktion von Wasserstoff einmal rentabel sein wird, ist die große Frage. Wissenschaftler arbeiten an dem Problem, doch noch ist keine Lösung in Aussicht.

          Für eine Stadt wie Frankfurt mit chemischer Industrie, bei deren Produktion ohnehin Wasserstoff abfällt, bietet sich die Brennstoffzellen-Technologie geradezu an. Insofern tut die Nahverkehrsgesellschaft Traffiq gut daran, den Einsatz von Wasserstoffbussen voranzutreiben. Andere Städte sollten eher vorsichtig sein. Es ist zurzeit allemal besser, bewährte Dieselbusse der höchsten Abgasnorm zu kaufen, als viel Geld auszugeben für Elektro- beziehungsweise Brennstoffbusse, die noch nicht ihre Tauglichkeit für den Nahverkehr unter Beweis gestellt haben und für die man Mondpreise zahlt.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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