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: Nahe Sterne

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Das hat das Amt für Wissenschaft und Kunst ganz richtig gesehen: Für Frankfurt kommen ausschließlich die ganz großen Namen in Frage. Also haben die Organisatoren des zweiten Literaturfests Adolf Muschg, ...

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          Das hat das Amt für Wissenschaft und Kunst ganz richtig gesehen: Für Frankfurt kommen ausschließlich die ganz großen Namen in Frage. Also haben die Organisatoren des zweiten Literaturfests Adolf Muschg, Hans Magnus Enzensberger, Vaclav Havel und Umberto Eco als Teilnehmer des Eröffnungsabends in einen Veranstaltungsplan geschrieben, mit dem man offenbar bei möglichen Geldgebern hausieren ging. Auch etliche andere literarische Größen wurden in dem Papier als Vortrags- und Lesekünstler angekündigt, darunter manch scheuer Literat, von dem bekannt ist, daß er lieber im elfenbeinernen Turm sitzt, als sich dem Trubel eines Festivals auszusetzen. Oder zu krank ist, um anstrengende Termine wahrzunehmen. Es war halt nur ein Plan. Er ist längst Makulatur.

          Aber Frankfurt greift eben gerne nach den Sternen. Auch wenn sie oft zu weit entfernt sind, um auf Zuruf aus Kulturamt oder -dezernat in die Stadt der Türme zu fallen. Während der Glanz der Lichter, die Ausnahmekünstler der Stadt aufstecken, gelegentlich im kulturpolitischen Wetterleuchten untergeht. Selbst wer die Leibesübungen der Forsythe-Truppe nicht so recht goutierte, wird dem Ballett Frankfurt nicht absprechen können, daß eine außergewöhnliche ästhetische Energie von ihm ausging. Gerade auch in der letzten Produktion. Sie war umstritten. Manchmal wünscht man sich, daß in der Kultur etwas umstritten, daß um etwas gestritten wird.

          Auch Opern-Intendant Bernd Loebe beklagt, daß der Blick sich gerne auf die Herrlichkeiten, die von außen kommen, statt auf das Gute richtet, das so nahe liegt. Sponsoren fördern teure Gastspiele berühmter Orchester, während die Kontinuität des Musiktheaters gefährdet ist, die man für relativ geringe zusätzliche Summen sichern könnte.

          Darauf läßt sich gewiß auch das Motto der kommenden Spielzeit im Schauspiel anwenden: "Schöner wär's, wenn's schöner wär." Es steht über einer Saison, in der es von großen Namen der Literatur nur so wimmelt. Von Schiller bis Lars von Trier, von Kleist bis Vladimir Sorokin. Auch bedeutende Prosa-Werke werden in Elisabeth Schweegers Haus auf die Bühne gebracht, drunter eine dramatische Fassung von Max Frischs Roman "Stiller". Nach diesen Sternen kann man greifen. Sie schimmern mitten in der Stadt. Ob matt, ob glänzend - das wird sich weisen, darüber darf man streiten. Michael Hierholzer

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