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Nagelstudios : Nicht jeder hat ein Händchen fürs Geschäft

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Handarbeit: Die Nageldesignerin Zoi Apazoglou lackiert einer Kundin die Fingernägel. Bild: Rainer Wohlfahrt

In Frankfurt gibt es fast doppelt so viele Nagelstudios wie vor fünf Jahren. Das Geschäft mit der Schönheit ist hart, und nicht überall wird sauber gearbeitet.

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          Es ist zynisch: Die Frauen, die anderen Frauen die Hände verschönern, bekommen davon manchmal alles andere als schöne Hände, sondern sogar ziemlich hässliche. Beschäftigte von Nagelstudios arbeiten mit Einweghandschuhen, die sie jeden Tag viele Stunden tragen. In ihnen schwitzen die Hände, es wird feucht, die Haut wund. Bei einigen Frauen, und meistens sind es Frauen, die die Fingernägel anderer verzieren, bilden sich Bläschen und eiternde Flecken auf der Hand. Doch das ist noch das geringste Problem mancher Nageldesignerin.

          Nägel zu pflegen und zu verzieren ist eine vergleichsweise junge Sparte der Kosmetikindustrie. Als vor 20 oder 30 Jahren die ersten Studios eröffneten, waren ihre Gründerinnen oft Einzelunternehmerinnen, die sich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbständig machten. Denn jeder kann Nageldesigner werden, eine Ausbildung ist nicht vorgeschrieben. Heute ist die Gründung noch einfacher: Wer will, schaut halt ein Youtube-Tutorial, kauft bei Ebay ein paar Pinsel und Pulver, und los geht’s. Wahrscheinlich haftet der Branche auch deshalb der Ruf an, nicht gerade das Prada der Kosmetikwelt zu sein, sondern irgendwie unterschichtig, etwas für die Big-Brother-Schauer.

          Ein Ritz für Nägel

          Trotzdem läuft das Geschäft mit den Fuß- und Fingernägeln ganz hervorragend. Auf 60.000 schätzt das Fachmagazin „Prof Nail“ die Zahl der Nagelstudios in Deutschland, die fünf bis sechs Milliarden Euro erwirtschaften - in einem Jahr. Das Gefühl, wonach alle paar Tage ein neues Studio eröffnet, lässt sich mit Zahlen belegen: Waren 2010 im Bezirk der Frankfurter IHK noch 95 Nagelstudios gemeldet, sind es heute schon 166.

          Eine der Betreiberinnen ist Zoi Apazoglou, studierte Betriebswirtin, seit 22 Jahren Nageldesignerin. Ihr Studio im Westend ist das Gegenteil von RTL 2, eher so etwas wie das Ritz für Nägel. Es gibt Frappuccino und auch einmal einen Empfangssekt, im dunklen Holzboden spiegeln sich die weißen Arbeitstische, und sogar die Chanel-Täschchen der Kundinnen sehen echt aus. Eine Neumodellage der Nägel kostet bei Apazoglou 85 Euro. Zum Vergleich: Die Filiale der Kette L.A. Nails in der Zeilgalerie verlangt je nach Uhrzeit nur 38 Euro, also weniger als die Hälfte. Wie ist das möglich?

          „Scheinselbständige und Schleuser“

          Gar nicht, sagt Terri Malon, Chefredakteurin von „Prof Nail“ und seit fast 40 Jahren in der Branche tätig. Zumindest nicht, wenn gute Materialien verwendet, Arbeitsschutzvorschriften eingehalten und die Mitarbeiterinnen anständig bezahlt werden. Kampfpreise von manchmal nur 25 oder 20 Euro: Das könne sich eigentlich nicht rechnen, sagt Malon. Von ihrem eigenen Gewerbe hat sie ein äußerst schlechtes Bild. Von mafiösen Strukturen und Schwarzarbeit spricht sie, von Scheinselbständigen und Schleusern, die Frauen aus Vietnams Hauptstadt Hanoi als billige Arbeitskräfte in Deutschlands Nagelsalons brächten, ohne Arbeitserlaubnis, nur mit einem Touristenvisum. Den Anteil der Billigstudios, viele von ihnen seien in asiatischer Hand, schätzt Malon auf gut zehn Prozent des Gesamtmarkts, doch ihre Zahl nehme zu.

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