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Nachwuchsunternehmerin Caroline Hönn : Aus Gerücht wird Geschäftsidee

  • -Aktualisiert am

Will mit ihren Produkten dazu beitragen, dass sich ihre Kunden glücklicher fühlen: Jungunternehmerin Caroline Hönn. Bild: Wonge

Ihr Werdegang von der Studentin zur Nachwuchsunternehmerin war ein Zufall. Ein Praktikum in Peru brachte Caroline Hönn auf den Gedanken, Dinge des Alltags liebevoll zu gestalten und sie in dem Andenstaat produzieren zu lassen.

          Ihr Werdegang von der Studentin zur Nachwuchsunternehmerin war ein Zufall. Aber ein glücklicher. Die Geschichte der „Ringelsuse“, so heißt Caroline Hönns kleine Firma, die sie von Frankfurt aus betreibt, beginnt im peruanischen Hochland.

          Dort hatte die heute Dreißigjährige vor fünf Jahren ein Praktikum absolviert, das war noch für ihr Studium der Romanistik und Germanistik. Schon nach kurzer Zeit war Hönn allseits bekannt. Ein Grund war, dass sie während ihres Aufenthaltes eine Spendenaktion mit einer Frankfurter Initiative koordiniert hatte, um den Opfern und Hinterbliebenen eines Busunglücks in der Stadt zu helfen. Aber auch, weil ohne ihr Zutun das Gerücht entstand, sie plane, peruanische Produkte mit nach Deutschland zu nehmen und sie dort zu vertreiben.

          „Warum eigentlich nicht?“

          Die örtlichen Händler überschlugen sich und boten Hönn an, doch ihre Waren für das Vorhaben auszuwählen. Traditionelle Ponchos waren darunter, Limetten und sogar Meerschweinchen, in der Andenregion eine Delikatesse. Die Idee der Einheimischen entwickelte die junge Frau dann weiter. „Ich dachte mir: ,Warum eigentlich nicht?‘“ Ohnehin verspürte sie große Lust, sich mit einer kreativen Idee selbständig zu machen. Nebenbei, dachte sie, könnte sie die Region in Peru damit wirtschaftlich unterstützen.

          Es passte, dass in Deutschland zu dieser Zeit gerade liebevolle Designs für Kleidung und kleine Gegenstände im Trend lagen. Außerdem alles, was von Glück und Zusammenhalt zu erzählen scheint und damit von der allgemeinen Krisenstimmung ablenkt.

          Zurück in Frankfurt, holte Hönn ihren Bruder Christian mit ins Boot und gründete die „Ringelsuse“, eine Marke „für kleine und große Mädchen“. Das Sortiment sollte Produkte umfassen, die in Peru gefertigt wurden und über fairen Handel nach Frankfurt gelangten. Mit Kleidern in freundlichen Farben und netten Kleinigkeiten wie dem geblümten Stofftäschchen für die Zahnbürste oder dem Beutel für Hundebesitzer mit dem aufgestickten Schriftzug „Leckerlis“, traf die junge Unternehmerin tatsächlich den Zeitgeist.

          Alles fing mit „klassischem Klinkenputzen“ an

          Von einem Schneider, den sie in Peru kennengelernt hatte, ließ sie fortan Kleidung und Nachtwäsche, Strampelhosen und textile Accessoires fertigen. Mittlerweile ernährt der junge Mann seine Familie mit der Arbeit für die Frankfurterin. Mit der ersten Lieferung öffneten Hönn und ihr Bruder den Online-Shop und machten sich an die Planung, wie die „Ringelsuse“ vom Start-up zum erfolgreichen Unternehmen gemacht werden könne. Es habe mit „klassischem Klinkenputzen“ angefangen, erzählt sie. Die Ware im Kofferraum, fuhren sie durch deutsche Großstädte und fragten in Szene-Läden, ob ihre Artikel ins Sortiment aufgenommen werden könnten. Daneben gewann das Marketing über Facebook und Blogs immer mehr an Bedeutung. Die „Ringelsuse“ erhielt ein Profil und ein Gesicht in Form eines Logos, eines Mädchens mit zwei Zöpfen. Fortan erschienen die Neuigkeiten auf der Seite in der Ich-Form, als berichte die Kleine selbst.

          Im vergangenen Jahr hat Hönn das Studium abgeschlossen, seitdem konzentriert sie sich auf die Verbreitung ihrer Marke. Immer neue Produktideen kommen dazu, wie ein Lätzchen für kleine Mädels oder der Flachmann mit rosa geblümter Stoffhülle für größere. Für Mädchen, die Geschenke für „ihre Jungs“ suchen, hat sie zum Beispiel blau-weiß gestreifte Boxershorts mit dem aufgenähten Satz „best boyfriend ever“ im Angebot.

          „Tupper-Party“ für Fairtrade-Produkte

          Ihr Marketing-Budget bewege sich noch im „studentischen Rahmen“, sagt sie. Darum habe sie die Idee der etwas altmodisch klingenden „Tupper-Party“ modernisiert. Auf geselligen Abendveranstaltungen stellt Hönn ihre Ware in lockerer Atmosphäre vor, verkauft sie zu vergünstigten Preisen und erzählt den Anwesenden, die sie vor allem über Facebook einlädt, vom Ursprung der Produkte. Dabei kommen die überwiegend weiblichen Gäste auch einmal als Models zum Einsatz. Nach mehreren Probedurchläufen in Geschäften, Cafés und Wohnungen im Rhein-Main-Gebiet lässt Hönn nun quer durchs Land „tuppern“. Dafür verschickt sie einen Koffer voller „Ringelsuse“-Produkte und einen Katalog mit Preisen und Informationen, den Rest gestalten die Beauftragten selbst.

          Sie bereue nicht, sich während des Studiums selbständig gemacht zu haben, sagt Caroline Hönn. Im Gegenteil, solche Pläne sollten lieber früher als später angepackt werden: „Das Studium ist eine Zeit, in der man vieles ausprobieren kann.“ Für Gründer biete sich diese Phase besonders an.

          Von Peru über Deutschland in die Schweiz

          Noch könne sie von der „Ringelsuse“ zwar nicht leben, doch wachse die Marke stetig. In Zukunft möchte sie das Angebot auf Österreich und die Schweiz ausweiten, das Tupper-Party-Konzept dort anbieten und ein Vertriebs-Netzwerk für diese Art des Marketings gründen. Hönn, die seit ihrem Praktikum regelmäßig Zeit in Lateinamerika verbringt, ist froh, dass die peruanische Gerüchteküche sie zur jungen Unternehmerin in Frankfurt gemacht hat. Meerschweinchen wird sie aber wohl niemals in ihr Sortiment aufnehmen.

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