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Nachtflugverbot : Probelauf vor der Entscheidung in Leipzig

Tagungsraum: Diese Bundesrichter werden im März entscheiden, wie oft nachts künftig am Frankfurter Flughafen gestartet und gelandet werden darf. Bild: dpa

Tagsüber höllisch laut, nachts himmlisch still. Drei Wochen nach Inbetriebnahme der neuen Landebahn am Frankfurter Flughafen schwanken viele Anwohner im Umfeld zwischen den Extremen.

          Tagsüber höllisch laut, nachts himmlisch still. Drei Wochen nach Inbetriebnahme der neuen Landebahn am Frankfurter Flughafen schwanken viele Anwohner im Umfeld zwischen den Extremen. Von einem auf den anderen Tag haben sie seit dem 21.Oktober etwa in Flörsheim erlebt, wie laut 80Dezibel tatsächlich sind, wenn eine Maschine rund 300Meter über ihren Dächern zur Landung ansetzt.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seitdem das vom Hessischen Verwaltungsgerichtshof vorläufig verhängte absolute Nachtflugverbot gilt, ist das Erlebnis jeweils frühmorgens mit dem ersten Flugzeug umso intensiver. Zwischen 23 und 5Uhr darf seit dem 30.Oktober außer in Notfällen nicht gestartet oder gelandet werden. Ob das auf Dauer so bleibt, ist bis zu einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Mitte März eine offene Frage. Für die Menschen in der Region wie für die Unternehmen der Luftverkehrsbranche ist es entsprechend schwierig, über diesen Tag hinaus zu planen. Die Spanne dessen, welche Regelung in Leipzig denkbar wäre, reicht von 17 Nachtflügen sofort bis zu einer Verlängerung des nächtlichen Flugverbots für die nächsten drei bis fünf Jahre - oder sogar für immer.

          Länger als ein Jahrzehnt geführte Diskussion

          Hessens Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) hält allen Protesten zum Trotz an der Meinung fest, die im Planfeststellungsbeschluss erlaubte Zahl der Flüge, ein Drittel des vorherigen Kontingents, sei ein ausgewogener Kompromiss zwischen den Interessen der Luftverkehrsbranche, die diesen Standort auch nachts im weltweiten Netz der Verbindungen sichern will, und dem Recht der Anwohner, einige Stunden ungestört zu schlafen.

          Folgen ihm die Bundesrichter und sehen zumindest keine Ermessenfehler im Planfeststellungsbeschluss von Dezember 2007, dann gilt die Siebzehner-Regelung mit Verkündung des Urteils. Nach den Erfahrungen in großen Infrastrukturprojekten wäre es allerdings die Ausnahme, wenn das Bundesverwaltungsgericht die Behörden in vollem Umfang bestätigen und keine „Nachbesserungen“ verlangen würde. Das gilt umso mehr, als die inzwischen länger als ein Jahrzehnt geführte Diskussion, ob an einem Weltflughafen in einem Ballungsraum eine enorme Steigerung der Belastung tagsüber nur durch ein absolutes Nachtflugverbot kompensiert werden könne, juristisches Neuland ist. Dies ruft nach einer Grundsatzentscheidung, nach noch genauerer Differenzierung und einem eigenen Gütevorschlag.

          Nichts spricht für ein schnelleres Konzept

          Sollten die Leipziger Richter daher wie ihre Kollegen vom Hessischen Verwaltungsgerichtshof in erster Instanz es für nötig erachten, das Lärmschutzkonzept noch einmal in einem Planergänzungsverfahren zu überarbeiten, müssen sie über die Zukunft des Nachtbetriebs am Frankfurter Flughafen gleich mitentscheiden, denn einer vorläufigen Regelung kommt immense faktische Bedeutung zu.

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