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Nachlass von Bruno Schubert : Richtig reich dürfte die Witwe nicht werden

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Unter dem Hammer: Ein Teil des Nachlasses Bruno Schuberts wurde schon am 14. Mai 2011 in Frankfurt für knapp 600.000 Euro versteigert. Bild: Kretzer, Michael

Bruno Schubert war bei seinem Tod nicht so wohlhabend, wie die Gesellschaft annahm. Unversteuertes Geld im Ausland drückt auf die Bilanz.

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          Fast genau ein Jahr ist es her, dass Frankfurts Ehrenbürger Bruno H. Schubert starb. Nun hat das Landgericht seiner zweiten, 28 Jahre alten Frau Meharit das Erbe zugesprochen. Elf Millionen Euro soll es betragen. Diese Zahl kursiert seit dem erstinstanzlichen Gerichtsurteil, gegen das die von Schubert gegründete Umweltstiftung Berufung einlegen will, in den Medien. Ein Bericht des Königsteiner Nachlasspflegers Rüdiger Rattay aus den Gerichtsakten, der dieser Zeitung vorliegt, gibt nun Aufschluss darüber, dass die derzeitige Alleinerbin lieber nicht mit einer solch stattlichen Summe rechnen sollte. Rattay hat zwar darin zusammengestellt, dass das Erbe sich auf rund elf Millionen Euro beziffern ließ, als der frühere Chef der Henninger-Brauerei am 17.Oktober 2010 starb. Doch er macht auch deutlich, dass es in der Erbsache noch viele offene Rechnungen gibt.

          Der Bericht liest sich in Teilen wie ein Krimi. In mühevollen Recherchen, die offenbar nicht ohne Behinderung von Seiten einiger Beteiligter abliefen und für die Rattay zweimal nach Zürich reiste, hat der Nachlasspfleger die Daten über noch vorhandene Vermögenswerte in Höhe von rund 18,9 Millionen Euro zusammengetragen. Dazu zählen Barvermögen in Deutschland und im Ausland, Unternehmensbeteiligungen sowie die fast 600.000 Euro, die bei der Versteigerung des Inventars der Schubertschen Villa am Wendelsweg im Mai eingenommen wurden. Und das, obwohl die Witwe Schuberts offenbar mit aller Macht versucht hatte, die Versteigerung zu verhindern.

          Hochherrschaftliches Anwesen bei Berchtesgaden

          Den größten Anteil des Vermögens aber macht Schuberts hochherrschaftliches Anwesen bei Berchtesgaden aus, das Franz Josef Strauß einmal als das schönste Grundstück Bayerns bezeichnet haben soll. Schubert hatte den Bogensberg ein halbes Jahr vor seinem Tod für zwölf Millionen Euro an einen guten Freund in Thailand verkauft. Dieser hat nur einen kleinen Teil der Summe gezahlt und ist mittlerweile vom Kaufvertrag zurückgetreten, wie die Unterlagen belegen. Rattay setzt den Wert des Anwesens deshalb weiterhin auf zwölf Millionen Euro an.

          Diesen Aktiva stellt der Nachlasspfleger die Ausgaben entgegen, die nach dem Tod Schuberts zu begleichen waren. Sie belaufen sich auf rund 7,8 Millionen Euro. Auch hier führt das Protokoll von der einzelnen Telefonrechnung über die Gehälter der Angestellten, die Wasserkosten für das Gewächshaus am Wendelsweg (rund 13700 Euro) bis zum Mitgliedsbeitrag von gut 1000 Euro für den exklusiven Herrenclub Baur au Lac in Zürich an, in dem Schubert Gründungsmitglied war. Der größte Betrag der Passiva beläuft sich auf sieben Millionen Euro, die möglicherweise als Darlehensrückzahlung an die NWF-Stiftung in Liechtenstein gehen. In dieser Stiftung soll Schubert einen Teil seines unversteuerten Auslandsvermögens angelegt haben. Per Darlehen wurde ihm das Geld in Deutschland zur Verfügung gestellt. Da es sich nach Auskunft des Liechtensteiner Rechtsanwalts Philipp Lennert um eine selbstständige gemeinnützige Stiftung handelt, ist sie nicht mehr Teil des Erbes und kann die Darlehenssumme zurückfordern. Doch dieser Punkt bleibt weiter strittig.

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