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Nachhaltigkeitsmesse „Ecostyle“ : Die Handtasche war einmal ein Autositz

  • -Aktualisiert am

Autoteile in Taschenform: Designerin Karen Haecker zeigt ihre Kreation. Bild: Sick, Cornelia

Recyclingfähig und doch möglichst langlebig sollen die Produkte auf der Fachmesse „Ecostyle“ sein. Für mehr Nachhaltigkeit wurden so Papier aus Elefantendung und Taschen aus Autoteilen entwickelt und hier ausgestellt.

          Ob Taschen aus recycelten PET-Flaschen, mit dem Dung srilankischer Elefanten hergestellte Papierwaren oder aus Kompost gefertigte Obstschalen: Auf grünem Teppichboden zeigen die Aussteller der Fachmesse „Ecostyle“ noch bis Dienstag auf dem Messegelände ihre mitunter einfallsreichen Produkte. Wer hier ausstellt, wurde zuvor von einem unabhängigen Fachbeirat geprüft. Der habe es den Bewerbern „nicht einfach gemacht“, sagt der Vorsitzende Daniel Dahm. Nur wer recyclingfähige, hochwertige und langlebige Ware anbietet bekomme eine Stellfläche. Auch müssen die Güter unter fairen Arbeits- und Handelsbedingungen und mit effizientem Einsatz von Material und Energie produziert werden.

          75 Bewerber haben diese Auflagen erfüllt und zeigen Dinge für den Haushalt, Multimedia, Spielzeug und Büromaterial. Etwas mehr als ein Drittel der Aussteller kommt aus dem Ausland, vor allem aus Europa. Das sind zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Die Ecosytle sei nicht unattraktiver für internationale Aussteller geworden, sagt Pressesprecher Mario Arnold. Vielmehr seien die Kriterien der Jury noch einmal verschärft worden, um die Auswahl „nicht zugunsten asiatischer Standards zu verschieben“.

          Erstmals auf der Messe vertreten ist der Haushaltswarenvertrieb Kivanta aus Weilburg. Schadstofffrei und langlebig seien die Produkte, sagt Margot Flemming von dem Familienbetrieb. Darunter sind Edelstahl-Trinkflaschen und Zahnbürsten aus Moso-Bambusholz, das Pandas nicht fressen.

          Der Trend „Upcycling“

          Zusätzlich zum Angebot der professionellen Aussteller dürfen zwölf junge Designer ihre Ideen für nachhaltige Produkte präsentieren, ohne bereits sämtliche Kriterien des Fachbeirats erfüllen zu müssen. „Talents“ nennt sich diese Ausstellung, die einem klaren Trend folgt: „Upcycling“ – gemeint ist die Wiederaufbereitung von Müll und Nutzlosem – ist das Prinzip der meisten Präsentationen. Alte Schultafeln werden von einem Schreiner zu Tischplatten verarbeitet; Weinflaschen aus dem Abfall werden zu Karaffen und Krügen. Karen Haecker, 26, ist eines der Talente. Für ihre Abschlussarbeit an der Bauhaus-Universität in Weimar hat sie Handtaschen aus Ausschussware der Automobilindustrie entworfen. Viele Zulieferbetriebe geben ihre hochwertigen Materialien als Brennstoff an Kraftwerke. Haecker verwendet Schnittreste von Sitzbezügen und fehlerhaftes Furnierholz für Dekorleisten. Materialien, die unempfindlich und langlebig sind. Ein kleiner Riss im Mammutbaumholz macht ein Furnier für die Industrie zur Wegwerfware. Haecker sieht darin jedoch den Boden einer Tasche, deren Kunstleder aus Schnittresten eines Sitzbezugs stammt. Um selbst zu den Ausstellern der Ecostyle 2015 zu gehören, muss sie jetzt ein nachhaltiges Geschäftsmodell entwickeln.

          Die Messe Frankfurt veranstaltet die Ecostyle zum zweiten Mal, nachdem sie sich in den Augen von Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt, „gut etabliert“ habe. Die Nachhaltigkeitsmesse findet bis zum 2.September statt. Die Produktschau befindet sich ebenso wie die Messe „Webchance“ auf dem Gelände der Herbstmesse „Tendence“.

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