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Nach Warnung vor Schweinepest : Auf Abstand zu den Schweinen

  • -Aktualisiert am

Abgeschottet: Bauer Förster lässt derzeit keine Besucher zu seinen Tieren. Bild: Rüchel, Dieter

Bisher greift die afrikanische Schweinepest in Russland, Polen und der Ukraine um sich. Doch der Wetteraukreis warnt vor deren Ausbreitung. Die Mäster müssen nun noch mehr auf die Hygiene auf dem Hof achten als ohnehin schon.

          Gemeinhin lässt Christoph Förster gerne Besucher auf seinen Bio-Bauernhof. Hin und wieder schaut auch ein Lastwagenfahrer, der während der Fahrt über die nahe A45 eine Ruhepause einlegen muss, vorbei. Doch derzeit hält der Betreiber der Staatsdomäne Hofgut Marienborn in der Gemarkung Büdingen die meisten Gäste auf Abstand. Der Anlass ist die Warnung der Veterinärbehörden des Wetteraukreises vor einer Ausbreitung der afrikanischen Schweinepest. Bisher grassiert diese Tierkrankheit, gegen die es keinen Impfstoff gibt, noch ziemlich weit im Osten, in Russland, Polen und der Ukraine. Dennoch ist nicht nur Förster vorsichtig, sondern auch sein Berufskollege Bernd Winter in Butzbach-Nieder-Weisel. Und der Bauernverband gibt eigens verfasste Merkblätter mit Wohlverhaltensregeln für Saisonarbeiter aus Osteuropa heraus.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Winters Lindenhof liegt nur 300 Meter von der A5 entfernt. Und der Halter von 800 Schweinen weiß: Die Ukraine liegt nur scheinbar fern, ein Lastwagenfahrer braucht von dort nur etwa einen Tag in die Wetterau und bringt im Zweifelsfall unwissend die Pest-Erreger mit. „Wenn ein Fahrer etwas aus dem Fenster wirft, das könnte ein Infektionsherd sein.“ Aus dem Fenster könnten etwa Essensreste fliegen, die von Wildschweinen gefressen werden, die wiederum über Winters Hof laufen und Erreger hinterlassen könnten. Und das Virus gilt als äußerst widerstandsfähig. Laut Veterinärbehörden kann es auch über Lebensmittel wie Rohwürste und Salami aus den gefährdeten Regionen nach Hessen eingeschleppt werden. In diesem Bundesland werden 580.000 Schweine gehalten.

          Keine Streicheleinheiten durch Besucher

          Solche Risiken könnten die Schweinehalter nicht ausschalten, sagt Winter. Die Jäger und Förster in der Wetterau seien deshalb vorgewarnt. Sie müssten Verdachtsfälle umgehend melden. Derzeit würden Wildschweine schon sicherheitshalber untersucht. Er selbst macht nach seinen Worten das, was die Behörden den Landwirten raten: Er achtet noch stärker als sonst auf die Hygiene auf dem Hof, hat doppelte Tore vor dem Auslauf für die Tiere und ist vorsichtiger beim Besuch von Viehhändlern. Sonstigen Publikumsverkehr gibt es ohnehin nicht in seinem Schweinestall: Wie Warnschilder besagen, ist der Zutritt für unbefugte Dritte verboten. Und als konventioneller Landwirt lässt Winter ohnehin keinen Kontakt zu Wildschweinen zu. Die Tiere bleiben in den vier Wänden. Bio-Bauern, die ihre Schweine auf den Hof ließen, könnten schon eher in Schwierigkeiten kommen, mutmaßt er.

          Das sieht Christoph Förster aber nicht unbedingt so: Seine Schweine liefen zwar auf dem Hof umher – „den aber kann ich zumachen“. Angesichts des Risikos einer Schweinepest-Übertragung gewährt er jedoch derzeit keine Streicheleinheiten durch Besucher. Vielmehr müssten Gäste etwa zehn Meter Abstand von den Tieren einhalten. Dessen ungeachtet meint der Öko-Landwirt, dass seine Tiere besser mit der meist tödlich verlaufenen Virus-Infektion zurechtkämen als konventionell gehaltene Schweine. Müssten sie doch täglich mit allen möglichen Umweltkeimen zurechtkommen.

          Hinweise für Saisonarbeiter

          Außerdem stärkt die direkte Sonneneinstrahlung ihre Immunabwehr, wie der Landwirt sagt, der etwa 600 Schweine hält. In den fünf Jahren, in denen er die Öko-Schweinemast betreibe, habe er nur einmal Antibiotika geben lassen müssen – und auch nur einzelnen Tieren. In der konventionellen Mast gilt der Antibiotika-Einsatz dagegen als verbreitet, weil etwa die Tiere enger zusammenleben als auf Bio-Höfen und das Ansteckungsrisiko als größer gilt.

          Dass sich Bauern das Virus nicht über Arbeitskräfte in die Ställe holen, will der Bauernverband mit Anweisungen sicherstellen. Saisonarbeitskräfte erfahren in polnischer und rumänischer Sprache, dass sie keine Lebensmittel tierischen Ursprungs aus ihrer Heimat mitbringen und keine Essensreste wegwerfen oder gar verfüttern dürfen: „Sollte bei Ihnen Fleisch oder Fleischerzeugnisse gefunden werden, sind wir als Arbeitgeber berechtigt, Ihr Arbeitsverhältnis fristlos zu kündigen.“

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