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Nach Verbot durch Umweltministerium : Suche nach Alternative für Love Family Park

Parkliebhaber: Die Initiative „Save the Park“ will die Technoveranstaltung Love Family Park geschützt sehen. Bild: Rainer Wohlfahrt

Der Veranstalter Cosmopop ist von der Absage der Großveranstaltung der deutschen Technoszene „schockiert“. Die Initiative Save the Park wird eine Petition einreichen.

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          Anhänger der Technomusik werden auch in Zukunft nicht auf den Love Family Park, die zentrale jährliche Großveranstaltung der deutschen Technoszene, verzichten müssen. Nachdem das hessische Umweltministerium weitere Termine an dem gewohnten Veranstaltungsort, den Mainwiesen des Hanauer Stadtteils Großauheim, untersagt hat, sucht der Veranstalter Cosmopop nach Alternativen. Fest steht nach den Worten von Sprecher Robin Ebinger, dass es den Love Family Park weiterhin geben wird. Nur nicht mehr in Hanau. Eine sichere Alternative zu den Hanauer Mainwiesen sei ein Veranstaltungsort außerhalb von Hessen, sagte Ebinger dieser Zeitung. Allerdings sei Cosmopop von diesem Ort nicht vollkommen überzeugt. Deshalb werde nach weiteren Möglichkeiten gesucht, sowohl in der Nähe von Hanau als auch deutschlandweit. Dabei spricht der Veranstalter seine Anhänger auch direkt an.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Geprüft wird nach den Worten Ebingers auch das Angebot aus Großkrotzenburg, das sein Strandbad Spessartblick am See Freigericht West für den Love Family Park zur Verfügung stellen würde. Die Gemeindevertretung hatte, wie berichtet, einen entsprechenden Vorschlag der örtlichen FDP gebilligt. Laut Ebinger finden derzeit Gespräche auch mit der Gemeinde Großkrotzenburg statt.

          Verbot komme einer Diskriminierung gleich

          Vorwürfe richtet Cosmopop an das Umweltministerium. Man sei schockiert und empört von dieser Entscheidung nach 18Jahren in Hanau, wo man sich inzwischen verwurzelt gefühlt habe. Überrascht habe vor allem die Kurzfristigkeit des ablehnenden Bescheids. Das Verbot Puttrichs gelte nur für den Love Family Park, zahlreiche im Landschaftsschutzgebiet Hessische Mainauen stattfindende Veranstaltungen seien nicht betroffen. Genannt werden unter anderem das Höchster Schlossfest in Frankfurt, das Mainfest in Rüsselsheim und das „Bürgerfest“ in Hanau. Die Anordnung Puttrichs sei daher als Entscheidung gegen den Love Family Park zu deuten und damit als eine Entscheidung gegen die Jugend- und Musikkultur in der Region und in Hessen. Das Verbot komme einer Diskriminierung gleich. Noch im September, vor der Landtagswahl, habe Puttrich ihre Bereitschaft zu einem ergebnisoffenen Dialog bekundet. Wie ernst Puttrich dies gemeint habe, werde ihre Dialog- und Kompromissbereitschaft in den nächsten Wochen zeigen. Bisher ist es Cosmopop laut Ebinger aber nicht gelungen, einen Gesprächstermin bei Puttrich zu bekommen.

          Ähnliche Vorwürfe erhebt die Hanauer Initiative Save The Park, in der sich Parteien- und Organisationsvertreter seit langem für den Erhalt der Veranstaltung in Hanau einsetzen. Es finde alljährlich eine Vielzahl von Großveranstaltungen in den Hessischen Mainauen statt. Die Initiative fordert das Ministerium auf, dass der Love Family Park genauso behandelt werde wie alle anderen Großereignisse dort. Save the Park wird eine Petition zur Überprüfung der Entscheidung des Umweltministeriums an den Petitionsausschuss des Landtags richten. Außerdem gibt es eine Unterschriftenaktion zu einer Resolution, die auch im Internet unterstützt werden kann.

          Schäden in Schutzgebiet unakzeptabel

          Zu den ersten Unterzeichnern gehört Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD), der Ministerin Puttrich vorwirft, sie habe nach der Landtagswahl wohl keine Lust mehr verspürt, sich mit dem Thema Jugendkultur weiter zu beschäftigen. Ohne weitere Abwägung oder Erörterung von Lösungsvorschlägen habe sie eine Veranstaltung mit siebzehnjähriger Tradition und von internationalem Renommee vom Tisch gewischt.

          Puttrich hatte der Stadt zu Wochenbeginn unter anderem mitgeteilt, dass Unterlagen und Befunde, die nach der Veranstaltung des Jahres 2011 erhoben worden seien, Beeinträchtigungen und Schäden in einem Ausmaß belegten, die in einem Landschaftsschutzgebiet nicht akzeptiert werden könnten.

          Sie verwies auf die Einschätzung des Regierungspräsidiums in Darmstadt, nach der bei einer Veranstaltung mit 20000 Besuchern und den erforderlichen Einrichtungen Bodenverdichtungen, Vegetationsschäden und in das Erdreich getretener Müll dauerhaft und wiederkehrend aufträten. Diese Einschätzung teile die Fachabteilung des Ministeriums. Es sei unwahrscheinlich, dass künftige Untersuchungen, wie das von der Stadt Hanau angeregte Monitoring, zu anderen Ergebnissen gelangen könnten.

          Nicht mit zweierlei Maß gemessen

          Die Ministerin habe im Sommer in Hanau ausgeführt, dass die Standortfrage nur auf Fachebene entschieden werden könne, sagte gestern ein Ministeriumssprecher auf Anfrage. Das Regierungspräsidium, das schon lange Bedenken gegen den Veranstaltungsort gehabt habe, sei zu einer klaren Einschätzung gelangt, die vom Ministerium geteilt werde. Da bei Veranstaltungen in dem Landschaftsschutzgebiet stets der Unteren Naturschutzbehörde in den jeweiligen Rathäusern die Genehmigung obliege, könne nicht davon gesprochen werden, dass mit zweierlei Maß gemessen werde.

          Der Love Family Park sei wegen seiner Größe und wegen des Einreichens von Petitionen gegen ihn an diesem Standort in den Fokus des Interesses gerückt. Wenn die Petition der Initiative Save the Park beim Landtagsausschuss eingegangen sei, werde dieser das Ministerium um eine fachliche Bewertung bitten. Dann werde sich das Haus noch einmal mit der Angelegenheit auf Fachebene befassen.

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