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Nach Übergriffen in Köln : Mainzer sorgen sich wegen Fastnacht

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Für 2016 will die Mainzer Polizei neuralgische Punkte auf dem Rosenmontagsumzug im Auge behalten: Auch im vergangenen Jahr war die Polizei präsent. (Archivbild) Bild: dpa

Nach den sexuellen Übergriffen in Köln überprüft die Polizei nun die Sicherheitslage im Rhein-Main-Gebiet. In Mainz fragen viele Bürger aus Sorge um den Rosenmontagsumzug bei der Stadt nach. Gibt es Hinweise auf organisierte Banden?

          Nach den Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht in Köln rückt die Frage in den Blick, wie es während der großen Fastnachtsumzüge im Rhein-Main-Gebiet um die Sicherheit bestellt ist. In Mainz will die Polizei die Erkenntnisse aus Köln zunächst auswerten, wie ein Sprecher sagte. „Sie fließen dann in unsere Planungen für den Rosenmontagszug mit ein.“ Jedes Jahr schauen sich rund 500.000 Besucher den närrischen Marsch durch Mainz an.

          Am Kölner Hauptbahnhof hatten in der Silvesternacht Gruppen von Männern Frauen sexuell belästigt und ausgeraubt. Mittlerweile seien 90 Anzeigen eingegangen, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag. Zum Teil gehe es um sexuelle Übergriffe, zum Teil um Taschendiebstähle. Bisher gebe es keine Festnahmen, die mit den Vorkommnissen in der Silvesternacht zusammenhängen. Die Frauen, die sich bei der Polizei meldeten, berichteten, dass Gruppen aus vielen Männern auf sie zugegangen seien und sie massiv bedrängt und ausgeraubt hätten. Auch von einer Vergewaltigung ist die Rede. Laut Polizei beschreiben die Zeugen die Angreifer als Männer, die „dem Aussehen nach aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum“ stammen.

          Viele Nachfragen von Bürgern in Mainz

          Einen solchen Vorfall gab es in Mainz laut dem Polizeisprecher noch nicht. Zwar sei es in der Vergangenheit an Fastnacht zu alkoholbedingten Vorfällen wie Beleidigungen, Schlägereien oder auch einmal sexuellen Belästigungen gekommen. Dass Gruppen von Männern gezielt Frauen angingen, ist den Angaben nach aber noch nicht passiert.

          Die Mainzer Polizei will während des Rosenmontagszugs 2016 neuralgische Punkte im Auge behalten. Man sei mit mobilen Kräften vertreten, die schnell zur Stelle seien, falls sich dort etwas zusammenbraue. Wenn Frauen angegangen würden, werde man sofort reagieren, sagte der Sprecher.

          Der Mainzer Ordnungsdezernent Christopher Sitte (FDP) berichtete von vielen Nachfragen besorgter Bürger, ob eine Situation wie in Köln auch während der Mainzer Fastnacht entstehen könnte. Für die Stadt sei es nicht hinnehmbar, dass „hier auch nur der Versuch gestartet werden könnte, rechtsfreie Räume zu schaffen“. Sitte kündigte an, die Vorfälle in Köln zum Anlass zu nehmen, um das Thema in Gesprächen zwischen Ordnungsamt und Polizei noch einmal zu erörtern. Es gelte das für die Fastnachtstage entwickelte Sicherheitskonzept. Sitte rief die Bevölkerung dazu auf, aufmerksam zu sein und die Polizei zu unterstützen – indem etwa mögliche Übergriffe umgehend gemeldet würden.

          Ratlosigkeit bei Kölner Polizei

          In Frankfurt nehmen die Sicherheitsbehörden das Thema ernst, Vorfälle wie in Köln habe es aber noch nicht gegeben. Die Bundespolizei hat in der Silvesternacht am Hauptbahnhof mit mehreren Gewaltdelikten zu tun gehabt. „Darunter waren aber keine, die sich speziell gegen Frauen richteten“, sagte eine Sprecherin. Ähnliches war auch von der Landespolizei der Stadt zu erfahren. Eine große Zahl sexueller Übergriffe hat es nach dem Wissen der Polizei weder an Silvester gegeben noch in den Monaten davor. Auch aus dem Bahnhofsviertel ist der Polizei so etwas nicht bekannt. In Hamburg hatten mehrere Täter offenbar sowohl die Silvesternacht als auch andere Abende auf der Reeperbahn für ähnliche Übergriffe wie in Köln genutzt.

          Die Polizei in Köln hatte sich nach den Ereignissen zum Jahreswechsel ungewöhnlich ratlos gezeigt. Auf ein solches Szenario seien die Beamten nicht vorbereitet gewesen, sagte der Einsatzleiter. Die Polizei hatte den Platz geräumt, weil in der Menge Feuerwerkskörper gezündet worden waren. Die sexuellen Übergriffe waren zunächst nicht aufgefallen. Die Kölner Ermittler hoben gestern noch einmal hervor, dass sie keineswegs von mehreren hundert Tätern ausgehen. Es handele sich bei der Zahl von bis zu 1000 um die Personen, die insgesamt auf dem Domplatz versammelt waren.

          Auch in Frankfurt Diebstähle von Antänzern

          Eine Sprecherin der Polizei Frankfurt sagte, dass eine solche Gemengelage schwer einzuschätzen sei. In einer Menschenmenge sexuelle Übergriffe schnell zu erkennen sei eine Herausforderung – auch, weil die Betroffenen oft zu überrascht seien, um auf sich aufmerksam zu machen. Unklar sei auch, ob die sexuellen Übergriffe der Tarnung von Taschendiebstählen gedient haben könnten. Auf einige der Fälle trifft das laut den Kölner Ermittlern offenbar zu. Kriminologen beobachten solche Straftaten seit etwa zwei Jahren. Die Täter sind fast immer Männer, die Opfer fast immer Frauen. Auch in Frankfurt gibt es Diebstähle von Antänzern, beispielsweise in den Kneipen in Alt-Sachsenhausen. Die Täter nähern sich ihren alkoholisierten Opfern, suchen Körperkontakt und rauben sie unbemerkt aus.

          Die Worte, die Bundesjustizminister Heiko Maas für die Überfälle fand, halten in Polizeikreisen viele für übertrieben. Der SPD-Politiker sprach von einer „völlig neuen Dimension organisierter Kriminalität“. Organisiert gelten Kriminelle vor allem dann, wenn sie fortdauernd in festen Gruppen mit mehreren Hierarchieebenen agieren. Die Ermittler in Köln konnten so etwas nach ihren Worten noch nicht feststellen. Sie widersprachen auch dem Gerücht, wonach es sich bei den Männern um bekannte Dealer handele. Nach Informationen der ARD geht die Kölner Polizei aber davon aus, dass die Täter eigens in die Stadt gereist seien, um das Gedränge in der Silvesternacht auszunutzen. Weder die Landespolizei noch die Bundespolizei in Frankfurt haben nach ihren Worten Hinweise darauf, dass organisierte Gruppen Überfälle nach einem ähnlichen Muster planen.

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