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Tödliches Unglück in Frankfurt : „Die Stadt muss handeln“

Ort der Trauer: Der Bahnübergang an der Oeserstraße in Nied. Bild: Wonge Bergmann

Das tödliche Bahnunglück empört Bürger im Frankfurter Stadtteil Nied. Auf den Bau einer Unterführung warten sie schon seit Jahrzehnten.

          3 Min.

          Nach dem Unfall am Bahnübergang in Nied, bei dem am Donnerstagabend eine Sechzehnjährige getötet worden war und zwei weitere Menschen schwer verletzt wurden, hat die Bundespolizei am Dienstag mit den Vernehmungen begonnen. Die Ermittler wollen unter anderem herausfinden, wie die junge Frau, die zu Fuß unterwegs war, ums Leben kam. Wann mit ersten Ergebnissen zu rechnen ist, bleibt offen. Das Unglück ereignete sich, als ein Zug bei geöffneten Schranken den stark frequentierten Bahnübergang überfuhr.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bernd Günther

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Unfall hat in Nied die Frage aufgeworfen, warum seit Jahrzehnten über eine Lösung für den Bahnübergang an der Oeserstraße diskutiert wird, aber die angestrebte Bahnunterführung sich erst im Stadium der Vorplanung befindet. „Die Schranke muss weg“ – das ist eine der zentralen Forderungen der Bürger in Nied, die in den sozialen Netzwerken wie auch gegenüber den Ortspolitikern erhoben wird.

          Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass eine Unterführung wohl erst in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts fertiggestellt würde. An dem Projekt wirken nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz die Stadt Frankfurt, die Deutsche Bahn und das Bundesverkehrsministerium mit. Die Kosten des Millionenvorhabens werden entsprechend gedrittelt.

          Gefahrenstellen sollen umgebaut werden

          Bei dieser Bahnunterführung „muss es schneller vorangehen“, hat jetzt der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Römer, Martin Daum, gefordert. Der tödliche Unfall habe auf schreckliche Weise nochmals deutlich gemacht, wie gefährlich dieser Bahnübergang für Verkehrsteilnehmer sei. „Wut und Frust an diesem Kreuzungspunkt steigen.“ Denn die Bürger könnten nicht verstehen, warum die Planungen nur im Schneckentempo vorankämen. Zumal es sich nicht um einen untergeordneten Bahnüberweg handele, den hin und wieder ein gemütlicher Schienenbus passiere, so Daum. Der CDU-Politiker fordert von Oesterling, in der nächsten Sitzung des Verkehrsausschusses des Stadtparlaments, die für den 26.Mai geplant ist, einen „gründlichen“ Sachstandsbericht zu den Plänen an der Oeserstraße zu geben.

          Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses Wolfgang Siefert (Die Grünen) kündigte an, einen Vertreter der Bahn zur nächsten Ausschusssitzung einzuladen, um den Stand der Dinge zu erfahren. „Der Umbau des Bahnübergangs ist überfällig“, bestätigte Siefert. Der Bau der Unterführung sei allein wegen der hohen Zugfrequenz dringend nötig.

          Der SPD-Verkehrspolitiker Eugen Emmerling wünscht sich vom Dezernenten eine Auflistung aller Bahnübergänge in Frankfurt, dazu Angaben, wann mit deren Umbau zu rechnen sei, und eine Einschätzung der Gefahren.

          Unterdessen hat der für Nied zuständige Ortsbeirat 6 in einem Eilantrag Stellung zu dem Unglück an dem umstrittenen Bahnübergang bezogen. Die ebenerdige Querung der Gleise an der Oeserstraße müsse ohne Verzögerung durch eine Unterführung ersetzt werden, forderten die Stadtteilvertreter einmütig. Zugleich solle der Bau einer Brücke für Fußgänger und Radfahrer geprüft werden, damit für sie schneller eine sichere Querung der Bahntrasse möglich werde. Der Ortsbeirat war in Nied am Dienstag erstmals wieder zu einer ersten Präsenzsitzung zusammengetroffen.

          Planung dürfe nicht verzögert werden

          Der Magistrat solle mit der DBNetzAG dafür Sorge tragen, dass „umgehend mit Planung und Bau“ für eine Unterführung begonnen werde, heißt es in dem gemeinsamen Antrag. Es gebe schon Vorentwürfe, sagte Ortsvorsteherin Susanne Serke (CDU). Für die seit Jahren ausstehende Entwurfsplanung und die anschließende Genehmigungsphase sei der Zeitplan zwingend einzuhalten, drängten die Stadtteilpolitiker. Sie bezogen sich dabei auf Angaben des Magistrats vom Februar und denen zufolge der Baubeginn zum Jahresende 2026 vorgesehen war. Weitere Verzögerungen müssten vermieden und vielmehr alle Möglichkeiten genutzt werden, den Ablauf zu verkürzen. Das gelte auch für die auf drei Jahre veranschlagte Bauzeit. Zugleich solle aber der Bau einer Brücke angestrebt werden, um zumindest für Fußgänger und Radfahrer deutlich schneller eine sichere Gleisquerung bieten zu können. Wie berichtet, war dies schon einmal vom Ortsbeirat angeregt, von der Stadt aber verworfen worden, weil sie den Brückenbau allein hätte finanzieren müssen.

          Schon vor dem tödlichen Unfall herrschte im Stadtteil großer Unmut über die seit Jahren schleppenden Vorbereitungen für den Umbau der unübersichtlichen Gleisquerung. Als Reaktion auf das Unglück hat sich die Bürgerinitiative „Die Schranke muss weg“ gegründet. Innerhalb von zwei Tagen hätten sich auf Facebook rund 700 Unterstützer angeschlossen, sagte Initiator Peter Stoner. Eine zunächst für gestern von Nieder Bürgern angekündigte Mahnwache am Unfallort war kurzfristig wieder abgesagt worden, weil es Bedenken gab, dass sich dort zu viele Menschen versammeln und die Abstandsgebote nicht eingehalten werden könnten.

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