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Nach Christchurch-Anschlag : Trauern mit den Muslimen von nebenan

Gemeinsam trauern: Freitagsgebet in der Abu Bakr Moschee in Frankfurt. Bild: Helmut Fricke

Nach den Terroranschlägen in Christchurch schlägt das Bistum Limburg einen Besuch der nächsten Moschee vor. Die Frankfurter Gemeinden haben Erfahrung mit nicht-muslimischen Gästen des Freitagsgebets.

          Ünal Kaymakci klingt begeistert, obwohl der Anlass traurig ist. Für den muslimischen Rechtsanwalt kommt der Vorschlag des katholischen Bistums Limburg aber genau zur richtigen Zeit. „Die Muslime würden sich sehr freuen und wären gerührt“, glaubt Kaymakci. Das Vorstandsmitglied der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen spricht über die Idee aus Limburg, den heutigen Tag unter das Motto „Friday’s for prayer – Besuch’ deine muslimischen Nachbarn“ zu stellen. Wer zum Freitagsgebet mittags in eine Moschee gehe, zeige damit seine Solidarität und trauere zugleich um die 50 ermordeten Muslime von Christchurch in Neuseeland. Sie waren vergangene Woche während des Freitagsgebets von einem australischen Rechtsterroristen erschossen worden.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Besuchs-Idee stammt von Frank van der Velden. Seit 2017 ist der Theologe Bischöflicher Beauftragter für Islamfragen im Bistum Limburg. Der Fünfundfünfzigjährige hat in Syrien Arabisch studiert und 17 Jahre lang in Ägypten gelebt. Dort hat er nach einem Anschlag auf koptische Christen erlebt, wie gut es den Verfolgten tat, als sich Muslime an ihre Seite stellten – und gegen den Terror.

          Zum Nachdenken anregen

          Van der Velden geht es nach eigenen Worten nicht um eine politisch oder interreligiös motivierte Initiative. „Geht hin, zeigt Empathie“, das sei die Botschaft. Trotz der vielen gut gemeinten Sätze nach Christchurch habe ihm „die Wahrnehmung nachbarschaftlicher Mitmenschlichkeit gefehlt“, sagt der Theologe. „Wenn in meiner Nachbarschaft eine Oma stirbt, dann gehe ich da doch auch hin.“ Er habe nicht den Anspruch, dass durch seinen Aufruf „ein Run auf die Moscheen“ im Rhein-Main-Gebiet ausgelöst werde. Aber er wolle zum Nachdenken anregen und zur Mitmenschlichkeit aufrufen. Ein Besuch zeige jenseits der religiösen Grenzen: „Die Sicherheit aller Betenden in Synagogen, Kirchen, Moscheen und anderen religiösen Stätten ist unantastbar.“

          Organisiert sei das Ganze nicht, gibt van der Velden zu. Wer am Freitag in einer Moschee in der Nähe sein Beileid bekunden wolle, müsse sich selbst nach der Zeit für das Freitagsgebet erkundigen. Üblich sei ein Beginn um 12.40 Uhr, manche Gemeinden fingen aber auch später an.

          Männer und Frauen sitzen getrennt

          Für Ünal Kaymakci ist der Aufruf des Bistums nicht zu überschätzen. „Wir haben uns wirklich sehr über diese wunderbare Geste gefreut“, sagt der Mann, der zusammen mit dem Limburger Bischof Georg Bätzing am „Runden Tisch der Religionen in Deutschland“ sitzt. „Wir sind dankbar für jedes Zeichen der Solidarität.“ Zwar liege Neuseeland für die hiesigen Muslime am anderen Ende der Welt. Aber das Land sei westlich geprägt, „deshalb fühlt sich der Anschlag nah an“. Außerdem hätten Nutzer sozialer Medien dem Attentäter nach der Tat applaudiert. Und auch in Europa, so findet Kaymakci, gebe es zunehmenden Islam-Hass.

          Übung darin, Gäste zu haben, hätten fast alle der rund 40 Frankfurter Moscheegemeinden – vom Tag der offenen Moschee am 3.Oktober, sagt er. Wer Freitagmittag vorbeikomme, dem werde in den Moscheen ein Platz angeboten, um dem Gebet beizuwohnen. Männer und Frauen müssten allerdings getrennt sitzen.

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