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Polizeiübung in Wiesbaden : Mit neuer Ausrüstung gegen den Terror

  • Aktualisiert am

Mit neuer Ausrüstung den Erstfall geübt: In Wiesbaden hat die hessische Polizei das Verhalten bei einem Terrorangriff trainiert. Bild: dpa

Nach den Terrorattacken in Paris und Brüssel rüstet die Polizei hierzulande auf. Die hessische Polizei zeigt bei einer Übung, wie sie Attentäter stoppen will.

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          Schüsse fallen, Rauch steigt auf, Menschen schreien und kauern sich nach dem Terrorangriff von vier maskierten Männern unter die Tische eines Straßencafés. Was an die schrecklichen Bilder der blutigen Anschläge in Frankreich und Belgien erinnert, ist nur eine Übung der hessischen Polizei, die am Freitag ihre neue Schutzausrüstung vorführt. „Ich wünsche ihnen eigentlich, dass sie nicht zum Einsatz kommt“, versichert Innenminister Peter Beuth (CDU) nach dem gespielten Szenario in der hessischen Polizeiakademie in Wiesbaden.

          Rund 40 Polizisten stellen den Terrorangriff nach, bei dem ein mit vier Attentätern besetztes Auto nach einer Verfolgungsjagd mit der Polizei plötzlich in ein Café rast. Die maskierten Männer schießen wild um sich. Wenig später treffen zivile und uniformierte Beamte ein, schalten die Angreifer aus und bringen die Geiseln in Sicherheit: Übungsmunition knallt, Pyrotechnik raucht, Einsatzbefehle werden gebrüllt und Verletzte geborgen - nach wenigen Minuten ist alles vorbei.

          Hals- und Tiefschutz ist neu

          „Das ist ein realistische Situation, wie wir sie bei den Anschlägen in Frankreich und Belgien hatten“, erläutert Jürgen Sohnemann, der die Übung als Moderator leitet und an der Polizeiakademie als Leiter für das Einsatztraining zuständig ist. Mit der neuen Ausrüstung sollen nicht Spezialeinheiten ausgestattet werden, sondern diejenigen Streifenpolizisten, die als erste am Tatort sind. Hessen schafft zunächst 850 dieser Schutzpakete an.

          Die Polizisten in diesen sogenannten Interventionsteams haben eine zusätzliche Ausbildung und führen in ihren Streifenfahrzeugen immer die neue Schutzausrüstung mit. Diese bestehen aus einem Schutzhelm aus Titan, einer Splitterschutzbrille, einem Erste-Hilfe-Set für die Erstversorgung von Schussverletzungen sowie einer speziellen Schussweste, die durch ballistische Schutzplatten aus einem besonderen Kunststoff auch Schüsse aus einer Kalaschnikow abwehren kann.

          „Damit fühle ich mich schon sicherer als vorher“, berichtet einer der Polizisten, der bei der Übung einen Terroristen „erschossen“ hat. Neu ist vor allem ein Hals- und Tiefschutz - rein optisch eine Art Schürze - bei der Schussweste. Der Hauptkommissar Sohnemann erklärt, dass es bei den Terrorangriffen zuletzt viele schwere Beinverletzungen gegeben habe.

          Neue Ausrüstung wiegt 12,5 Kilogramm

          Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zeigt sich sehr zufrieden mit der neuen Ausrüstung. „Nun müssen wir nach und nach dazu kommen, dass auch die Beamten im Schicht- und Wechseldienst damit ausgestattet werden“, schaut der hessische GdP-Vize-Landeschef, Lothar Hölzgen, bereits nach vorne.

          Nur rund 50 Sekunden dauert es, bis die gesamte Ausrüstung angelegt ist. 12,5 Kilogramm wiegt sie insgesamt. „Uns war wichtig, dass wir eine optimale Kombination von Beweglichkeit und Schutz haben“, betont Gert Fischer, Präsident der Polizeiakademie Hessen. Auf rund zwei Millionen Euro belaufen sich nach Angaben des Innenministers die Anschaffungskosten. Zusätzlich soll die hessische Polizei noch mit einer neuen Maschinenpistole ausgestattet werden. Wann das sein wird, ist noch offen.

          Nach den „menschenverachtenden Anschlägen“ in den letzten Monaten hätten Taktik und Ausstattung der Polizei verändert werden müssen, erklärt Minister Beuth die Investitionen. Hinweise auf konkrete Anschlagspläne in Hessen gebe es derzeit nicht. In Hessen und Deutschland bestehe aber weiter eine hohe Gefährdungslage, warnt der Innenminister. „Deshalb müssen wir wachsam und vorbereitet sein.“

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