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Nach Straßenschlachten : „Linksextreme Demonstrationen verbieten“

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Bruchzone: In Frankfurt ist nicht nur Glas zerstört worden, sondern auch das Sicherheitsgefühl vieler Bürger. Bild: Eilmes, Wolfgang

Die Schäden, die Linksextremisten bei der Anti-Kapitalismus-Demonstration in der Frankfurter Innenstadt angerichtet haben, belaufen sich auf mehr als eine Million Euro.

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          Die Schäden, die Linksextremisten bei der Anti-Kapitalismus-Demonstration am Samstag in der Frankfurter Innenstadt angerichtet haben, belaufen sich auf mehr als eine Million Euro. Das teilte die Polizei am Montag mit. Vor allem Einzelhandelsgeschäfte, aber auch „symbolträchtige“ Gebäude wie der Frankfurter Römer, eine Wache der Stadtpolizei und die Europäische Zentralbank, deren Neubau im Ostend eigentliches Ziel der Proteste sein sollte, wurden erheblich beschädigt. Nach Einschätzung der Stadt und des Einzelhandelsverbands wird es noch Wochen dauern, bis die Zerstörungen behoben sind.

          Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) hat am Montag für die Stadt Frankfurt Anzeige gegen Unbekannt erstattet und damit auf die Ausschreitungen reagiert. Roth teilte mit, sie habe Vertrauen in die Behörden, dass die Täter ermittelt und der Strafverfolgung zugeführt werden könnten. Sie verurteilte die Gewaltexzesse aufs Schärfste. Gewalt gegen Sachen und erst recht gegen Personen würden auf den entschiedenen Widerstand aller Demokraten dieser Stadt stoßen.

          Reizgas gegen Polizisten

          Auch gestern meldeten sich immer mehr Bürger, die entweder selbst von Linksextremisten attackiert wurden oder aber Zeuge von Übergriffen geworden sind. Nach Einschätzungen der Sicherheitsbehörden hat es ein solches Gewaltpotential, bei dem auch schwerste Verletzungen von Menschen in Kauf genommen wurden, in diesem Ausmaß noch nicht gegeben.

          Das gilt vor allem auch für den verletzten Polizisten, der während der Demonstration angegriffen worden war. Wie am Montag bekannt wurde, ist er nicht nur mit Schlägen und Tritten traktiert worden. Die Angreifer haben ihm zudem ein Reizgas ins Gesicht gesprüht, das mit Säure versetzt war. Womöglich handelte es sich um eine selbst gemischte Flüssigkeit. Der Beamte, der uniformiert, aber ohne spezielle Schutzkleidung war, erlitt schwere Augenverletzungen. Die Täter sind unbekannt. Die Gewerkschaft der Polizei bezeichnete den Angriff als heimtückisch. Die Polizei sei „zur Zielscheibe schockierender Gewaltbereitschaft“ geworden. Die Gewerkschaft forderte die Politik auf, solche „Chaos-Orgien“ künftig zu verbieten.

          „Erst im letzten Moment habe ich die Tür zugesperrt“

          Das fordern auch die zahlreichen Geschäftsinhaber, deren Läden am Samstag von dem Mob heimgesucht worden waren. Am schlimmsten getroffen hat es die Bethmannstraße. Dort waren die Protestierer entlang gezogen, unmittelbar nachdem es an der Europäischen Zentralbank zu ersten Übergriffen gekommen war. Auf beiden Straßenseiten sind Schaufenster eingeschlagen und Fassaden mit Lackfarbe beschmiert worden. Doch für die Ladenbesitzer ist der entstandene Schaden das geringere Problem, sie fürchteten am Samstag vielmehr um ihre Sicherheit.

          Meike Buschening-Kaffenberger betreibt ein kleines Geschäft für Brautmoden, sie hatte den Ernst der Lage zunächst gar nicht realisiert: „Erst im letzten Moment habe ich die Tür zugesperrt. Die ist aus Sicherheitsglas und hat uns gerettet.“ Mit einem Brecheisen schlugen Vermummte kurz darauf mehrmals gegen die Tür, das Schaufenster ist um ein großes Einschlagloch herum zersplittert. „Wir waren zu fünft in unserem eigenen Laden gefangen und völlig hilflos.“ Aus dem Geschäft heraus beobachtete die Händlerin, wie mehrere Randalierer eine junge Frau auf der Straße angriffen. Einen Parkhauswächter, der ihr zu Hilfe eilte, bewarfen die Männer mit Pflastersteinen.

          Polizei will Bildmaterial auswerten

          Roland Schmidt, dessen Modegeschäft nur wenige Meter entfernt liegt, machte sich gestern Nachmittag mit zwei Handwerkern an seiner Eingangstür zu schaffen. Er ließ den Schließmechanismus nachjustieren, aus Vorsicht: „Ein Typ hat immer wieder mit dem Hammer gegen die Scheibe geschlagen. Andere haben sich gegen die Tür geworfen.“ Auch Schmidt konnte nichts tun als abzuwarten, bis die Angreifer weiterzogen: „Wir haben dann das Licht ausgemacht, um sie nicht weiter zu provozieren.“

          Nachdem die Demonstration schließlich aufgelöst war, wichen die Randalierer auf andere Orte aus. An der Leipziger Straße und auf der Zeil attackierten sie Banken und Einkaufsläden. Der Geschäftsführer eines Bekleidungshauses in der Nähe der Konstablerwache erlebte, wie eine Gruppe Maskierter mit Café-Stühlen auf seine Schaufensterscheiben einschlugen: „Zunächst hielt das Glas stand. Dann kam der nächste Trupp. Die haben die Scheibe dann mit Pflastersteinen eingeworfen.“ Eine Mitarbeiterin des gegenüberliegenden Juweliergeschäftes ist immer noch entsetzt, wenn sie sich an die Vorfälle erinnert: „So eine Aggression habe ich noch nie erlebt.“ Frank Bertsch, der Geschäftsführer von Kaufhof, sagte, er sei „positiv angetan vom Einsatz der Polizei“. Die Beamten hätten die Schaufenster gut geschützt.

          In den nächsten Wochen wird die Polizei sämtliches Bildmaterial, das ihr zur Verfügung steht, auswerten, um die Straftäter zu ermitteln. Die Personalien der 465 Festgenommenen sind zwar bekannt, dennoch müssen ihnen die Straftaten auch nachgewiesen werden können. Nach früheren Demonstrationen, bei denen die Täter vermummt waren, hatte es nur wenige Verurteilungen gegeben.

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