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Nach massiver Kritik : Familie aus Frankfurter Flüchtlingsheim verwiesen

In der Kritik: die Unterkunft für Geflüchtete in Bonames Bild: Maximilian von Lachner

Nach massiven Protesten müssen zwei Familien die Unterkunft am Alten Flugplatz in Frankfurt verlassen. Grund für die Beschwerden waren nicht nur die Zustände im Flüchtlingsheim.

          2 Min.

          Am frühen Donnerstagmorgen sind zwei Familien aus der in die Kritik geratenen Flüchtlingsunterkunft im Frankfurter Stadtteil Bonames aus der Einrichtung gebracht worden. Beamte der Stadt- und Landespolizei betraten die Wohneinheiten der Betroffenen gegen 6 Uhr und führten sie hinaus. Es handelt sich um zwei Familien mit jeweils mehreren Kindern, die, wie berichtet, in den vergangenen Wochen massiv gegen die Zustände in dem Heim protestiert hatten. Die Sprecherin des Sozialdezernats, das für die Unterbringung Geflüchteter zuständig ist, sagte, die Stadt stelle den beiden Familien nun einen Platz in anderen Unterkünften zur Verfügung. Ein Umzugsunternehmen hole die persönlichen Sachen der Familien in Bonames ab. Die Betroffenen dürfen nicht mehr in ihre alte Unterkunft, in der insgesamt mehr als 300 Menschen leben.

          Theresa Weiß

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Träger der Unterkunft, das Diakonische Werk Frankfurt und Offenbach, hat nach Angaben des Sozialdezernats eine „Betreiberkündigung“ gegen die beiden Familien ausgesprochen, da sie mehrmals gegen Regeln verstoßen hätten. Die Stadt setzte sie durch, indem sie die Zuweisung für die Unterbringung in Bonames für die beiden Familien zurückzog. Die Diakonie selbst will zu den Geschehnissen keine Stellung beziehen.

          Problem angeschlossene externe Herde

          Konkret geht es um die externen Herde, die viele Bewohner der Einrichtung in ihren Wohnmodulen angeschlossen hatten, um bessere Kochmöglichkeiten für ihre vielköpfigen Familien zu haben. Da die Stromversorgung im Landschaftsschutzgebiet, in dem die Unterkunft steht, aber nicht ausreicht, waren die Leitungen überlastet, es entstand Brandgefahr. Die Diakonie forderte die Bewohner folglich auf, die Herde vom Netz zu nehmen. Dies brachte die angespannte Situation zum Eskalieren – die Geflüchteten weigerten sich und wiesen auf viele Missstände hin: undichte Dächer, die Ausbreitung der Krätze, Schimmel.

          Die beiden Familien mussten nach Angaben der Sprecherin des Sozialdezernats die Unterkunft verlassen, da sie sich nach wie vor weigerten, ihren Herd herzugeben, beziehungsweise weil eine Bewohnerin „wiederholt massiv dazu aufgerufen hat, die Herde weiter zu betreiben“. Die Stadt hatte vergangene Woche angekündigt, einzelne Sicherungen in die Wohnmodule einzubauen, die bei einer Überlastung des Netzes den Strom ausschalteten. So könnten die Bewohner selbst entscheiden, welche elektrischen Geräte sie anschließen. Die Familien hätten aber nicht auf den Einbau warten wollen.

          Bewohnern berichten von ruppigen Umgang

          Die Stadt wies ihnen neue Einrichtungen zu; eine Familie werde in einer baulich besseren Unterkunft in einer Wohneinheit mit mehr Platz untergebracht, die andere habe sich verschlechtert und müsse in einer Gemeinschaftsunterkunft mit geteiltem Bad und Küche leben. Beide Einrichtungen werden von anderen Trägern als der Diakonie geführt.

          Die Bewohner hatten zuvor berichtet, dass ihnen „gedroht“ werde, sie in andere, schlechtere Unterkünfte zu bringen. Auch eine Person aus dem Umfeld der Unterkunft, die nicht namentlich genannt werden will, berichtete von einem ruppigen Umgang mit den Bewohnern. Die Diakonie sei zudem lange nicht auf die Beschwerden eingegangen; so gab es etwa bislang kein Beschwerdemanagement.

          Die Flüchtlinge nehmen den Verweis aus der Unterkunft als Reaktion auf ihren Protest wahr, fühlen sich bestraft, weil sie sich für ihre Sache eingesetzt haben. Denn gerade die Familien, die sich besonders laut beschwert hatten, mussten jetzt Bonames verlassen. Die Sprecherin des Sozialdezernats hebt hervor, dass es nicht um Bestrafung gehe oder darum, Querulanten loszuwerden. „Sicherheit hat Vorrang“, sagte sie. „Die Menschen bleiben uns ja erhalten“ – denn die Stadt sei selbstverständlich weiter für ihre Unterbringung verantwortlich.

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