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Anschläge in Paris : Der vertrackte islamistische Terror

Trauer und Gedenken: am Samstag vor dem französischen Konsulat in Frankfurt Bild: Bernd Kammerer

Nach den Anschlägen in Paris bemüht sich die hessische Polizei um Ruhe. Schon seit Jahren gibt es ein Konzept, das auf „den vertrackten islamistischen Terror“ ausgerichtet ist. Die Anspannung ist dennoch spürbar.

          Vor dem französischen Generalkonsulat an der Zeppelinallee in Frankfurt halten am Samstagvormittag viele Autos und Fahrräder. Immer stehen etwa zwei Dutzend Leute vor dem Gebäude, legen Blumen nieder und zünden Kerzen an. Eine Mutter hat rote Nelken mitgebracht, ihr Sohn, ein Junge im Schulalter, drückt sich etwas abseits herum, weiß nicht genau, wohin mit sich. „Ich warte hier“, sagt der Junge, sonst sagt niemand etwas. Einige wischen sich Tränen aus den Augen, andere umarmen einander. In Momenten wie diesem nach der Terrornacht von Paris brauchen die Menschen keine Worte, um sich in ihrem Entsetzen nahe zu sein.

          Denise Peikert

          Freie Autorin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Rollläden vor den Fenstern des Konsulats sind sämtlich heruntergelassen. Die französische Fahne wickelt sich im Herbstwind um die Stange, später am Tag wird sie von Mitarbeitern der Botschaft eingeholt. Ab und zu fährt ein Mannschaftswagen der Polizei vorbei. Das machen die Beamten an der Zeppelinallee, wo viele Ländervertretungen untergebracht sind, immer so. „Aber sie dürfen davon ausgehen, dass wir in diesen Tagen alle französischen Einrichtungen in unser Sicherheitskonzept verstärkt einbeziehen“, sagt ein Sprecher der Polizei Frankfurt. Ins Detail will er sicherheitshalber nicht gehen. Die Beamten hätten schon seit Jahren ein Konzept, das auf „den vertrackten islamistischen Terror“ ausgerichtet sei, sagt der Sprecher. Das Rhein-Main-Gebiet gilt innerhalb Deutschlands als eine Hochburg für salafistische Gruppen. Jetzt, nach den Anschlägen von Paris, arbeite man neue Erkenntnisse in das Konzept ein. Alle Beamten seien sensibilisiert für das Thema.

          Erhöhte Aufmerksamkeit an Bahnhöfen, Flughäfen und öffentlichen Plätzen

          Am Frankfurter Flughafen ist am Samstagvormittag eine Maschine aus Paris gelandet, die die Spieler der Fußballnationalmannschaft nach Hause gebracht hat. Rund um das Stadion in einem Pariser Vorort, in dem am Freitagabend Deutschland gegen Frankreich gespielt hatte, hatte es Explosionen gegeben, die deutschen Spieler harrten über Nacht in den Katakomben der Sportstätte aus. Für die Bundespolizei am Flughafen war die Ankunft der Maschine der Sportler nach eigener Auskunft keine besondere Herausforderung. Man habe die Kontrollen verstärkt, für die Fußballer aber keine Extramaßnahmen getroffen, hieß es aus der Zentrale der Bundespolizei in Potsdam.

          Im ganzen Land kontrollierte die Bundespolizei intensiver als sonst rund um Flüge und Züge nach Frankreich. Auch an der Grenze zum Nachbarland waren mehr Beamte als üblich im Einsatz, wurden mehr Reisende als gewöhnlich angehalten. Flüge von und nach Frankreich wurden den Fluggesellschaften zufolge unterdessen wie gewohnt abgewickelt.

          Auch die Direktverbindungen vom Frankfurter Hauptbahnhof nach Frankreich liefen am Samstag normal. Es gebe keine Hinweise auf eine konkrete Gefahr, sagte ein Sprecher der Bundespolizei an dem Bahnhof. Seine Kollegen seien betroffen von den Attacken in Paris, zu denen sich die Terrormiliz „Islamischer Staat“ bekannt hatte. „Wir haben alles, was am Hauptbahnhof passiert, besonders konzentriert im Auge.“ Nicht nur an neuralgischen Punkten in den Großstädten waren verstärkt Bundespolizisten im Einsatz. Die Beamten erhöhten ihre Aufmerksamkeit an Bahnhöfen, Flughäfen und öffentlichen Plätzen überall im Rhein-Main-Gebiet. „Im gesamten Zuständigkeitsbereich der Direktion herrscht helle Wachsamkeit und Sensibilität“, sagte ein Sprecher der Bundespolizeidirektion Koblenz. Ein konkretes Maßnahmenpaket sei jedoch zunächst nicht ins Auge gefasst.

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