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Nach Hygiene-Skandal : Letztes Verfahren am Klinikum Fulda eingestellt

  • Aktualisiert am

Das Fuldaer Großkrankenhaus wurde verdächtigt, gegen das Medizinproduktegesetz verstoßen zu haben. Bild: dpa

Wie das erste Verfahren 2011 ist auch das zweite zu Ende: Das Klinikum Fulda muss nach dem Hygiene-Skandal keine strafrechtlichen Folgen fürchten. Patienten waren mit nicht korrekt gereinigtem OP-Besteck behandelt worden.

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          Nach dem erneuten Hygiene-Skandal um nicht korrekt gereinigtes OP-Besteck am Klinikum Fulda hat die Staatsanwaltschaft auch das letzte Verfahren eingestellt. Das Großkrankenhaus wurde verdächtigt, gegen das Medizinproduktegesetz verstoßen zu haben. Zudem wurde wegen versuchter Körperverletzung ermittelt. Im Visier der Ermittler standen 19 Menschen. Es habe sich aber kein hinreichender Tatverdacht ergeben, berichtete die Behörde in Fulda.

          Vorgereinigte und desinfizierte, aber im letzten Schritt nicht sterilisierte Instrumente waren Ende März und Anfang April 2011 bei 13 Operationen zum Einsatz gekommen. Patienten seien dadurch nicht zu Schaden gekommen. Der Aufsichtsratsvorsitzende des Krankenhauses, Fuldas Oberbürgermeister Gerhard Möller (CDU), hatte bei der Ursachensuche auch „Sabotage“ nicht ausschließen wollen.

          Die „nötige Sicherheit und Ruhe“

          Das Verfahren wurde nun an das Regierungspräsidium (RP) Kassel übergeben. Von dort aus kann noch Bußgeld wegen Ordnungswidrigkeiten verhängt werden. Mögliche Strafe: bis zu 25.000 Euro. Der Sachverhalt werde geprüft, innerhalb von zwei Wochen solle eine Entscheidung fallen, sagte ein RP-Sprecher auf Anfrage.

          Möller und der Klinikvorstand reagierten „mit Erleichterung“ auf die Entscheidung der Staatsanwaltschaft. Nun hätten alle wieder die „nötige Sicherheit und Ruhe“. Die Mannschaft des Klinikums könne nun wieder ihren Blick nach vorne richten. Vorstandssprecher Thomas Menzel sagte, das Klinikum leiste das Maximum für das Thema Hygiene. Die Abteilung sei neu aufgebaut und das Personal geschult worden.

          Der am Tattag für die Sterilisation zuständigen Mitarbeiterin der Aufbereitungsabteilung sei versuchte Körperverletzung nicht nachgewiesen worden. Es sei nicht auszuschließen, dass die Beschuldigte in einer „angespannten Situation grob irrig“ gehandelt habe. Sie habe lediglich grob fahrlässig agiert, und „der fahrlässige Versuch einer Körperverletzung ist nicht strafbar“, so die Behörde.

          Nicht korrekt gereinigte Instrumente

          Der Verdacht, eine weitere Mitarbeiterin der Abteilung habe das Auslassen der Sterilisation angeordnet, habe sich nicht bestätigt. Die bei den Operationen helfenden Mitarbeiter, die nicht korrekt gereinigte Instrumente wie Scheren und Klemmen angereicht hatten, hätten ebenfalls nicht mit Vorsatz gehandelt.

          Anfang Mai 2011 war bereits ein erstes Verfahren wegen ähnlicher Vorwürfe gegen das Klinikum eingestellt worden - ebenfalls wegen mangelnden Tatverdachts. Laut Staatsanwaltschaft war bei Operationen nicht korrekt gereinigtes Besteck verwendet worden. Von Blutresten war die Rede. Der Skandal war im Januar 2011 bekanntgeworden. Das Klinikum hatte darauf die Zentralsterilisations-Versorgungsabteilung (ZSVA), geschlossen und später neu aufgebaut.

          Deutliche „Personalüberlastung“

          Der gesamte Skandal kostete das kommunale Krankenhaus nach eigenen Angaben zwölf Millionen Euro. Geld wurde gezahlt für Neuanschaffungen, Einnahmen gingen verloren durch abgesagte Operationen.

          Im Zuge der Ursachensuche für die schweren Hygiene-Mängel hatte ein Service-Dienstleister das Klinikum erst jüngst mit Schuldzuweisungen belastet. Die Probleme in der wichtigen Abteilung seien hausgemacht. Es sei eine deutliche „Personalüberlastung“ beobachtet worden, die Abläufe seien dadurch fehleranfällig gewesen, hatte der Technische Leiter des externen Dienstleisters Orgamed, Thomas Kronforth, erst kürzlich der dpa gesagt.

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