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Nach Hanau und Volkmarsen : Warum ist Tobias R. durch alle Raster gefallen?

Stille Gedenken: An vielen Orten in Deutschland wurden an die Opfer von Hanau erinnert. Bild: Imago

Die Anschläge von Hanau und Volkmarsen machen ein Frühwarnsystem noch dringender, um Verbrechen von Extremisten und psychisch Gestörten zu verhindern.

          5 Min.

          Tobias R. glaubte an einen „Geheimdienst“. Eine Art Organisation im Untergrund, die deutsche Bürger überwacht, ihre Gedanken lesen kann, und darüber hinaus fähig sind, sich in diese „einzuklinken“ und bis zu einem gewissen Grad eine Art „Fernsteuerung“ vorzunehmen. Das schrieb Tobias R. in seinem „Manifest“, bevor er loszog, bewaffnet mit zwei Pistolen, eine davon eine Sig Sauer, und neun Menschen ausländischer Herkunft tötete. Anschließend seine Mutter. Dann sich selbst.

          Katharina Iskandar
          (isk. ), Rhein-Main-Zeitung
          Helmut Schwan
          (hs.), Rhein-Main-Zeitung

          Tobias R. ist inzwischen kein Unbekannter mehr. Seit dem Anschlag von Hanau, der nach derzeitigen Erkenntnissen aus einer rechtsextremen Gesinnung heraus begangen wurde, äußerten sich Nachbarn, ehemalige Mitschüler, Bekannte aus seinem Schützenverein. Einige sagten, er sei schon immer etwas seltsam gewesen, andere bezeichneten ihn als freundlich und scheu. Fest steht: Wohl kaum einer wusste, was Tobias R. wirklich dachte. Was sich später in seinem Alter ego offenbarte. Im Netz. Wo er sich chauvinistisch und rassistisch äußerte und in einem Video mit ernster Miene und auf Englisch krude Verschwörungstheorien von sich gab. Wie aber, das fragen sich die Behörden jetzt, hätte Tobias R. aufgehalten werden können? Gab es Warnsignale? Äußerungen, die andere hellhörig werden ließen? Tatsache ist: Er ist durch alle bestehenden Raster gefallen, weil offenbar niemand bemerkt hat, was sich in dem Dreiundvierzigjährigen zusammenbraute.

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