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Nach Fund von Babyleiche : Prozessbeginn in Darmstadt

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Prozessauftakt in Darmstadt: Die 32 Jahre alte Frau ist vermutlich nicht schuldfähig aber wegen Verdachts auf Totschlag an ihrem Säugling angeklagt. Bild: dpa

Es war eine grausige Entdeckung im Viernheimer Wald: Ein Pilzsammler fand dort 2017 die Leiche eines Säuglings. Nun steht die Mutter des toten Kindes wegen des Verdachts auf Totschlag vor Gericht. Dabei geht es auch um die Frage nach der Schuldfähigkeit.

          Eine 32 Jahre alte Frau muss sich seit Donnerstag vor dem Darmstädter Landgericht verantworten, weil sie ihr wenige Wochen altes Baby getötet haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr Totschlag vor, geht allerdings davon aus, dass die Frau wegen einer langjährigen psychischen Erkrankung nicht schuldfähig ist. Die Frau soll an einer paranoiden Schizophrenie leiden.

          Die Anklage gegen die wohnsitzlose Frau lautet auf Totschlag. Dabei spielen Äußerungen der 32-Jährigen in einem sozialen Netzwerk eine Rolle. Wegen ihrer psychischen Erkrankung prüft das Schwurgericht auch, ob die Frau bis auf weiteres in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik untergebracht wird. Die Beschuldigte äußerte sich nicht zur Sache.

          Verwandte brachte Polizei auf die Spur

          Die Babyleiche hatte am 9. September 2017 ein Pilzsammler in einem Viernheimer Wald in einer verschlossenen schwarzen Tasche gefunden. Weil er neugierig gewesen sei und die Reißverschlüsse verwittert waren, habe er die Tasche mit seinem Pilzmesser aufgeschnitten. „Ich habe reingeguckt und etwas eingewickeltes mit Knochen gesehen“, sagte der Zeuge.

          Eine Mitarbeiterin aus einem Mannheimer Geburtshaus brachte die Ermittler auf die Spur der Beschuldigten. Die 51-Jährige schilderte in ihrer Zeugenaussage, dass sie im November 2017 von einer älteren Dame angerufen worden war. Diese habe berichtet, dass sie ihren im März geborenen Neffen vermisse.

          Die Geburtshausmitarbeiterin informierte die Mannheimer Polizei, die daraufhin feststellte, dass die Beschuldigte wegen einer anderen Sache in der Justizvollzugsanstalt Schwäbisch-Gmünd in Haft war. Mit Gutachtern der Frankfurter Rechtsmedizin versuchte das Gericht den Todeszeitpunkt einzugrenzen. Aufgrund von Insekten und Milben auf den Überresten war das Baby auf jeden Fall seit dem 5. August 2017 tot, sagte ein Biologe. Aber die Knochen entsprächen in ihrer Länge einem Kind in der 40. Schwangerschaftswoche, so eine Rechtsmedizinerin, was einen Tod im April nahelegt. Der Prozess wird an diesem Freitag (11. Januar) um 9.00 Uhr fortgesetzt.

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