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Nach Sieg der Eintracht : Schöne Bescherung!

Glückliche Frankfurter auf der kalten Alb: Die Torschützen Haller (links) und Gacinovic bringen die Eintracht im Pokal weiter. Bild: Imago

Die Eintracht steht nach harten 120 Minuten in Heidenheim im Pokal-Viertelfinale – begünstigt vom Schiedsrichter und dank Hallers Treffsicherheit. Als Lohn gewährt Kovac eine Verlängerung der kurzen Weihnachtspause.

          Die Ansprache war eindeutig. Ein Sieg im Pokal – und die Frankfurter Fußballprofis können einen Tag länger im Urlaub bleiben. „Ich habe es der Mannschaft vor dem Spiel als Anreiz gesagt“, sagte Trainer Niko Kovac. Seit der Nachtschicht auf der Schwäbischen Alb steht fest: Trainingsstart nach Weihnachten ist nicht wie ursprünglich geplant am 28., sondern erst am 29. Dezember. „Morgens um zehn Uhr“, wie Kovac nach dem Pokalsieg beim 1. FC Heidenheim sagte. „Und dann wieder am Nachmittag um halb drei. Sonst ist es später zu dunkel.“

          Am Mittwochabend war es schon dunkel, als es losging und die meisten der 11.000 Zuschauer in der Arena auf dem Heidenheimer Schlossberg auf eine Überraschung hofften. Die aber blieb aus, denn es war der Erstligaverein Eintracht, der sich beim Zweitligaklub Heidenheim, wenn auch erst nach 120 Minuten, 2:1 durchsetzte. Die Verlängerung musste die Entscheidung bringen, und es war „verdient“, wie auch der Heidenheimer Trainer Frank Schmidt später anerkennend sagte, dass sich die Eintracht auf den 7. Januar freuen darf. Dann wird ausgelost, dann entscheidet sich, ob die Eintracht auf dem Weg zurück in die Hauptstadt, in der Kovac und seine Leute schon im Mai 2017 als Pokalfinalisten gewesen sind, durch eine lösbare Viertelfinal-Aufgabe ein Schritt weiterkommen kann.

          Gut getroffen mit Widersachern

          Sicher ist jetzt schon: Dank des Sieges in Heidenheim erhält die Eintracht aus dem Topf der Fernsehgelder 1,3 Millionen Euro. Über die Stationen Erndtebrück, Schweinfurt und Heidenheim ins Viertelfinale: Die Eintracht hat es bislang gut getroffen mit ihren Widersachern im DFB-Pokal, in dem es möglich ist, mit wenigen Spielen viel zu erreichen. Die Etappen nach Berlin sind kürzer geworden. Auf der Alb haben die Eintracht-Spieler die nötige Zusatzschicht gern geschoben. Erst war es Mijat Gacinovic, abermals einer der besten Frankfurter, der mit seinem Treffer in der Verlängerung die bessere Mannschaft in Führung schoss (95.). Doch weil der Heidenheimer Kapitän Marc Schnatterer prompt den Ausgleich erzielte (96.), bedurfte es einer besonderen Kraftanstrengung, um den Einzug in die Runde des letzten acht zu schaffen.

          Den Treffer von Sébastien Haller zum finalen 2:1 (109.) hätte Schiedsrichter Sven Jablonski eigentlich gar nicht zulassen dürfen. Marc Stendera, der wiederum Vorlagengeber Danny da Costa freigespielt hatte, stand leicht im Abseits. „Das kann passieren“, sagte zu fast mitternächtlicher Stunde der faire Heidenheimer Trainer Schmidt. „Aber da wollen wir jetzt nicht rummachen. Das Spiel ist vorbei, und den Videobeweis gibt es ja erst ab dem Viertelfinale.“ Und so überwog im Lager der Eintracht die Freude, den letzten Kraftakt des Jahres mit einem blauen Auge überstanden zu haben. „Heute war Pokal“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner. „Da geht es nicht um das Wie. Das geht es nur darum, eine Runde weiterzukommen.“ Auch Kovac musste zugeben, „dass es nicht einfach für uns gewesen ist. Aber jetzt sind wir glücklich.“ Glücklich, dass der Traum von Berlin weitergeträumt werden kann. Glücklich, „dass wir 2017 erfolgreich abgeschlossen haben. 2018 wollen wir das bestätigen“, gab der 46 Jahre alte Fußballlehrer als Losung aus.

          Versöhnlicher Jahresausklang unter Flutlicht

          Dass es unter Flutlicht ein versöhnlicher Jahresausklang wurde, lag auch an der Treffsicherheit von Haller. Der Franzose, der schon im Kerngeschäft Bundesliga mit seinen sechs Toren so manches Mal für späte Glücksmomente gesorgt hat, war auch auf der kalten Alb zur Stelle. „Haller ist dafür da, dass er Tore macht“, sagte Kovac lapidar. „Er hat Qualitäten. Viele Bundesligisten würden sich freuen, einen wie ihn in ihren Reihen zu haben.“ In Zeiten, in denen Ablösesummen im Profifußball geradezu explodieren, nehmen sich die sieben Millionen Euro, die aus Frankfurt zum FC Utrecht geflossen sind, fast schon bescheiden aus. Richtig aber ist auch: Für die Eintracht war und ist es die Rekordsumme. Auch wenn Haller so manches mäßige Spiel gezeigt hat: Letztlich kann sich Kovac auf seinen Stürmer verlassen. So wie er sich auch sicher sein kann, dass einer wie Gacinovic stets alles aus sich herausholt.

          Der selbstkritische Serbe war einer der wenigen, der sich aus der Heidenheimer Mixed-Zone nicht sofort mit besten Weihnachtswünschen verabschieden wollte. Gacinovic war es ein Bedürfnis zu sagen: „Schade, dass es jetzt zu Ende ist“ – das Jahr 2017, das zum bisher besten seiner Karriere geworden ist und in dem er den endgültigen Durchbruch geschafft hat. Für den offensiv ausgerichteten Mittelfeldmann hätte es also noch über die letzte Aufgabe auf der Alb hinaus weitergehen können. Doch auch er wird letztlich die eine Woche Pause dafür nutzen, um „abzuschalten“, wie sich dies Kovac wünscht.

          „Es ist toll, sieben Tage lang keinen Fußball zu haben“, sagte der Frankfurter Trainer, der seine Mannschaft unmittelbar nach dem Pokalerfolg in den Urlaub entließ. Wer wollte, konnte mit dem Mannschaftsbus wieder zurück nach Frankfurt fahren. Wer ganz pfiffig war, bat Freunde und Familienangehörige darum, mit dem Auto nach Heidenheim zu kommen, um noch in der Nacht schnell und auf eigene Faust in die Weihnachtsferien zu fahren. Spieler wie Marius Wolf und Aymen Barkok haben es so gemacht. Doch auch für sie gilt: Am 29. Dezember geht es weiter.

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