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Nach Drohungen gegen Anwältin : Auf der Suche nach dem NSU 2.0

„NSU 2.0“: Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz ist Ziel mehrerer Drohschreiben geworden. Bild: dpa

Seit einem Jahr wird gegen mehrere Frankfurter Polizisten ermittelt, die rassistische Inhalte ausgetauscht und einer Anwältin gedroht haben sollen. Was hat sich seitdem getan?

          5 Min.

          Als die Beamten des Staatsschutzes an jenem Morgen des 25.Oktober 2018 in das 1. Revier an der Frankfurter Zeil kamen, dauerte es keine halbe Stunde und fast die gesamte Frankfurter Polizei wusste Bescheid. Sie sprach sich schnell herum, die Nachricht: „Kollegen im Haus“. Manche sagten später, sie hätten es geahnt, dass so etwas kommen würde. Denn die Durchsuchung, bei der Handys, Festplatten und andere Speichermedien sichergestellt wurden, kam nicht aus dem Nichts.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Geschichte beginnt mit einem Drohschreiben, das am 2. August 2018 an die Frankfurter Anwältin Seda Basay-Yildiz geschickt worden war. Sie bekam das Schreiben per Fax, über einen Anbieter, der seine Server über Russland betreibt. Verschlüsselt. Unterzeichnet war es mit „NSU 2.0“. Versuche, den Absender nachzuverfolgen, schlugen fehl. Allerdings hatten die Ermittler einen Ansatzpunkt, den der Verfasser des Schreibens offenbar nicht bedacht hatte. Denn in dem Fax tauchte die Adresse der Anwältin auf. Die jedoch ist im Melderegister wegen früherer Bedrohungen mit einem Sperrvermerk versehen. Es gibt nicht viele Möglichkeiten, dennoch an die Adresse zu gelangen. Eine davon führt über das polizeiliche Abfragesystem. Dort setzten die Staatsschützer an – und erhielten einen Treffer. Die Spur führte zu einem Computer, an dem zu diesem Zeitpunkt eine Beamtin eingeloggt war, in jenem 1.Revier an der Zeil. Auf ihrem Handy entdeckten die Ermittler schließlich die Chat-Gruppe, die Dateien mit rassistischen und menschenverachtenden Inhalten ausgetauscht haben soll. Die Gruppe bestand aus weiteren Mitglieder des Innenstadt-Reviers. Insgesamt ein halbes Dutzend Polizeibeamte. Sie gehörten alle derselben Dienstgruppe an.

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