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Nach der Hessen-Wahl : Der Ehrgeiz des Tarek Al-Wazir

  • -Aktualisiert am

Tragische Figur oder nächster Wirtschaftsminister? Tarek Al-Wazir. Bild: Lüdecke, Matthias

Hessens Grünen-Chef Tarek Al-Wazir hat sich im Wahlkampf gewohnt selbstbewusst präsentiert. Doch nun stellt sich die Frage: Tragische Figur oder neuer Wirtschaftsminister?

          Vielen gilt er noch immer als heimlicher Oppositionsführer, auch wenn der SPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Thorsten Schäfer-Gümbel, in den vergangenen Jahren zweifellos an Statur gewonnen hat. Intelligent, scharfzüngig und mit Esprit kritisiert und motiviert Tarek Al-Wazir die Parlamentsmehrheit, ob CDU-Alleinregierung oder schwarz-gelbe Koalition. Seit Mai 2000 ist er Fraktionsvorsitzender der Grünen, seit 2007 auch deren Landesvorsitzender. Stets hatte er dabei die Vision eines rot-grün bestimmten Politikwechsels in Hessen vor Augen, und immer wieder - bei mittlerweile vier Landtagswahlen - wurden seine Hoffnungen enttäuscht.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nun droht Al-Wazir zur tragischen Gestalt der Landespolitik und zum großen Verlierer des vergangenen Wahlsonntags zu werden. Viereinhalb Jahre lang haben die Grünen das Beste aus ihrer Oppositionsrolle herausgeholt, mit Konzepten und betont konstruktiven Vorschlägen geglänzt, doch am Ende blieb Rot-Grün wieder ohne Mehrheit. Sollte sich als Konsequenz aus diesem Scheitern eine große Koalition von Union und Sozialdemokraten im Landtag ergeben, würde der Grünen-Chef abermals auf die Oppositionsbank verbannt.

          Händeringende Talentsuche

          Kaum vorstellbar, dass sich der 42 Jahre alte Offenbacher das noch weitere fünf Jahre antun würde, aber die Aussichten, in absehbarer Zeit in die Bundespolitik zu wechseln, stehen schlecht. Zwar suchen die Grünen in Berlin nach ihrem enttäuschenden Abschneiden bei der Bundestagswahl händeringend nach Talenten, ein Wechsel Al-Wazirs an die Bundesspitze der Partei scheitert aber an der Parteisatzung, die vorschreibt, dass ein Mitglied des Bundesvorstands nicht gleichzeitig Fraktionsvorsitzender in einem Landtag sein darf.

          Sollte sich der vom schwachen Abschneiden seiner Partei tief Enttäuschte in der nächsten Legislaturperiode für den geordneten Rückzug aus der Politik entscheiden, verlöre der Landtag einen seiner Besten. Doch könnte der von Al-Wazir vor der Wahl formulierte Wunsch, Wirtschafts- und Verkehrsminister zu werden, durchaus auch noch in Erfüllung gehen; entweder in einer schwarz-grünen Koalition oder in einem Bündnis von SPD, Grünen und Linkspartei. Manche in der Union spekulieren sogar darauf, dass der Ehrgeiz des Ober-Grünen, Politik nicht nur zu kommentieren, sondern zu gestalten, so ausgeprägt sei, dass er bei Koalitionsverhandlungen ein kompromissbereiter Partner sein könnte.

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