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Nach der Corona-Krise : Ein Jahr des Leidens

Genesung: Wie viele Unternehmen sich von der Krise erholen werden, ist nicht nur von der deutschen Wirtschaft abhängig. Bild: dpa

Hessens Wirtschaft leidet unter der Corona-Krise. Ob und wie gut sie sich erholt, hängt nicht nur von den hiesigen Unternehmen ab. Und die Hoffnung, dass die Krise im nächsten Jahr überwunden sein wird, könnte trügen.

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          Beinahe wie ein Schnupfen, hatten manche vor einigen Wochen noch gehofft, sei das Coronavirus: So schnell, wie die Pandemie komme, werde sie sicher auch wieder verschwinden.

          Doch der Vier-Phasen-Plan, den die hessischen Unternehmensverbände nun vorgelegt haben, sollte endgültig klarmachen: So leicht wird sich die Wirtschaft in der Region nicht erholen können. Statt weniger Wochen rechnet der Dachverband VhU mit einem Jahr, bis das Vorkrisenniveau erreicht ist, Betriebe wieder ungestört arbeiten, alle Lieferwege funktionieren und alle Beschäftigten, für die derzeit Kurzarbeit gilt, wieder so viel zu tun haben wie zu Jahresanfang.

          Nun kann auch diese Prognose so übertrieben sein, wie jene Szenarien untertrieben waren, die im Februar davon ausgingen, Deutschland werde schon nicht so schlimm getroffen. Aber Krisen sind nun einmal so einschneidend, weil sie meist ohne Vorbild sind. Kontaktverbote wie jetzt gab es noch nie, also kann auch keiner wirklich sagen, wie lange sie nötig sein werden. Und Politiker machen derzeit lieber zu viel, als sich dann hinterher mangelnde Vorsicht vorwerfen zu lassen.

          Erhebliche Steuerausfälle und weniger Leistungen

          Zudem hängt gerade das Wohlergehen der hessischen Wirtschaft nicht nur davon ab, was Politik und Mediziner in Berlin und Wiesbaden entscheiden, sondern auch von Beschlüssen in Madrid, Rom, Washington und Peking. Es nutzt etwa der hiesigen Autoindustrie wenig, wenn sie wieder ihre Betriebe öffnen darf, ihre Zulieferer in Südeuropa aber weiter stillstehen oder für wichtige Absatzmärkte Einreisestopps gelten.

          Sollte die Genesung tatsächlich bis Mitte des nächsten Jahres dauern, hat das nicht nur Auswirkungen auf Unternehmensgewinne und das Bruttoinlandsprodukt. Ob dieses nun drei oder fünf Prozent einbricht, beschäftigt derzeit zwar Ökonomen, die meisten Bürger aber können sich unter solchen abstrakten Zahlen wenig Konkretes vorstellen. Dabei bedeuten sie, dass auch in den nächsten Monaten viele Firmen pleitegehen und Zehntausende Menschen ihre Jobs verlieren werden. Und es bedeutet, dass viele hessische Kommunen sich zumindest für dieses Jahr auf erhebliche Steuerausfälle einstellen müssen– und sie viele Leistungen, die sie in guten Zeiten ihren Bürgern gönnten, im nächsten Jahr nicht mehr bezahlen können. Die Hoffnung, dass Corona 2021 kein Thema mehr sein wird, dürfte trügen.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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