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Nach CDU-Parteitag : Pläne für freiwillige Rückkehr zu G9

Ministerpräsident Bouffier will den Gymnasien die Entscheidung über G8 oder G9 selbst überlassen Bild: Kretzer, Michael

Die Landesregierung scheint beim Turbo-Abitur umzusteuern: Gymnasien könnten selbst entscheiden, heißt es nach dem Parteitag der Hessen-CDU. Die Opposition sieht ein Eingeständnis des Scheiterns.

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          Das Kultusministerium prüft, ob den Gymnasien erlaubt werden soll, freiwillig zur neunjährigen Schulzeit (G9) zurückzukehren. Ein Sprecher von Kultusministerin Nicola Beer (FDP) bezeichnete eine Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 als „eine Option von verschiedenen, die wir diskutieren“. Ziel der Überlegungen sei es, denjenigen entgegenzukommen, die mit der Schulzeitverkürzung unzufrieden seien. Sicher sei aber, dass es in Hessen auch künftig möglich sein werde, in acht Jahren Abitur zu machen.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der hessische Ministerpräsident und CDU-Vorsitzende Volker Bouffier hatte auf dem Landesparteitag am Samstag gesagt, im Zusammenhang mit der zunehmenden Selbständigkeit der Schulen sei es eine vernünftige Überlegung, den Gymnasien die Entscheidung über G8 oder G9 selbst zu überlassen. Beers Sprecher wertete dies als Zustimmung zu Äußerungen der Kultusministerin. Diese hatte nach ihrem Amtsantritt Ende Mai Nachbesserungen an der G8-Reform angekündigt.

          Letzte G9-Jahrgänge derzeit in Oberstufe

          Wie fast alle anderen Bundesländer hat Hessen die Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre verkürzt. Die ersten Gymnasien und Kooperativen Gesamtschulen begannen 2004/2005 mit der Reform, in den nächsten beiden Schuljahren folgten fast alle übrigen. Die letzten G9-Jahrgänge sind derzeit in der Oberstufe und werden 2014 Abitur machen. Besonders wegen der Verdichtung des Lehrstoffs in der Mittelstufe hatten Lehrer, Eltern und Schüler gegen die Reform protestiert. Als eine Reaktion erlaubte die Landesregierung den Kooperativen Gesamtschulen zum Schuljahr 2008/2009, bei einem Beschluss der Schulkonferenz zu G9 zurückzukehren.

          Landtagsopposition und Lehrergewerkschaft GEW werteten Bouffiers Äußerungen als richtig, aber auch als Eingeständnis des Scheiterns. Die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Heike Habermann, sprach von einem „überfälligen Sinneswandel der Landesregierung“. Ihre Partei sei von Anfang an gegen diese Form der Schulzeitverkürzung gewesen. „Die hessischen Schüler sind Opfer eines groß angelegten, gescheiterten Schulversuchs geworden.“ Statt G8 fordert die SPD eine Flexibilisierung der ganzen Schullaufbahn. Dazu gehört eine Schuleingangsphase in den ersten beiden Jahrgangsstufen, die Kinder in ein, zwei oder drei Jahren durchlaufen können, und eine Neuorganisation der Oberstufe als Kurssystem, das in zwei bis vier Jahren zu absolvieren ist.

          „Einmal mehr gescheitert“

          Nach Ansicht der Landtags-Grünen ist die schwarz-gelbe Bildungspolitik mit der G8-Reform „einmal mehr gescheitert“. Jahrelang habe die Regierung die Kritik von Schülern und Eltern ignoriert, sagte der bildungspolitische Sprecher Mathias Wagner. „Jetzt, nachdem eine Schülergeneration G8 fast ganz durchlaufen und durchlitten hat, sagt der Ministerpräsident faktisch: ‚G8 - das war nur so eine Idee von uns‘.“ Es sei zwar gut, wenn die CDU eigene Fehler erkenne, aber zu dieser Erkenntnis hätte man schon vor Jahren kommen müssen. Mit der den Schulen versprochenen Ruhe und Verlässlichkeit habe eine solche Politik nichts zu tun. Wagner kündigte an, die Kultusministerin zur Erläuterung der geplanten Schritte zu drängen. Man wolle wissen, wann die Lehrpläne überarbeitet werden und wann die Gymnasien zu G9 zurückkehren könnten.

          Auch die Lehrergewerkschaft GEW wertete die Worte Bouffiers als Eingeständnis des Scheiterns. Offenbar sei der Druck so hoch, dass die CDU vor der nächsten Landtagswahl ihre Position zurücknehme, sagte der hessische GEW-Vorsitzende Jochen Nagel der Nachrichtenagentur DPA. Seine Gewerkschaft fordere seit langem eine flächendeckende Rückkehr zur neunjährigen Gymnasialzeit. Eine Rückkehr zu G9 sei „kein riesiges Problem“, sagte Nagel: „Dann holt man den alten Stundenplan wieder heraus.“ Nagel kritisierte aber Bouffiers Überlegung, die Wahl zwischen G8 oder G9 den einzelnen Gymnasien zu überlassen. Das sei eine übergreifende Entscheidung, die von der Politik getroffen werden müsse.

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