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Compliance-Regeln in Firmen : Wulff und die Folgen

Vor der Causa Wulff: volles Haus zum Frankfurter Opernball 2010 Bild: Wonge Bergmann

Die Regeln in Unternehmen für Essenseinladungen und Geschenke sind so streng wie nie. Das merken auch diverse Galaveranstalter.

          Der Frankfurter Opernball hat in diesem Jahr nicht stattgefunden, und ob es ihn im nächsten Jahr geben wird, steht noch in den Sternen. Auch beim ersten Frankfurter Frühlingsball Anfang März im Palmengarten fiel es den Organisatoren schwer, die Tische zu verkaufen. Bisweilen bleiben bei Galas oder Bällen gar Plätze leer, weil Sponsoren der Veranstaltung zwar ganze Tische gebucht hatten, eingeladene Geschäftspartner aber bedauernd ablehnen mussten. Zwei Stichworte fallen in diesem Zusammenhang immer wieder: Wulff und Compliance.

          Patricia Andreae

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Die Affäre um den ehemaligen Bundespräsidenten habe der Branche immens geschadet, sagen all jene Veranstaltungsorganisatoren, die sich in einen Topf geworfen sehen mit dem Event-Manager Manfred Schmidt, der gemeinsam mit Wulffs Sprecher Olaf Glaeseker den Nord-Süd-Dialog vermarktet hatte. Solch enge Verknüpfungen mit der Politik sind allerdings selten. Doch ein Ministerpräsident, ein Kabinettsmitglied oder Oberbürgermeister als Schirmherr gilt Veranstaltern als nützlich, um Unternehmen als Unterstützer für eine Veranstaltung zu gewinnen. Inzwischen aber verweist man in vielen Firmen auf die Compliance-Regeln, wenn Anfragen für das Sponsoring einer Veranstaltung kommen. Diese Vorschriften lassen sich darauf reduzieren, dass Mitarbeiter alles zu vermeiden haben, was den Anschein von Bestechung oder Bestechlichkeit erwecken könnte.

          Festpreise für Geschäftsessen

          Es gehört nicht mehr unbedingt zum guten Ton, sich gegenüber Geschäftspartnern als großzügiger Gastgeber zu präsentieren, und ebenso wenig, solche Einladungen anzunehmen. Eine Entwicklung, die bei Nader Maleki auf Unverständnis stößt. Für den aus Iran stammenden Organisator der jährlichen Euro Finance Week in Frankfurt, die mit einem Benefizball in der Alten Oper endet, ist Gastfreundschaft Ehrensache. Für ihn sei es selbstverständlich, dass man eine Rechnung im Restaurant nicht teile, sondern darum streite, wer sie für alle übernehmen dürfe. „Es kann doch nicht sein, dass ich jemanden zum Mittagessen einlade und schauen muss, wie teuer das Getränk ist, damit mein Gast keine Schwierigkeiten mit seinen Compliance-Regeln bekommt“, sagt Maleki.

          Gastronomen reagieren mit Festpreisen für Geschäftsessen auf die strikten Vorschriften vieler Firmen. Wer beispielsweise zum Mittagessen in den Hessischen Hof eingeladen wird, kann zuvor mit dem Compliance-Beauftragten seines Unternehmens klären, ob eine Einladung, für die der Gastgeber 43 Euro zahlt, noch im Rahmen ist oder nicht. Eine Einladung aber für eine Ballnacht anzunehmen, für die die Karte mehr als 1000 Euro kostet, ist selbst für Mitglieder der Führungsebenen von Unternehmen zunehmend schwierig. Denn durch Berichte und Bilder in Zeitungen oder im Internet wird schnell publik, wenn Verantwortliche sich im edlen Umfeld tummeln, während vielleicht an anderer Stelle im Unternehmen gespart werden muss. So blieben beispielsweise im vergangenen Jahr beim Deutschen Apothekerball Plätze frei, weil einer der Sponsoren sie aus Compliance-Gründen nicht besetzen konnte.

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