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Tödlicher Unfall im November : Ermittlungen gegen Busfahrer wegen Bedienungsfehler

  • -Aktualisiert am

Tödlicher Unfall am Wiesbadener Hauptbahnhof: Nun wird gegen den Busfahrer ermittelt (Archivbild). Bild: Marcus Kaufhold

Bei einem schweren Busunfall im vergangenen Jahr am Wiesbadener Hauptbahnhof ist ein Mensch getötet worden. Nun verdichten sich die Hinweise, dass der Fahrer für das Unglück verantwortlich war.

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          Die Hinweise verdichten sich, dass der schwere Busunfall in der Nähe des Wiesbadener Hauptbahnhofs durch einen Bedienungsfehler ausgelöst worden sein könnte. Am Dienstag hat das städtische Mobilitätsunternehmen Eswe Verkehr ein Rundschreiben an alle Busfahrer versandt, in dem diese aufgefordert werden, eine Notlösevorrichtung für die Haltestellenbremse nur noch dann zu betätigen, wenn dies von der Leitstelle nach vorheriger Anfrage genehmigt wurde. Die Busfahrer müssen das Rundschreiben unterzeichnen, es wird der Personalakte beigefügt. Wer die Regeln missachtet, muss mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen.

          Bei dem Unfall am 21. November kam ein Mensch ums Leben, 23 Personen wurden verletzt. Die Wiesbadener Staatsanwalt hat inzwischen die Ermittlungen wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung im Straßenverkehr auf den Fahrer ausgeweitet, der den Bus übergeben hat, wie ein Sprecher am Mittwoch bestätigte. Zuvor war nur gegen den Fahrer ermittelt worden, der während des Unfalls am Steuer saß.

          Fehler beim Fahrerwechsel

          In der vergangenen Woche hatte es Hinweise darauf gegeben, dass ein Fehler beim Fahrerwechsel für den Unfall verantwortlich sein könnte. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es nicht, die Staatsanwaltschaft wartet das unfallanalytische Gutachten ab. Aus gut unterrichteten Quellen hatte diese Zeitung jedoch erfahren, dass fehlerhafte Einstellungen der Druckluftbremse und der Automatik-Schaltung zu dem Unglück geführt haben könnten.

          Neue Recherchen konkretisieren diese Angaben. Am Arbeitsplatz des Busfahrers gibt es eine Notlösevorrichtung, die von einer roten Kappe verdeckt wird. Diese muss der Fahrer aufklappen, bevor er den Knopf betätigen kann. Wird er gedrückt, löst sich die Haltestellenbremse, die mit Druckluft funktioniert. In diesem Fall kann man auch mit geöffneten Türen losfahren.

          Dem Vernehmen nach sollen Fahrer mitunter so vorgegangen sein, etwa wenn der Bus an der Haltestelle abgesenkt worden war und sich die geöffneten Türen am Bordsteinrand verkeilt hatten. Eigentlich müssen sie aufstehen, um die Türen vor der Weiterfahrt manuell zu schließen. Mit Hilfe des Notlöseknopf kann der Bus aber auch mit offenen Türen ein Stück fahren, anschließend lassen sich die Türen vom Fahrersitz aus schließen.

          Bus mit geöffneten Türen losgefahren

          Augenzeugen des Unfalls hatten berichtet, dass der Bus mit geöffneten Türen losgefahren sei. Unklar ist, warum der Bus so schnell losfuhr und der Fahrer nicht bremste, als er quer über den ersten Ring bis in die Haltestelle fuhr. Auch das soll das unfallanalytische Gutachten klären. Der 65Jahre alte Fahrer hat sich bisher nicht zu dem Unfall geäußert. Ein technischer Defekt an dem Bus scheint derzeit unwahrscheinlich.

          Dafür, dass der Notlöseknopf von Busfahrern nicht nur im Notfall benutzt wurde, spricht das Rundschreiben der Eswe-Geschäftsführung an die Fahrer. Es führt auf, wie die Haltestellenbremse und die Einstellung der Automatikschaltung bei einem Fahrerwechsel vorzunehmen sind.

          Fahrerwechsel finden oft an verkehrsreichen Straßen wie am Hauptbahnhof, an der Schwalbacher Straße oder dem Platz der Deutschen Einheit statt. Dort stauen sich die Busse binnen kurzer Zeit, wenn der erste Bus nicht zügig abfährt – etwa wegen am Bordsteinrand verkeilten Türen. Wie zu hören ist, könnte der Fahrer des ersten Busses dann versucht sein, den Notlöseknopf zu drücken, um vorzufahren und die hinteren Busse vorbeizulassen.

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