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Nach Hygieneskandal : Bei Burger King wird wieder gebrutzelt

  • -Aktualisiert am

Wieder im Angebot: In Frankfurt können Kunden wieder in „Whopper“ und Pommes beißen. Bild: dpa

Drei Wochen nach dem abrupten Aus für viele Burger King-Filialen in der Region haben die Frankfurter Restaurants am Dienstag wieder aufgemacht. Viele Mitarbeiter warten noch auf ihr Geld.

          Die erste Kundin ist eine ältere Dame mit Strickmütze. Sie sieht eigentlich nicht so aus, als würde sie regelmäßig Burger und Pommes essen. Das will sie auch gar nicht, aber interessiert ist sie doch: „Haben Sie jetzt wieder geöffnet?“, fragt sie die junge Frau, die gerade hinter dem Tresen in der Burger-King-Filiale an der Frankfurter Liebfrauenstraße ihren Posten bezogen hat. Und als die das strahlend mit Ja beantwortet, sagt die Dame: „Na, dann herzlichen Glückwunsch.“

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es dauert keine fünf Minuten, da stehen auch schon die ersten hungrigen Kunden wieder am Tresen. Ein junger Mann bestellt einen Long Chili Cheeseburger, der nächste Chicken-Nuggets. Es ist gerade zehn Uhr morgens, aber in der Frankfurter Innenstadt hat offenbar immer irgendjemand Hunger auf Deftiges.

          Insolvenzverwalter handelte eine zeitweise Lizenz aus

          An einem Mangel an Kundschaft hatte es ja auch nicht gelegen, dass die Türen des zentral zwischen Zeil und Römerberg gelegenen Schnellrestaurants für drei Wochen geschlossen waren. Die Filiale an der Liebfrauenstraße gehört vielmehr zu dem norddeutschen Franchisenehmer Yi-Ko-Holding, dem der Europaableger des amerikanischen Fast-Food-Konzerns nach mehreren Skandalen um die Hygiene und die Arbeitsbedingungen im November die Lizenz entzogen hatte. Am Donnerstag mussten die Gesellschafter für ihre Burger King GmbH Insolvenz anmelden.

          Der vorläufige Insolvenzverwalter Marc Odebrecht hat nun mit der Dachgesellschaft eine vorübergehende Lizenz ausgehandelt. Damit ein neuer Investor die insgesamt 89 Restaurants mit 3000 Mitarbeitern in ganz Deutschland übernimmt, müssen die Läden schließlich laufen. Die Fast-Food-Kette erteilte Odebrecht im Einzelnen eine vorläufige Erlaubnis zur Nutzung der Marke und finanziert den Neustart mit einem Massekredit in Millionenhöhe. Die Mitarbeiter in den Frankfurter Filialen sind froh. Sie hatten befürchtet, dass sie auf unbestimmte Zeit auf ihre ohnehin niedrigen Löhne warten müssten. Am Wochenende hatten viele von ihnen noch vor der Filiale in der Innenstadt für die Auszahlung ihrer ausstehenden Novembergehälter demonstriert, unterstützt von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD).

          Mitarbeiter sollen bis Weihnachten ihr Geld bekommen

          Wie Filiz Mahner, Gewerkschaftssekretärin bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, sagt, haben die Mitarbeiter inzwischen sogenannte Abtretungserklärungen erhalten. Wenn sie die unterschreiben, bekommen sie von einer Bank ihre Gehälter ausgezahlt, auch wenn noch nicht alle Formalien zum Insolvenzgeld geregelt sind. In der Filiale an der Liebfrauenstraße hat das noch nicht bei allen Mitarbeitern geklappt, wie eine Angestellte erzählt. Da es viele unterschiedliche Anstellungsarten gibt, muss in manchen Fällen offenbar erst noch genauer geklärt werden, wie viel Geld die jeweilige Kraft bekommt. Der vorläufige Insolvenzverwalter Odebrecht sagt bislang nur so viel: „Bis Weihnachten werden alle Mitarbeiter Geld erhalten.“

          Wie an der Liebfrauenstraße sind auch in den übrigen Burger-King-Restaurants von Yi-Ko in der Rhein-Main-Region an diesem Dienstag die Grills und Fritteusen wieder in Betrieb genommen worden. In Frankfurt zählen auch die beiden Restaurants an der Mainzer und der Hanauer Landstraße sowie im Hessen-Center und an der Borsigallee dazu, außerdem je zwei Lokale in Wiesbaden und Mainz.

          In dem Schnellrestaurant an der Liebfrauenstraße herrscht schon eine halbe Stunde nach Öffnung der Türen wieder normaler Betrieb. Zumindest vor dem Tresen. Dahinter und in der Küche muss erst einmal alles wieder in Gang kommen. Zwar haben die Mitarbeiter die Tage vor der Wiedereröffnung nach eigenen Angaben genutzt, um alles einmal gründlich zu putzen und die Geräte wieder fit zu machen. Aber offenbar haben noch nicht alle mitbekommen, dass ihre Filiale nun wieder geöffnet ist. Ein Angestellter spricht von wechselnden Zeitangaben von der Geschäftsführung. Erst habe es geheißen, die frische Ware werde um zehn Uhr geliefert, dann sei plötzlich von sechs Uhr früh die Rede gewesen. Whopper können natürlich erst verkauft werden, wenn auch die Brötchen, Buletten und Salatköpfe dafür da sind.

          Eine Mitarbeiterin sagt, sie sei sehr erleichtert, dass das Geschäft nun erst einmal wieder laufe – aber auch aufgeregt, ob die Kunden Burger King trotz der vielen negativen Geschichten die Treue halten werden. Zumindest an diesem Vormittag sieht es so aus. Die eine Mitarbeiterin, die zu Beginn allein an der Kasse steht, hat schnell viel zu tun.

          Nur eine Gruppe Schüler ist unschlüssig. „Lass uns mal lieber zu McDonald’s gehen“, sagt einer von ihnen. Hygiene und Arbeitsbedingungen scheinen ihn aber weniger zu interessieren. „Da gibt es auch Frühstück.“

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