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Carsten Knop

Kommentar zum Muttertag : Nicht nur für Mütter

  • -Aktualisiert am

Klassisch: Der Blumenstrauß zum Muttertag. Oder auch die Pralinenschachtel. Doch ist das noch zeitgemäß? Bild: dpa

Der Muttertag sollte der Feiertag einer großen familiären Freundschaft sein, gerne untermauert mit Blumenstrauß und Pralinen. Es geht darum, einander Last zu tragen, kritisches Geleit zu geben.

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          Zum Muttertag einmal wieder ein wenig in alten Büchern geblättert, nachdem zuvor die Anzeigen in der Zeitung auf den Tag aufmerksam gemacht hatten. Ob man ihn sonst vergessen hätte? Vielleicht. Insofern ist es ja gut, dass es diesen Hinweis gibt. Aber ist es mit dem Kauf des Blumenstraußes oder der Schachtel Pralinen getan?

          Die Antwort liegt nahe; man könnte hier nicht mehr ganz so jungen Kindern das Stilmittel der rhetorischen Frage erklären. Oder mit den noch älteren Kindern über das moderne Rollenverständnis von Müttern und Vätern reden. Schnell ist man dann bei Fragen rund um die gegenseitige Wertschätzung, kann darüber nachdenken, wie Liebe und Freundschaft miteinander zusammenhängen. Deshalb die alten Bücher.

          „Freundschaft ist das wichtigste Stück einer auf Dauer und Gewohnheit angelegten Liebe“, schreibt Ernst Bloch in „Das Prinzip Hoffnung“. Und weiter: „Es gehen die meisten Ehen nicht aus mangelnder Liebe, sondern aus mangelnder Freundschaft zugrunde.“ Es ist der Moment, in dem man sich in die Augen sieht – und der jeweils andere sieht nur sich selbst. Dagegen hilft nur Freundschaft. Die Freude des Menschen an einem anderen. Früher konnten sich nur Frauen gegenseitig in die Arme fallen, das hat sich zum Glück geändert.

          Feiertag einer großen familiären Freundschaft

          Männer schaffen das inzwischen auch, jedenfalls wenn Corona wieder vorbei ist. Aber genau das ist der richtige Weg – und die modernere Botschaft zum Muttertag. Es sollte der Feiertag einer großen familiären Freundschaft sein, gerne symbolisch untermauert mit Blumenstrauß und Pralinenschachtel. Es geht darum, einander Last zu tragen, kritisches Geleit zu geben. Und, wie es Max Frisch im „Fragebogen“ formuliert hat, „mit Fühlern, wie viel Aufrichtigkeit der andere gerade noch verkraften kann, und also Geduld“.

          Im Alltag, nach dem Muttertag, geht es in den familiären Freundschaften (und überall sonst in freundschaftlichen Beziehungen) nicht darum, recht behalten zu wollen, sondern dem anderen zu helfen, sein Gesicht zu wahren. „Wie sich im Wasser das Angesicht spiegelt, so ein Mensch im Herzen der anderen“, um noch ein anderes altes Buch, in diesem Fall die Bibel, zu zitieren (Sprüche 27,19).

          Diejenigen, die nun zum Muttertag eine Umarmung und eine materielle Kleinigkeit dazu schenken, sollten auch danach jeden Tag darum kämpfen, dass die Mutter, der Freund, erfährt: „Ja, der weiß, was ich brauche.“ Zum Muttertag im Blumenladen also daran denken – der Strauß kann nur ein Zeichen sein, am Netz der Freundschaft zu weben, jeden Tag.

          Carsten Knop
          Herausgeber.

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