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Mutter-Kind-Treff Al Karama : „Wenn ich gut denken, ich sage richtig“

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Rituale sind wichtig: Samira Al Hassani spielt mit Kindern im Eltern-Kind-Zentrum Al Karama. Bild: Wolfgang Eilmes

Ausgezeichnet mit dem Integrationspreis der Stadt Frankfurt: Der Mutter-Kind-Treff Al Karama in der Nordweststadt bietet nicht nur muslimischen Frauen einen Schutzraum.

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          Ein nasskalter Wind pfeift durch die Passage und treibt Blätter und Müll vor sich her. Eine weiße Plastiktüte findet an einem Laternenpfahl Halt, gleich vor der Trinkhalle „Treffpunkt“. Vier Gestalten trotzen hier dem ungemütlichen Wetter. „Ei gude, wie?“, „Was gibt’s sonst Neues?“: Ab und zu wird das Schweigen durch kleine Fragen unterbrochen, ohne dass jemand eine Antwort erwartet.

          Die Kleinen haben es nicht immer leicht im Leben. Da macht auch das Kleine Zentrum an der Thomas-Mann-Straße keine Ausnahme. In den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts als bürgernahe Alternative zum Nordwestzentrum erbaut, kann es sich mit dem boomenden Großen am Erich-Ollenhauer-Ring nicht messen. Und doch: Es gibt etwas Neues im Kleinen Zentrum am Rande der Nordweststadt, den Bukhdi-Markt für orientalische Lebensmittel zum Beispiel, im April dieses Jahres eröffnet. Außer einer Apotheke, einem Bäcker, Arztpraxen und einem Supermarkt werben in den Ladenlokalen auch „Coiffure Ajabli“, die Änderungsschneiderei von Reha Kebrom aus Eritrea und das marokkanische Lebensmittelgeschäft As-Salam um Kunden. In den Betonschatten der katholischen St.-Matthias-Kirche duckt sich der Karadeniz Merkez; seine Tür ist allerdings verschlossen. Ob es den hier ebenfalls ausgewiesenen Verein der Freunde Schwarzes Meer noch gibt - das kann oder will niemand so genau wissen. An den von Jugendlichen liebevoll „Nordi“ genannten großen Verwandten erinnert im Kleinen Zentrum allenfalls, dass es zwei Ebenen hat. Und dass seine Wände mit einem glänzenden Marmor-Imitat verkleidet sind.

          Männer gehören nicht zu den Besuchern

          Gerade haben sich vor den Räumen der „Arche“ neben dem Bukhdi-Markt an die 30 Grundschulkinder versammelt. Sie schwatzen und hüpfen, schubsen und lachen - und warten darauf, dass hier der Hort für sie öffnet. Auch am Ende der unteren Passage, schräg gegenüber vom Islamischen Kulturverein Masjid As-Salam, dessen Fenster mit großformatigen Architekturfotos verklebt sind, geht es lebhaft zu. Drei Kinderwagen, darunter einer für Zwillinge, parken vor einer Tür, die sich immer wieder öffnet. Hier ist seit 2009 das Al Karama untergebracht, ein Zweig des von der Stadt Frankfurt geförderten Kinder- und Familienzentrums KiFaZ Nordwest, das sich sein Programm in den Namen geschrieben hat: „Al Karama - Jeder Mensch hat es verdient, geachtet zu werden“. Hunderte von Müttern mit Kindern im Alter von bis zu vier Jahren haben in den vergangenen sechs Jahren die vielfältigen Angebote dieses Treffpunkts wahrgenommen. Ende November wurde das Al Karama mit dem Integrationspreis der Stadt Frankfurt ausgezeichnet.

          „Das Highlight“, sagt Sozialarbeiterin Susanne Beckey, „ist der offene Frühstückstreff für Frauen.“ Jeweils dienstags und freitags vormittags finden sie sich hier ein, türkische und marokkanische, syrische und afghanische, pakistanische und tunesische, auch polnische, japanische und chinesische Frauen aus der Nordweststadt. „Über die vielen Jahre hat sich die Einrichtung den Ruf erworben, dass man hierher kommen kann, auch als muslimische Frau“, berichtet Beckey. Das Al Karama habe sich zu einem Schutzraum, einem eigenen Ort für Frauen entwickelt, von denen mindestens die Hälfte ein Kopftuch trägt. Auch wenn ein Verbotsschild nirgendwo zu entdecken ist: Männer gehören einfach nicht zu den Besuchern.

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