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Mutmaßliche Islamisten : Zweifel am geplanten Anschlag auf Frankfurter Radrennen

Damalige Untersuchungen: Beamte unterwegs im Appartementkomplex, in dem das Paar in Oberursel lebte. Bild: dpa

Es habe nie einen konkreten Plan für einen Anschlag gegeben: Der Anwalt des Oberurseler Terror-Verdächtigen weist die Anschuldigungen gegen Halil D. zurück. Auch Medien berichten von Zweifeln. Die Staatsanwaltschaft schweigt.

          Laut dem Anwalt des Oberurseler Terror-Verdächtigen hat es nie einen konkreten Plan für einen Anschlag auf das Radrennen am 1. Mai in Frankfurt gegeben. So beweise ein Gutachten, dass das von Halil D. und seiner Frau Senay vor dem Radrennen gekaufte Wasserstoffperoxid zur Schimmelbekämpfung in deren Wohnung genutzt worden sei. Zudem behauptete der Verteidiger auf Anfrage, die im Keller des Ehepaares gefundene Rohrbombe sei schon rund 20 Jahre alt. Klassenkameraden von Halil D. hätten in ihren Vernehmungen bestätigt, dass sie damals gemeinsam solcherlei Sprengsätze gebaut hätten, um Zigarettenautomaten aufzubrechen. Allerdings seien die Bomben in den Neunziger Jahren nicht wie die in Oberursel gefundene mit Nägeln und Metallsplittern gefüllt worden.

          Denise Peikert

          Freie Autorin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Frankfurter Staatsanwaltschaft wollte die Spekulationen zu den Ermittlungen aus polizeitaktischen Gründen nicht kommentieren. Zuvor hatte schon die „Süddeutsche Zeitung“ über Zweifel an den Anschlagsplänen berichtet und einen Sachverständigen des Hessischen Landeskriminalamts zitiert, wonach die gefundene Rohrbombe „eigenartig und sprengtechnisch unlogisch“ sowie einem handelsüblichen Böller nachempfunden sei. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte am Dienstag, es sei eine zündfähige Bombe gefunden worden, und es werde weiter wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat ermittelt.

          Halil D. war mit seiner Frau Senay Ende April festgenommen worden und sitzt auch nach einem Haftprüfungstermin im Juli weiter in Untersuchungshaft. Die 34 Jahre alte Frau ist seither wieder auf freiem Fuß, weil ein dringender Tatverdacht gegen sie nicht nachgewiesen werden konnte. Die beiden werden aber weiter verdächtigt, einen Anschlag auf das Radrennen in Frankfurt am 1. Mai dieses Jahres geplant zu haben. Das Rennen war nach der Festnahme des Paares kurzfristig abgesagt worden. In der Wohnung der beiden in Oberursel fand die Polizei die Rohrbombe, Waffenteile, Munition und Chemikalien sowie 24.000 Euro in bar.

          Eine Baumarkt-Verkäuferin war auf Halil D. und seine Frau aufmerksam geworden, als die beiden drei Flaschen zu je einem Liter Wasserstoffperoxid kauften. Der Deutsch-Türke gab zwar einen falschen Namen beim Kauf der Chemikalie an, hinterließ aber einen Fingerabdruck. Er war der Polizei schon länger als Mitglied der islamistischen Szene bekannt. Er galt aber bis dahin als ungefährlich.

          Der Frankfurter Anwalt von D., Ali Aydin, sagte am Dienstag, sein Mandant sei überrascht gewesen, dass er beim Kauf der Chemikalie seinen Namen angeben sollte. Daher habe er einen falschen notiert. Das Wasserstoffperoxid hätte das Paar benötigt, um Schimmel in ihrer Oberurseler Wohnung zu beseitigen. Laut dem Anwalt bestätigt ein Gutachter nicht nur, dass es in der Wohnung tatsächlich Schimmel gegeben hat. Dieser sei nachweislich auch mit einer Lösung aus dem Wasserstoffperoxid und Spiritus behandelt worden. Warum Halil und Senay D. für ihre kleine Wohnung gleich drei Liter Wasserstoffperoxid gekauft haben, erklärt Aydin so: Schon einige Zeit zuvor hätten die beiden sich einen Liter der Chemikalie besorgt. Nach der Behandlung des Schimmels damit sei der Pilz aber zurückgekehrt, weshalb das Paar im April eine größere Menge gekauft hätte.

          Nach dem Hinweis der Kassierin beobachtete die Polizei Halil und Senay D. Der 35 Jahre alte Mann fuhr vor dem 1. Mai die Radrennstrecke mehrfach mit seinem Auto ab. Die Beamten gingen davon aus, dass das möglicherweise der Anschlagsplanung diente. Anwalt Aydin sagt dagegen, D. habe seinen Wagen „warmfahren“ müssen bei mehreren Versuchen, eine TÜV-Untersuchung zu überstehen. Weiter führt der Anwalt aus, bei seinem Mandanten seien zwar Waffenteile gefunden worden, wovon einige unter das Waffengesetz fallen. Von einem Sturmgewehr vom Typ G3 sei darunter jedoch beispielsweise ein Gurt, aber keine wirklich relevanten Teile. Dass die Waffen nicht einsatzfähig gewesen seien, bestätigen laut dem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ auch Ermittler.

          Halil D. hat an der Goethe-Universität in Frankfurt Chemie studiert und soll laut LKA Kontakte in die Islamistenszene gehabt haben. Die Ermittlungen rund um das Radrennen hat die für terroristische Vereinigungen zuständige Generalbundesanwaltschaft jedoch nicht übernommen, der Fall liegt weiter bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft.

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